Der Steinbruch bei Ellweiler im Kreis Birkenfeld in dem die Bauschuttdeponie entstehen soll. (Foto: SWR)

Geplante Bauschuttdeponie im Kreis Birkenfeld umstritten

Bürger in Ellweiler haben Angst vor "Mülltourismus"

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Eine saarländische Firma plant in einem ehemaligen Steinbruch bei Ellweiler (Kreis Birkenfeld) eine Bauschuttdeponie. Die Menschen vor Ort sind in Sorge. Sie befürchten "Mülltourismus" und damit zunehmenden Lkw-Lärm.

Die Gemeinde Ellweiler hat etwas mehr als 300 Einwohnerinnen und Einwohner. Der Ort liegt am Rande des Kreises Birkenfeld, im idyllischen Trauntal, wenige Kilometer vom Nationalpark Hunsrück-Hochwald entfernt. Ein Unternehmen aus dem Saarland plant bei Ellweiler eine Deponie für Bauschutt. Entstehen soll diese in einem ehemaligen Steinbruch.

Mit diesen Plänen habe das ganze Dorf ein Problem, so die Ortsbürgermeisterin Ellen Breuer. Das habe eine Umfrage ergeben. "Im Moment ist es so, dass die Leute teilweise resigniert sind, weil immer mal wieder das Gerücht gestreut wird, dass die Deponie schon genehmigt ist. Ich motiviere die Leute dann immer und sage ihnen, dass wir uns noch wehren." Das will die Gemeinde jetzt während der Offenlage der Pläne mit einer neuen Stellungnahme tun.

Steinbruch bei Ellweiler (Foto: SWR)
Ortsbürgermeisterin Ellen Breuer und ihr Erster Beigeordnete Holger Spreier stehen vor dem ehemaligen Steinbruch "Haumbach 2" in dem ein Unternehmen aus dem Saarland eine Bauschuttdeponie einrichten will.

Holger Spreier, der Erste Beigeordnete der Gemeinde, steht fest an der Seite seiner Ortsbürgermeisterin. Spreier befürchtet "Mülltourismus" und mehr Lkw-Lärm. Er sagt, dass es im Kreis Birkenfeld gar keinen Bedarf für eine Deponie dieser Größe gibt. "Für einen wirtschaftlichen Betrieb muss es deswegen zwangsläufig so sein, dass die Abfälle von weither angefahren werden müssen, um das Ganze wirtschaftlich zu betreiben."

Behörden sehen regionalen Bedarf

Holger Schäfer von den Abfallwirtschaftsbetrieben (AWB) im Kreis Birkenfeld hingegen sieht Bedarf. Er sagt, dass die Kapazität der aktuellen Bauschuttdeponie im Kreis in wenigen Jahren erschöpft sein werde: "Es ging uns darum, eine ortsnahe Alternative zu finden."

Die Abfallwirtschaftsbetriebe haben nachgerechnet, basierend auf Statistiken und Erfahrungswerten kam sie zu dem Ergebnis: Die Deponie im Kreis wird gebraucht. Müsste der Bauschutt weiter weggefahren werden, weil er nicht ortsnah deponiert werden könnte, entstünden auch höhere Transportkosten, was dann zur wirtschaftlichen Frage würde, sagt Schäfer.

Abfallwirtschaftbetrieb sieht keine Lärmgefahr in Ortslage

"Stellen sie sich mal vor, sie haben eine Baufirma, die macht an ihrem Haus irgendwelche Abrissarbeiten. Da fällt Bauschutt an, der entsorgt werden muss. Und der muss dann beispielsweise in die Eifel gefahren werden. Das kostet mehr Zeit und mehr Sprit", so Schäfer. Zunehmenden Verkehrslärm befürchtet Schäfer ebenfalls nicht: "Die Zufahrt führt über eine Bundesstraße und nicht durch die Ortslage Ellweiler."

Überregionale Bauschutt-Anlieferung möglich

Holger Schäfer kann allerdings Anlieferungen aus anderen Regionen nicht komplett ausschließen: "Natürlich ist es so, dass so eine Deponie auch eine gewisse Ausstrahlungswirkung in die nähere Umgebung hat, in der sie liegt. Vielleicht auch in das benachbarte Saarland. Die Frage ist dann auch: Ist das schon Mülltourismus? Heute werden solche Dinge aber auch ganz klar über die Energiepreise geregelt. Es macht bei diesen Dieselpreisen einfach keinen Sinn, Abfälle aus großer Entfernung hierher zubringen."

Zukünftiger Deponiebetreiber sieht keine Probleme

Martin Gihl, der Unternehmer, der die Deponie in Zukunft betreiben möchte, geht davon aus, dass im Jahr zwischen 50.000 und 100.000 Tonnen Bauschutt anfallen könnten. Dennoch: Wenn Müll aus größerer Entfernung angeliefert werde, müsse sich das der Erzeuger extra genehmigen lassen. Diese Fälle gebe es, ein Teil des Bauschutts könne deswegen auch beispielsweise aus Luxemburg kommen, sagt Gihl, der dennoch die Sorgen der Ellweilerer nicht ganz verstehen kann.

Unternehmer Martin Gihl steht in dem Steinbruch bei Ellweiler (Kreis Birkenfeld), in dem er eine Mülldeponie für gering belasteten Bauschutt einrichten will. (Foto: SWR)
Unternehmer Martin Gihl steht in dem Steinbruch bei Ellweiler (Kreis Birkenfeld), in dem er eine Mülldeponie für gering belasteten Bauschutt einrichten will.

"Warum hat man Angst? Das Material ist das gleiche, ob das jetzt aus Luxemburg kommt oder aus Hermeskeil. Wo ist der Unterschied? Ich tue mich auch mit dem Begriff Müll sehr sehr schwer. Wir lagern hier ja keinen Müll ein. Müll ist für mich Hausmüll mit Plastik oder sonstigen Abfällen. Das ist ja hier nicht der Fall."

"Der Abfall ist da, wo soll er hin?"

Gihl hofft, dass sich der Konflikt irgendwie lösen lässt und er in etwa vier Jahren damit beginnen kann, bei Ellweiler das sogenannte DK1 Material abzulagern (siehe Infobox). Für Martin Gihl stellt sich bei all dem aber auch eine grundlegende Frage: "Der Abfall ist da, wo soll er hin?"

Die Ortsbürgermeisterin von Ellweiler, Ellen Breuer, will den Abfall jedenfalls nicht in ihrer Gemeinde haben: "Ich hoffe, natürlich, dass die Abfalldeponie nicht kommt. Klar, wer hofft das nicht, wenn er dagegen ist."

SGD Nord hat letztes Wort

Das letzte Wort hat jetzt die zuständige Genehmigungsbehörde SGD Nord. Die Behörde muss entscheiden, ob die Deponie gebaut werden darf oder nicht. Wann entgültig eine Entscheidung getroffen wird ist nach Angaben der SGD Nord derzeit noch nicht absehbar.

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