Ein grüner Bus vor einer Bushaltestelle - Eifelkreis will kostenloeses Busticket für Jugendliche (Foto: picture-alliance / Reportdienste, dpa Bildfunk,  Julian Stratenschulte)

Nahverkehr in der Region Trier zu wenig genutzt

Eifelkreis will kostenloses Busticket für Jugendliche

STAND

Trotz neuer Linien sind in der Region Trier weiterhin einige leere Busse unterwegs. Der Eifelkreis will Jugendlichen den ÖPNV nun über ein neues Angebot schmackhaft machen.

Alle paar Minuten halten am Zentralen Omnibusbahnhof in Bitburg blau-weiße Busse. Es sind mehr geworden in den vergangenen Jahren. Elf neue Busnetze sind mittlerweile in der Eifel, an der Mosel und im Hunsrück an den Start gegangen, und dadurch auch einige neue Linien. 

Viele Busse in der Region Trier ohne Fahrgäste

Die blau-weißen Busse des Verkehrsverbundes Region Trier (VRT) halten seitdem nicht nur häufiger in Trier, Konz, Wittlich und Bitburg, sondern auch an Orten, die bislang nicht angebunden waren. Das Problem ist nur, dass viele der Fahrzeuge noch immer leer durch die Gegend fahren.

In der Stadt Trier wird das neue Angebot - wie auch schon vor dem Start der neuen Linienbündel - gut angenommen. Zwischen Heckhuscheid und Heckenmünster, Longkamp und Longuich sieht die Lage allerdings anders aus.

"Wenn nicht gerade die Schulglocke läutet, steigt in manchen Dörfern kaum jemand zu".

Kommunen in der Eifel zahlen bei erweitertem Busangebot drauf

Weires ist Fraktionschef der Grünen im Kreistag des Eifelkreises Bitburg-Prüm. Und der Bitburger macht sich wegen der geringen Auslastung der neuen Linien Sorgen - einerseits wegen des Klimas, denn der Grüne wünscht sich eine Verkehrswende hin zu weniger Individualverkehr, andererseits aber auch wegen der kommunalen Finanzen.

Zwar ist der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) auf dem Land schon immer ein Verlustgeschäft gewesen. Durch die Erweiterung des Angebotes sind die Kosten für die Kreise aber jeweils um mehrere Millionen gestiegen. "Und wir verkaufen einfach nicht genügend Tickets, um das Defizit auch nur annähernd auszugleichen", sagt Weires.

Corona sorgt für weniger Fahrgäste im ÖPNV

Dass noch nicht alle Linien mit Leben gefüllt sind, bestätigt der VRT. So gibt es zwar für 2021 noch keine belastbaren Zahlen. Für das erste Coronajahr 2020 ist die Bilanz aber ernüchternd. Trotz neuer Angebote verzeichnete der VRT 2020 nur 15,8 Millionen Passagiere. 2019 waren es noch 24,3 Millionen gewesen.

Diese Entwicklung allerdings gibt es in ganz Deutschland. Und sie hat vor allem mit der Pandemie zu tun, sagt Pressesprecherin Katharina Fäßler: „Der ÖPNV insgesamt verzeichnet bundesweit Nachfragerückgänge.“ Die Zahlen seien daher nicht repräsentativ.

Eifelkreis will kostenloses Busnetz für Jugendliche

"Ein Grund dafür ist der reduzierte Mobilitätsbedarf" erklärt Fäßler: Denn die Menschen seien einfach mehr zuhause. Zudem habe die Pandemie „bei manchen Menschen die Skepsis gegenüber dem ÖPNV erhöht, aufgrund einer gewissen Hemmschwelle vor zu engem Kontakt mit anderen Menschen.“ Für Weires steht dennoch fest:

"Es muss jetzt etwas passieren. Wir können nicht warten, bis die Pandemie vielleicht irgendwann einmal vorbei ist."

Und mit dieser Einschätzung ist der Bitburger Grüne nicht alleine. Auch in der Eifeler CDU und in der SPD hat man sich über den teuren und wenig ausgelasteten Nahverkehr Gedanken gemacht.

Was den Parteien vorschwebt: Den ÖPNV erstmal für Jugendliche für zwei Jahre gratis anzubieten, später vielleicht auch für finanziell schwache Menschen und Senioren. Ein niedrigschwelliges Schnupperangebot also, das Kunden den Nahverkehr schmackhaft machen soll.

Der Kreistag Bitburg-Prüm hat sich in der jüngsten Sitzung darauf verständigt, diesen Antrag zu prüfen. Beim nächsten Termin am 7. März sollen alle Zahlen und Fakten zu dem Vorschlag auf dem Tisch liegen. Dann soll sich entscheiden, ob das Projekt umgesetzt wird.

VRT: "Nicht ohne Mittel des Bundes oder des Landes"

Beim VRT ist man skeptisch. "Grundsätzlich ist die Idee, das Busfahren gerade für die junge Generation kostenlos zu machen gut", sagt Pressesprecherin Katharina Fäßler: "Dies kann aber schon aus finanziellen Gründen nicht auf regionaler Ebene geleistet werden, jedenfalls nicht ohne entsprechende Mittel des Bundes oder des Landes."

Denn ein kostenloser ÖPNV für Jugendliche würde laut dem Verkehrsverbund allein in Trier sowie den vier umliegenden Landkreisen Trier-Saarburg, Bernkastel-Wittlich und den beiden Eifelkreisen mit einem zweistelligen Millionenbetrag zu Buche schlagen. Ein Betrag, der ohne Finanzspritze aus Mainz oder Berlin nicht zu stemmen sei. Und zu erwarten steht dort derzeit nichts.

Verkehrsverbund hält nichts von Sonderlösungen

Die Idee stößt beim VRT aber noch aus anderen Gründen auf Ablehnung. "Die Schaffung von tariflichen Sonderzonen, die sich an politischen Grenzen orientieren, läuft dem Ziel einer einheitlichen Tarifstruktur im Verbund zuwider", heißt es aus Trier. Zudem müssten die Aufgabenträger die wegfallenden Erlöse auch kompensieren.

Ein leerer Bus steht am Busbahnhof in Wittlich.  (Foto: SWR)
Am Wittlicher Busbahnhof steht ein leerer Bus - das ist leider keine Seltenheit in der Region Trier.

Doch wie könnten Kreise und Verbund sonst auf eine größere Attraktivität der Busse hinwirken? Beim VRT jedenfalls sieht man nicht schwarz. Die elf neuen Linienbündel, und die vier, die noch fehlen (Wittlicher Land, Hunsrück, Waldeifel und Kylltal), seien erstmal ein "modernes, verlässliches und gut getaktetes Angebot". Nun sei, so Katharina Fäßler, "davon auszugehen, dass es bis zu fünf Jahre dauern kann, bis sich dieses Angebot durchgesetzt hat und die Kunden es annehmen."

JobTicket und Sparkarte sollen Kunden locken

Erste Erfolge seien zwar zu erkennen. "Wir sehen in den ländlichen Gebieten leichte Zuwächse in den Verkaufsstatistiken, die auf eine steigende Nutzung deuten könnten." Um das Ticketgeschäft aber noch etwas anzukurbeln, rührt der Verkehrsverbund auch selbst die Werbetrommel und bringt Angebote auf den Weg.

Da wäre etwa das neue JobTicket oder die seit 2022 günstigere VRT-SparKarte. Darüber hinaus wurde mit der KombiTicket-Kooperation in der Stadt Trier ein Anreiz geschaffen, mit dem Bus zu Veranstaltungen zu fahren. Und zumindest was diese Aktionen angeht, gebe es gute Nachrichten, schreibt Fäßler: "Bei allen drei Tickets beobachten wir ein steigendes Kundeninteresse."

Trier

DB baut Eifelstrecke Stück für Stück wieder auf Züge fahren nach der Flut wieder durch die Eifel

Zerstörungen wie noch nie - nach der Flut im Juli. Die Eifelstrecke ist mit am stärksten beschädigt. Aber auf einem Abschnitt von Trier bis Auw können jetzt wieder Züge fahren.

STAND
AUTOR/IN
SWR