In Kordel - auch mehr als ein halbes Jahr nach der Flut noch viel zu tun. (Foto: SWR)

Viele Schäden an Gebäuden im Ortskern

In Kordel ist auch Monate nach Kyll-Flut viel zu tun

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Dunja von Morzé

In Kordel (Kreis Trier-Saarburg) läuft auch Monate nach der Flut der Betrieb noch nicht überall normal. Wegen der Hochwasserschäden sieht man im Ortskern viele Container.

Wer durch den beschaulichen Ort Kordel an der Kyll geht - dem fallen viele Container auf. Vor manchen Häusern im Ortskern stehen noch Müll-Container in orange und grün mit Bauschutt. Andere Container - meist beigefarben - werden als Lager oder Geschäft genutzt.

Die Friseurin Meike Weinand nutzt so einen Container, um dort ihren Kunden die Haare zu schneiden. Denn sie weiß nicht, wann sie wieder in den Laden kann. Das Parterre des Gebäudes sieht aus wie im Rohbau-Zustand. Weinand hofft, dass sie in ein paar Monaten wieder im Laden steht. Ihre Kunden hätten Verständnis, sagt sie. Aber sie kostet es Kraft, mit der Übergangslösung, wie sie sagt.

Metzgerei - Schäden gehen in die Millionen

Auch die Inhaber der Metzgerei hoffen, dass sie bald weitermachen können. In der Metzgerei hat das Hochwasser immense Schäden angerichtet. Nicht nur die modernen Kühltheken sind hinüber. Die Flut im Juli hat auch im Lager mit den Kühlkammern verheerende Schäden verursacht. Vieles ist zerstört.

Die Inhaber setzen sich seit Monaten mit der Versicherung auseinander. Sie haben erst nach dem Schaden erfahren, dass sie unterversichert waren. Jetzt müssen sie klären, wie sie an weitere Gelder kommen. Das zehrt an den Kräften.

In Kordel war die Rettung im Juli beim Hochwasser der Kyll oft nur noch mit Booten möglich. (Foto: SWR)
In Kordel war die Rettung im Juli beim Hochwasser der Kyll oft nur noch mit Booten möglich. Bild in Detailansicht öffnen
Rettungskräfte haben viele Menschen in Kordel im Juli bei der Kyll-Flut in Sicherheit gebracht. Bild in Detailansicht öffnen
Ein halbes Jahr später: In Kordel führt der Bürgermeister die Wiederaufbau-Beauftragte durch den Ort. Bild in Detailansicht öffnen
In Kordel zeigt die Inhaberin der Metzgerei der Beauftragten für Wiederaufbau die immensen Schäden, die das Hochwasser am Lager angerichtet hat. Bild in Detailansicht öffnen
In Kordel hat eine Friseurin ihren Laden in einen Container ausgelagert - der Friseurladen ist im Zustand wie ein Rohbau. Bild in Detailansicht öffnen
Friseurin Meike Weinand zeigt den total beschädigten Friseurladen in Kordel - sie arbeitet derzeit in einem Container. Bild in Detailansicht öffnen
Die Kyll hat vor einem halben Jahr die Mauer am Kindergarten in Kordel umgerissen. Bild in Detailansicht öffnen
In Kordel zeigt der Bürgermeister bei einem Rundgang, welche Schäden am Kindergarten die Flut angerichtet hat. Bild in Detailansicht öffnen
Diese Wand aus Bimsstein im Kordeler Kindergarten hat sich durch das Hochwasser mit Feuchtigkeit vollgesogen. Bild in Detailansicht öffnen
Der Hochwasser-Müll ist weggeräumt. Aber viele Häuser in Kordel müssen weiter saniert werden - auch ein halbes Jahr nach der Flut. Bild in Detailansicht öffnen
Der Schaden nach der Flut geht auch im Feuerwehrhaus Kordel in die Millionen. Bild in Detailansicht öffnen
Gegenüber vom Feuerwehrhaus in Kordel sind Container aufgestellt - dort ist ein Großteil der Ausrüstung nach der Flut untergebracht. Bild in Detailansicht öffnen
Lichtblick in Kordel ist die Apotheke. Sie wird umfassend saniert nach dem Hochwasser-Schaden und soll möglichst im Frühjahr wieder aufmachen. Bild in Detailansicht öffnen

Kindergartenkinder können noch lange nicht zurück

Besonders schlimm hat es das Gebäude der Kita in Kordel getroffen. Dort habe das Wasser zu lange gestanden. Die Wände haben sich vollgesogen mit dem verunreinigten Wasser der Kyll. Das Gebäude dürfte nicht mehr zu retten sein. Die Gemeinde will jetzt mit dem Bistum klären, welche Lösung es gibt. Die Kindergartenkinder werden inzwischen in Räumen der Grundschule betreut.

Die Kosten für die Zwischenlösung und ein neues Gebäude dürften bei rund sechs Millionen Euro liegen, so Ortsbürgermeister Medard Roth (parteilos). Wann die Kordeler Kinder wieder in einem Kindergarten spielen und lernen werden, sei noch offen. Das sei seine größte Sorge, sagt Medard Roth.

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Gebäude und Fahrzeuge der Freiwilligen Feuerwehr müssen repariert werden

Auch die Sparkasse hat einen Teil ihres Kundenservice in Containern ausgelagert. Wenige Meter daneben: Wieder Container. Dort überwintert die Ausrüstung der Freiwilligen Feuerwehr. Das Gebäude müsse aufwendig saniert werden, sagt Wehrleiter Stephan Roth Er ist der Sohn des Bürgermeisters. In der Umkleide und anderen Bereichen ist schon der Putz abgeschlagen, die Böden herausgerissen.

Bautrockner und Ventilatoren laufen. Schäden sind im Mauerwerk, Estrich und der ganzen Gebäudetechnik. Denn dort habe bis zu 36 Stunden das Wasser gestanden. Abschnitt für Abschnitt müsse saniert werden. Auch die Feuerwehrfahrzeuge wurden in Mitleidenschaft gezogen. An einem entstand Totalschaden. Es muss ersetzt werden. Positiv überrascht sei er allerdings gewesen, wie viel Hilfe kam.

Häuser noch mit Schäden

Einige Kordeler hätten noch mit ihren Versicherungen Probleme, die Schäden zu regulieren. Bürgermeister Medard Roth gerät beim Thema in Rage. "Die Versicherungen versprechen bei einem Abschluss eines Versicherungsvertrages alles mögliche. Nur wenn ein Schadensfall eintritt, vor allen Dingen dann, wenn er über 100.000 Euro geht, dann will niemand etwas mit der Sache zu tun haben."

"Wenn ein Schadensfall eintritt, vor allen Dingen dann, wenn er über 100.000 Euro geht, dann will niemand etwas mit der Sache zu tun haben."

Nach seiner Erfahrung dauert es dann Monate, bis sich etwas tue. Es kämen fünf, sechs Gutachter. Die meist zu unterschiedlichen Ergebnissen kämen. Auch sei ein Problem, dass die Leute immer wieder auf Gutachter warten müssten, sagt Bürgermeister Roth.

Aber es gibt auch einen Lichtblick: Die schwer getroffene Apotheke im Ortskern wird umfangreich wieder hergestellt. Drinnen werkeln Schreiner an der neuen, hellen Inneneinrichtung. Der Inhaber der Apotheke ist optimistisch: Er geht davon aus, dass er im Frühjahr wieder aufmachen kann.

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Dunja von Morzé