Medard Roth, Bürgermeister von Kordel vor einem der vielen Baucontainer im Ort. Die Kyll hatte Mitte Juli den Ort überflutet (Foto: SWR)

Hochwasserkatastrophe Mitte Juli

Drei Monate nach der Flut: Wie es in Kordel heute aussieht

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Die Hochwasserkatastrophe Mitte Juli traf Kordel in der Eifel besonders hart. Die Kyll überflutete 225 Häuser. Viele Kordeler sind noch nicht zurück.

Die Spuren der Hochwasserkatastrophe sind in Kordel (Landkreis Trier-Saarburg) noch zu sehen: An den Uferstraßen der Kyll stehen vor vielen Häusern noch Baucontainer oder Heizungen - oder beides. Vor Joachim Lorigs Haus steht auch noch ein Wohnwagen. Dort übernachtet er meist noch. In seinem Haus im Erdgeschoss ist fast alles im Rohbau.

"Es ist halt alles kaputt. Türen, Boden, Estrich. Alles neu zu machen, würde bestimmt bis zu 250.000 Euro kosten."

So viel Geld bekommt er wahrscheinlich nicht zusammen - auch wenn er schon Soforthilfe erhalten hat. Lorig hofft auf weitere Spenden. Die Küche muss er daher notdürftig reparieren. So wie ihm ergeht es vielen Menschen in Kordel, sagt Ortsbügermeister Medard Roth (parteilos).

Viele Menschen wohnen noch außerhalb von Kordel

Bürgermeister Roth sagt, dass in den Häusern, wo das Wasser besonders gewütet hat, noch viel zu tun sei. Darin könne man noch nicht wohnen. Je nach Bausubstanz konnten die Bewohner noch nicht einmal mit der Sanierung beginnen. Sie müssen warten, bis alles trocken ist.

Kindergarten von Hochwasser besonders betroffen

Die Flut hatte im Juli eine Mauer zwischen Kindergarten und Kyll umgerissen. Seitdem ist das Kita-Gebäude unbrauchbar, weil das Wasser dort 20 Stunden stand. Die Kinder sind verteilt auf Grundschule und zwei Kindergärten in anderen Orten - was für Fahrstress und Verdruss sorgt.

Die Gemeinde Kordel würde gerne das Grundstück der Kita vom Bistum Trier übernehmen und neu bauen - aber es dauert, sagt Bürgermeister Roth. Das Bistum lasse sich mit Terminen Zeit.

Joachim Lorig aus Kordel musste in einen Wohnwagen ziehen. Die Kyll hat sein Haus geflutet (Foto: SWR, Dunja v. Morzé)
Joachim Lorig aus Kordel musste in einen Wohnwagen ziehen. Die Kyll hat sein Haus geflutet. Dunja v. Morzé Bild in Detailansicht öffnen
Noch ist viel zu sanieren - auch drei Monate nach der Flut in Kordel. Dunja v. Morzé Bild in Detailansicht öffnen
Ein Geisterzug - auch drei Monate nach der Flut in Kordel steht er noch im Bahnhof. Die Deutsche Bahn geht davon aus, dass auf Teilen der Kyllstrecke bis Ende des Jahres wieder Züge fahren können. Dunja v. Morzé Bild in Detailansicht öffnen
Auch im Hotel gibt es drei Monate nach der Flut in Kordel noch einiges zu tun. Dunja v. Morzé Bild in Detailansicht öffnen
Vor einigen Häusern an den Uferstraßen in Kordel stehen Wohnwagen - weil die Menschen ihre Hochwasserschäden im Haus noch sanieren müssen. Dunja v. Morzé Bild in Detailansicht öffnen
Bürgermeister Medard Roth (parteilos) steht vor dem hochwassergeschädigten Kindergarten in Kordel. Bild in Detailansicht öffnen
In Kordel stehen drei Monate nach der Flut im Ortskern noch Container mit Bauschutt und kaputten Geräten. Bild in Detailansicht öffnen
Ein Haus in Kordel, drei Monate nach der Flut. Das Kreuz markiert, dass es zunächst als einsturzgefährdet galt. Bild in Detailansicht öffnen
Menschen bedanken sich auf einem Transparent für die Hilfe nach dem Hochwasser in Kordel. Bild in Detailansicht öffnen
Die Metzgerei in Kordel verkauft "Flutschinken", hat aber noch nicht regulär geöffnet. Dunja v. Morzé Bild in Detailansicht öffnen

Seniorenheim in Kordel geflutet

Am Ufer der Kyll steht ein Seniorenheim. Es war erst vor zwei Jahren eingeweiht worden. Nun muss das Erdgeschoss völlig entkernt und neu gemacht werden. Roth erzählt, dass bei der Flut viele Menschen geholfen hätten, die Senioren in höher gelegene Stockwerke zu tragen. In der Nähe ist ein Hotel - dort überlegten die Besitzer noch, ob sie weitermachen können.

Viele Geschäfte im Ortskern noch zu

Der Metzger im Ortskern könne sein Geschäft noch nicht regulär öffnen. Er plane Aktionen wie den Verkauf von "Flutschinken" und "Flutkonserven". Auch andere Läden in der Nähe der Kyll habe es schlimm erwischt. Nur der Discounter, der etwas höher liegt, sei davongekommen.

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Handwerker und Baumaterial stark gefragt

Baumaterial sei knapp, Handwerker schwer zu bekommen. Medard Roth geht auch nicht davon aus, dass alle hochwassergeschädigten Häuser bis zum Winter Heizungen haben. Viele Kordeler seien zu Bekannten und Verwandten in die Umgebung gezogen.

Denn in etwa 150 Häusern habe die Flut große Schäden angerichtet. Der Bürgermeister geht daher davon aus, dass Container, Bautrockner und Wohnwagen noch einige Monate zum Ortsbild gehören werden.

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