Das Klinikum Idar-Oberstein hat wegen der gestiegenen Corona-Fallzahlen ein Besuchsverbot ausgesprochen (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)

Rekordhoch bei Infektionen

Wegen Corona: Klinikum Idar-Oberstein verhängt erneut Besuchsverbot

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Christian Altmayer
Foto von Christian Altmayer, Redakteur bei SWR Aktuell im Studio Trier (Foto: SWR)

Die Corona-Lage im Krankenhaus Idar-Oberstein hat sich verschärft: Mehr als 60 Corona-Patienten werden dort behandelt. Um nicht noch mehr Viren in die Klinik zu tragen, ergreift das Klinikum Maßnahmen.

"Vor etwa zwei Wochen hat es mit dem Anstieg der Infektionen bei uns angefangen", sagt Doktor Ulrich Frey, der ärztliche Direktor des Klinikums Idar-Oberstein (Kreis Birkenfeld). Seitdem zeigen immer mehr Corona-Tests im Krankenhaus ein positives Ergebnis.

64 Patienten mit Covid-19 werden derzeit in der Klinik im Hunsrück behandelt. Nur wenige Wochen zuvor sei es gerade einmal die Hälfte gewesen.

Diese Infektionslage hat die Klinik nun zu einem drastischen Schritt getrieben. Die Leitung des Krankenhauses hat erneut ein Besuchsverbot verhängt. "Wir wollen verhindern, dass das Virus auch noch von Außenstehenden in die Klinik hineingetragen wird."

Klinikum Idar-Oberstein (Foto: SWR, Jana Hausmann)
Ins Krankenhaus Idar-Oberstein dürfen ab Freitag vorerst keine Besucher mehr rein. Jana Hausmann

Volksfest als Pandemietreiber

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Die Infektionsrate in der Bevölkerung sei derzeit einfach überall enorm hoch. "Im Alltag testen sich die Leute ja kaum noch", sagt Frey: "Viele Infizierte fallen dann erst zufällig bei unseren Tests im Krankenhaus auf."

Kaum schwere Krankheitsverläufe bei den Patienten

Manche Patienten wüssten demnach gar nicht, dass sie Corona-positiv sind. Nur rund ein Drittel der Personen, die derzeit mit Covid-19 in Idar-Oberstein liegen, seien auch deswegen dort eingeliefert worden.

"Mindestens zwei Drittel unserer Corona-Patienten wird gar nicht wegen Corona behandelt, sondern wegen anderer Erkrankungen", sagt Frey. Aufgrund der hohen Impfquote würden nur wenige so schwer krank, dass sie auf der Intensivstation landeten. Das Problem sei die starke Belegung auf den Normalstationen.

Denn isoliert werden müssen die Patienten trotzdem. Was einen erheblichen Aufwand für die Einrichtung und das Personal bedeute. Und die Belegschaft sei derzeit ohnehin dezimiert. Rund acht Prozent der Mitarbeiter seien krankgeschrieben, viele wegen Corona.

Klinik klagt über Personalmangel

"Ich würde mir wünschen, dass die Politik diese erhöhte Belastung des Gesundheitssystems stärker wahrnimmt", sagt Frey. Die Lage in Kliniken, aber auch bei Rettungsdiensten und in Pflegeheimen sei sehr angespannt.

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Die Lösung: "Mehr Personal". Es müsste einfacher sein, die Fachkräfte aus dem Ausland in den hiesigen Arbeitsmarkt zu integrieren, fordert Frey. Nichts, was von heute auf morgen ginge.

Wie es mit dem Besuchsverbot weitergeht, ist daher auch unklar. Wann es wieder aufgehoben werde, sei von der Lage abhängig: "Wir entscheiden das tagesaktuell. Möglich, dass wir das Verbot nächste Woche schon aufheben, vielleicht aber auch erst später."

Sonderregelungen für Krankenbesuche

Nach Angaben des Klinikums gibt es es aber weiterhin Sonderregelungen für Eltern minderjähriger Kinder, in der Geburtshilfe, für Angehörige von Patienten in einer palliativen Situation und Schwerverletze.

Über weitere mögliche Ausnahmen entscheiden die behandelnden Ärzte und im Einzelfall vor Ort.

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