In diesen Klärbecken erfolgt die biologische Reinigung des Abwassers - in der Großkläranlage im ETP Trier. (Foto: SWR)

Strom aus Klärgas, Photovoltaik und Wasserkraft

Kläranlage Trier: Vom Stromfresser zum Energiespender

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Kläranlagen verbrauchen viel Energie. In Trier ist aus der Idee, Strom zu sparen, ein neuer Energie- und Technikpark entstanden. Am Montag wurde er eingeweiht.

Mit viel Dreck viel Geld sparen. Das hatten sich vor zehn Jahren die Verantwortlichen bei den Stadtwerken in Trier überlegt. Damals machten sie sich über den Energieverbrauch ihrer Liegenschaften Gedanken. Eine wahre Stromfresserin sei die Kläranlage gewesen, die im Norden Triers liegt.

Denn vor allem die Pumpen und Gebläse brauchen viel Energie. In der Kläranlage am Grüneberg werden jährlich bis zu acht Millionen Kubikmeter Abwasser gereinigt und danach in die Mosel geleitet.

Zunächst Stromverbrauch verringern

Arndt Müller, Geschäftsführer der Stadtwerke erklärt, dass zunächst mit Hilfe effizienterer Technik der Stromverbrauch um etwa ein Viertel reduziert wurde. Dann sei im Gespräch mit Mitarbeitern klar geworden, dass an der Kläranlage große Liegenschaften einer ehemaligen Papier- und Kartonagenfabrik ungenutzt waren.

Die Stadtwerke haben da die Chance gesehen, für sich und auch Teile der Stadtverwaltung in Trier, einen neuen Standort aufzubauen - mit Energie, die vor Ort entsteht.

Ein Luftbild des Energie- und Technikparks Trier aus dem Frühjahr 2022. (Foto: Stadtwerke Trier)
Ein Luftbild des Energie- und Technikparks Trier aus dem Frühjahr 2022. Stadtwerke Trier Bild in Detailansicht öffnen
Die Kläranlage in Trier-Nord reinigt jährlich rund acht Millionen Kubikmeter Abwasser. Bild in Detailansicht öffnen
Die mechanische Reinigung der Abwässer in den runden Becken steht am Anfang des Klärprozesses. Bild in Detailansicht öffnen
In diesen Klärbecken erfolgt die biologische Reinigung des Abwassers - in der Großkläranlage im ETP Trier. Bild in Detailansicht öffnen
In den Faultürmen gärt der Klärschlamm aus der Kläranlage - die Klärgase werden in einem Blockheizkraftwerk verbrannt und liefern somit Energie. Bild in Detailansicht öffnen
Der Blick in die Anlage von einem der Faultürme der Kläranlage Trier. Bild in Detailansicht öffnen
In diesem Blockheizkraftwerk wird das Methan aus dem Klärschlamm verbrannt. Bild in Detailansicht öffnen
Diese Türme am Klärwerk in Trier können Wärme speichern. Bild in Detailansicht öffnen
Auf vielen Gebäuden an der Kläranlage sind Photovoltaik-Anlagen installiert worden. Bild in Detailansicht öffnen
Die Stadtwerke Trier haben ihr Materiallager in den Energie- und Technikpark verlegt. Bild in Detailansicht öffnen
Die Büroräume für die Mitarbeiter der Stadtverwaltung Trier (links) und der Stadtwerke (rechts) sind aus ehemaligen Gebäuden einer Papierfabrik im Norden Triers entstanden. Bild in Detailansicht öffnen
SWT-Geschäftsführer Arndt Müller vor dem Gebäude von Stadtraum Trier im Energie- und Technikpark. Bild in Detailansicht öffnen
Die Räume für die städtischen Mitarbeiter wurden in die alten Hallen der Kartonagen-Fabrik gebaut. Bild in Detailansicht öffnen
In den Räumen von StadtRaum ist viel Augenmerk auf natürliche Materialien wie Holz gelegt worden - so auch beim großen Besprechungstisch. Bild in Detailansicht öffnen
Das Rechenzentrum der Stadtwerke Trier - Es wird durch eigene PV-Anlagen und die Blockheizkraftwerke mit Strom versorgt. Bild in Detailansicht öffnen
Patrick Braun, Geschäftsführer des SWT-Datacenter - noch ist im Rechenzentrum der Stadtwerke Trier Platz. Bild in Detailansicht öffnen
Das Rechenzentrum der Stadtwerke verfügt auch über eigene Feuerlöschanlage. Bild in Detailansicht öffnen

Stadtwerke erzeugen mit Hilfe der Kläranlage Energie

Die Kläranlage sei dabei so optimiert worden, dass sie inzwischen den Strom, den sie braucht, selber herstellt. Vor allem durch das Klärgas. Dieses wird direkt aus zwei Faultürmen mit einer unterirdischen Leitung in zwei benachbarte Blockheizkraftwerke geleitet.

Daraus wird Wärme und Strom - beide können in einem in der Nähe liegenden Gebäude gespeichert werden. Denn tagsüber kommt die Energie vor allem aus Photovoltaik-Anlagen. Dazu wurden fast alle sechs Gebäude im Energie- und Technikpark mit Photovoltaik auf den Dächern ausgestattet. Weitere Energie liefert eine Turbine, über die das geklärte Abwasser in die Mosel fließt.

Alte Hallen mit neuer Nutzung

Die Gebäude für den Energie- und Technikpark stammen dabei zum größten Teil aus dem Altbestand der ehemaligen Kartonagenfabrik. Die Hallen wurden neu gedämmt und innen ausgebaut. Daraus sind beispielsweise Büros für das Amt Stadtraum geworden, aber auch eine Werkstatt für das Trierer Theater. Die Stadt spart damit vor allem Wege für ihre Mitarbeiter, die vorher in verschiedenen Gebäuden über die Stadt verteilt waren.

Klimaneutrales Rechenzentrum der Stadtwerke

Seit fast drei Jahren läuft das Rechenzentrum der Stadtwerke im Energie- und Technikpark. Daten der Stadtverwaltung und der Kunden der Stadtwerke werden dort im SWT Data Center gespeichert. Die Energie zum Kühlen der Server und Heizen des Gebäudes kommt ebenfalls aus dem benachbarten Hauptklärwerk und von den Photovoltaik-Anlagen auf den Dächern.

Nur auf dem Dach des Rechenzentrums ist keine Photovoltaik-Anlage angebracht - aus Sicherheitsgründen.

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Energie- und Technikpark wächst weiter

Mitte des Jahres sind weitere Mitarbeiter der Stadtwerke - hauptsächlich aus dem Standort Ostallee - in den Energie- und Technikpark eingezogen. Außerdem wird eine Probebühne für das Trierer Theater dort gebaut. Und ein angrenzendes Grundstück ist auch schon gekauft.

Was genau dort entsteht, ist noch offen. Aber es soll - wie alle anderen Liegenschaften dort auch - möglichst klimaneutral betrieben werden.

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