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Klaus Hepp ist seit mehr als 20 Jahren Betriebsleiter des Wintersportzentrums Erbeskopf im Hunsrück, präpariert die Piste für Skifahrer und hält den Laden am Laufen. Der 71-Jährige hat schon viel erlebt. Ein Corona-Lockdown ist aber auch für ihn eine neue Erfahrung.

Der Erbeskopf ist von Nebel umgeben. Von Schnee ist auf der höchsten Erhebung in Rheinland-Pfalz kurz vor Weihnachten keine Spur, von Skifahrern ganz zu schweigen. Die dürfen in diesem Jahr wegen des Corona-Lockdowns ohnehin nicht mehr kommen. Eine Tatsache, die Klaus Hepp traurig stimmt. Er ist schon seit über 20 Jahren der Leiter des Wintersportzentrums am Erbeskopf. 

"Wenn hier richtig was los ist, dann ist der ganze Erbeskopf übersät mit Menschen, unten auf dem großen Parkplatz ist nichts mehr frei. Jetzt sieht es natürlich anders aus". 

Klaus Hepp, Betriebsleiter des Wintersportzentrums am Erbeskopf

Er blickt auf die leere Piste, die mit matschigen Pfützen übersät ist anstatt mit Schnee. Da es aktuell aber sowieso keinen Schnee gebe, wäre das Skifahren sowieso nicht möglich – ganz unabhängig von Corona, sagt Hepp. 

Klaus Hepp ist rund um die Uhr im Einsatz

Der 71-Jährige sorgt im Winter dafür, dass immer genug Schnee auf der Piste liegt. Bei Minusgraden wirft er die gelben Schneekanonen an. Außerdem sorgt er dafür, dass die Lifte laufen. Hepp hält den Laden am Laufen. Wenn viel Schnee fällt, kann das bedeuten, dass er an sieben Tagen in der Woche täglich 12 Stunden im Einsatz ist.

Klaus Hepp steht auf der schneelosen Piste am Erbeskopf (Foto: SWR)
Klaus Hepp steht auf der schneelosen Piste am Erbeskopf.

Eine Arbeit, die der Hunsrücker trotzdem nicht missen möchte, sagt er: "Ich freue mich darüber, wenn die Menschen hier Spaß haben." 

Es seien die Großeltern, die die Enkel in der zu Weihnachten geschenkten Skimontur fotografieren wollen. Mainzer, die am Rosenmontag hierher flüchten würden. Und dann wäre da natürlich noch sein großer Auftritt in jedem Jahr, wenn er die Pisten zum ersten Mal freigeben kann. 

"Das beste ist, wenn ich sagen kann: Der Wintersport ist eröffnet. Und der ganze Trubel dann losgehen kann."

Klaus Hepp

In diesem Jahr wollte der Zweckverband mit einem Hygienekonzept schon vor Winterbeginn bereit sein für einen coronakonformen Skisport. Der Landkreis Bernkastel-Wittlich nahm an dem Konzept aber Verbesserungen vor. So dürfen Tickets etwa ausschließlich online verkauft werden, Stehtische oder Bänke darf es auf dem Gelände nicht geben. Anfang nächsten Jahres, wenn hoffentlich auch Schnee fällt, will der Zweckverband das Konzept überarbeiten. 

Hepp ist seit 2014 Betriebsleiter

Als der Zweckverband 1997 das Wintersportzentrum vom Landkreis Bernkastel-Wittlich übernahm, wurde Klaus Hepp zum Geschäftsführer ernannt. Seit 2014 ist er offiziell im Ruhestand. Vom Erbeskopf kann er trotzdem nicht ablassen und arbeitet ehrenamtlich weiter. Klaus Hepp gehört zum Inventar. 

Betrieb von drei Liften möglich

Der Wintersport am Erbeskopf ist mit Klaus Hepp gewachsen. Er zeigt stolz alte Fotos. Er hebt schwere, alte Schneekanonen hoch, die aussehen wie Waffen und zeigt "sein" Kassenhäuschen. Es ist die Schaltzentrale und das Herzstück des Wintersportzentrums. Aus dem Häuschen am Fuße des Erbeskopfes leitet er die Mitarbeiter an. Von hier aus wird geprüft, ob an den Liften alles in Ordnung ist und wo Schnee auf der Piste fehlt und die Schneekanonen ranmüssen. Wenn die drei Lifte fahren, sind 22 Personen im Einsatz.   

Klaus Hepp hält eine alte Schneekanone in den Händen (Foto: SWR)
Klaus Hepp mit einer alten Schneekanone.

Trotz des Klimawandels geht Hepp davon aus, dass es am Erbeskopf noch lange Wintersport geben wird, auch wenn es in den vergangenen Jahren weniger Lifttage gab.

"Wenn wir zwischen 35 und 40 Lifttage in den nächsten 20 bis 25 Jahren halten können, sollten wir zufrieden sein. Die Besucherzahlen sind dann auch stark. Das Problem ist, dass der Winter sich nach hinten verschiebt in die Monate Februar und März." Die Höchstanzahl an Lifttagen bei Wintern mit starkem Schnee liegt bei 86 Lifttagen, sagt Hepp. 

Trotzdem wünscht Hepp sich für die Zukunft einen Sessellift, der das ganze Jahr läuft: "Dann wäre hier alles auch barrierefrei und für Rollstuhlfahrer zugänglich. Auch Wanderer, Biker und Skifahrer würden profitieren." Es ist nicht der einzige Wunsch, den Hepp hat, der Richtung Gipfel schaut:  

"Ein Panorama-Restaurant da oben, das wäre was!" 

Klaus Hepp

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