Kita Kordel (Foto: SWR, Lara Bousch)

Schule und Kita rücken zusammen

Nach der Flutkatastrophe: Kita Kordel zieht in Grundschule um

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Die Kita St. Amandus in Kordel wurde vom Hochwasser Mitte Juli stark beschädigt. Dennoch kann sie in ein paar Tagen wieder öffnen, und zwar an einem neuen Standort.

"Einige Kinder sind schon ganz aufgeregt, nächste Woche in die große Schule zu gehen", sagt Ilka Ensch, die Leiterin der Kita St. Amandus in Kordel. In der neuen Kita von Kordel herrscht aber im Moment noch etwas Unordnung. Doch ab Montag werden 90 Kita Kinder in die Grundschule umziehen.

 Hochwasser hat Kita komplett zerstört

Der ursprüngliche Standort der Kita St. Amandus war nicht mehr nutzbar. Die Flutkatastrophe hat die Gemeinde Kordel und die Kita schwer getroffen, erzählt Kitaleiterin Ilka Ensch.

"1,70 Meter hoch stand das Wasser in den Räumen. Überall war Schlamm, alles war auf dem Boden, die Spüle aus dem Kreativraum war aus der Wand herausgerissen."

Kordeler Schulleiter hatte die "zündende Idee"

Marco Bamberg, der Leiter der Grundschule war es, der Ilka Ensch auf eine "mögliche Wohnsituation" ansprach. Als Wehrleiter der Freiwilligen Feuerwehr in Butzweiler war er nach der Flutkatastrophe in der zerstörten Kita im Einsatz und hat gesehen, wie groß der Schaden war. 

Glücklicherweise sei die Grundschule zu groß für die Gemeinde, die freien Räume bot er der Kita selbstverständlich an, so der Schulleiter. Zusammen haben die beiden geschaut, was noch zu retten ist und viele Helfer organisiert. Marco Bamberg habe die Kita von Anfang an betreut, sagt die Kitaleiterin. 

Kita Kordel (Foto: SWR, Lara Bousch)
Kordels Kitaleiterin Ilka Ensch muss das Chaos, dass das Hochwasser in ihrer Kita hinterlassen hat, noch bewältigen. Lara Bousch

Es wurde eine Reinigungsstraße für Spielwaren und Möbel aufgebaut, etliche freiwillige Helfer, zum Beispiel das THW, die Feuerwehr und die Bundeswehr waren da, es haben alle mit angepackt, erzählt Ilka Ensch und innerhalb eines Tages war die Kita leer geräumt und besenrein. 

Schwerer Neubeginn für die Kita

Doch dann kam eine böse Überraschung. Weil die Kitaleiterin befürchtete, dass die geretteten Sachen durch das Hochwasser kontaminiert sein könnten, rief sie beim Gesundheitsamt an. Ihr Verdacht bestätigte sich: Alle Möbel und auch das Spielzeug , das mühsam gereinigt und sogar schon in die Grundschule umgezogen war, musste entsorgt werden. 

Der Inventar der Kita St. Amandus in Kordel besteht fast nur noch aus Spenden. Das Hochwasser hat viel zerstört. (Foto: SWR, Lara Bousch)
Das Inventar der Kita St. Amandus in Kordel besteht fast nur noch aus Spenden. Das Hochwasser hat viel zerstört. Lara Bousch

Das ganze Inventar der Kita besteht nun aus Spenden von Privatleuten oder anderen Kitas. Möbel, Spielzeug, pädagogisches Material und Babybetten, alles ist langsam, aber sicher in der Grundschule eingetrudelt oder wurde vor die Tür gestellt. Auch wenn es noch einiges an Arbeit gibt, bis die Kinder kommen, sind der Schulleiter und die Kitaleiterin ganz zuversichtlich und zufrieden mit der neugewonnenen Nähe zwischen den beiden Einrichtungen.

"Zusammenrücken" bringt Vorteile

Dadurch, dass beide Einrichtungen an einem Standort sind, werden gemeinsame Besprechungen zwischen den Teams wieder deutlich einfacher und die großen Kitakinder könnten auch mal in die Schule reinschnuppern, sagt Marco Bamberg.  

Das Zusammenrücken ist nicht nur symbolisch, weiß der Schulleiter. Zu den 80 Schulkindern werden sich 90 Kita Kinder gesellen, es wird also auch räumlich eng. Eine andere längerfristige Lösung ist für die Kita derzeit nicht in Sicht. Ob der alte Standort der Kita wieder instandgesetzt wird, ist noch nicht geklärt.

Die Turnhalle der Grundschule Kordel ist überschwemmt (Foto: Marco Bamberg)
Auch die erst neu sanierte Sporthalle der Grundschule Kordel wurde vom Hochwasser zerstört. Marco Bamberg

Auch Grundschule Kordel vom Hochwasser betroffen

Auch die Schule ist nicht unbeschadet davongekommen. Die frisch sanierte Sporthalle wurde von der Flut total zerstört, ebenso die Heizung. Marco Bamberg hofft, dass die Kälteperiode nicht zu früh einbricht, sodass genug Zeit bleibt, die Heizung zu erneuern. Für die Verbandsgemeinde sei es ein riesiger Kraftakt, die Arbeiten voranzubringen, das Personal werde gerade überall gebraucht, sagt der Schulleiter.

Für die Zukunft wünschen sich Schulleiter und Kitaleiterin einen neuen gemeinsamen Standort, weit weg vom Hochwasser. 

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