Die Kirner Brauerei kündigt steigende Bierpreise an. (Symbolbild) (Foto: IMAGO, Imago)

SWR-Interview mit Geschäftsführer

Die Kirner Brauerei erhöht wohl bald die Preise

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AUTOR/IN
Martin Schmitt

Große Brauereien haben Preiserhöhungen für das kommende Frühjahr angekündigt. Auch die Kirner Privatbrauerei plant, ihre Preise zu erhöhen. Warum die Brauerei diesen Schritt gehen muss, erklärt der Geschäftsführer im Interview.

Radeberger, Krombacher und Veltins wollen im Frühjahr 2022 wegen gestiegener Energie- und Rohstoffkosten an der Preisschraube drehen. Auch kleinere Brauereien wie die Kirner Privatbrauerei aus Kirn an der Nahe werden wohl nachziehen. Im SWR Aktuell-Interview nennt Geschäftsführer Sven Schirmer die Gründe.

SWR Aktuell: Herr Schirmer, drei große Brauereien haben bereits Preiserhöhungen angekündigt. Wann wird die Kirner Brauerei dem Beispiel folgen?

Sven Schirmer: Wir erleben derzeit eine Explosion der Kosten in allen Bereichen. Wir erhalten nahezu täglich Meldungen zu Kostensteigerungen bei den Rohstoffen und auch bei der Energie. Beim Personal haben wir ohnehin jährlich steigende Kosten.

Wir beobachten das und überlegen auch, ob wir im kommenden Jahr eine Preiserhöhung machen müssen. Wir haben noch keine finale Entscheidung getroffen, aber tendenziell sieht es so aus, dass wir nicht umhinkommen, die Preise zu erhöhen.

Der Geschäftsführer der Kirner Privatbrauerei, Sven Schirmer. (Foto: Kirner Privatbrauerei Ph. und C. Andres GmbH und Co. KG)
Der Geschäftsführer der Kirner Privatbrauerei, Sven Schirmer. Kirner Privatbrauerei Ph. und C. Andres GmbH und Co. KG

"Wir werden nicht umhinkommen, die Preise zu erhöhen."

SWR Aktuell: In welchen Bereichen spüren Sie die Kostensteigerungen am meisten?

Schirmer: Das fängt bei den Rohstoffen an - insbesondere beim Malz. Gerstenmalz und Weizenmalz sind enorm teuer geworden. Sämtliche Rohstoffe, die wir für die Produktion und für die Abfüllung brauchen, steigen. Beispielhaft will ich Kunststoffe nennen. Leere Kisten, die wir als Leergut dazukaufen müssen, sind teurer geworden.

Auch die Papp-Umkartons für die Sixpacks und das Papier für die Etiketten, der Leim für die Etiketten, das Aluminium für die Kronkorken, überall gibt es Kostensteigerungen. Hinzu kommen die gestiegenen Energiekosten. Strom, Gas und Öl haben sehr stark angezogen. Das alles verteuert die Produktion eines Hektoliters Bier enorm.

SWR Aktuell: Das heißt, Preissteigerungen beim Bier sind letztlich unumgänglich?

Schirmer: Ich wüsste nicht, wie man diese oben von mir genannten Kostensteigerungen kompensieren soll, ohne dass man sie an den Verbraucher weitergibt.

Die Kirner Brauerei wurde 1798 durch Jakob Andres gegründet. (Foto: Kirner Privatbrauerei Ph. und C. Andres GmbH und Co. KG)
Die Kirner Brauerei wurde 1798 durch Jakob Andres gegründet. 1862 erfolgte die Umbennung in "Ph. u. C. Andres, Bierbrauerei und Mälzerei zu Kirn". Kirner Privatbrauerei Ph. und C. Andres GmbH und Co. KG

SWR Aktuell: Inwieweit spüren Sie noch die Folgen des Corona-Lockdowns in der Gastronomie?

Schirmer: Die Gastronomie hat zwar wieder geöffnet, aber wir merken durchaus noch, dass das Geschäft zäh läuft. Insbesondere das Thekengeschäft ist noch nicht da, wo es vor Corona war. Das Restaurant-Geschäft läuft wieder gut. Was flächendeckend aber immer noch fehlt, sind große Veranstaltungen wie zum Beispiel jetzt in der Jahreszeit die Oktoberfeste. Die fallen aus.

Außerdem sind sehr viele große Stadt- und Sportfeste ausgefallen. Vieles, was wir im Jahr 2019 noch hatten, gibt es 2021 immer noch nicht. Wir können zwar von einer gewissen Entspannung sprechen dadurch, dass die Gastronomie wieder geöffnet hat. Aber wir sind noch lange nicht auf dem Niveau von 2019.

"Insbesondere das Thekengeschäft ist noch nicht da, wo es vor Corona war."



SWR Aktuell: Wie blicken Sie in das kommende Jahr: Hoffen Sie, dass wieder mehr Bier getrunken wird?

Schirmer: Natürlich hoffen wir, dass es wieder zu einer gewissen Normalität kommt, dass auch der Verbraucher wieder zu einer Normalität zurückkehrt und dass wieder mehr Veranstaltungen möglich sind.

Die offene Frage ist aber: Nimmt der Verbraucher das auch wieder so an wie vor der Pandemie? Wir hoffen zwar, dass sich die Lage im kommenden Jahr entspannt, rechnen aber noch nicht mit einer vollständigen Normalisierung.

Das Gespräch führte SWR Reporter Martin Schmitt.

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