Früherer Bischof soll Missbrauch vertuscht haben

Grünen-Antrag abgelehnt: Bischof-Stein-Platz in Trier wird nicht umbenannt

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Die Trierer Grünen sind im Stadtrat mit ihrem Anliegen gescheitert, den Bischof-Stein-Platz umzubenennen. Sie hatten sich auf Betroffene berufen, wonach der frühere Bischof von Trier Missbrauch von Priestern vertuscht haben soll.

Die anderen Fraktionen führten an, dass sie zunächst abwarten wollen, was eine Aufarbeitungskommission im Bistum Trier herausfindet. Das Gremium soll nach Angaben von Bischof Ackermann in einigen Wochen seine Arbeit beginnen. Die Grünen zeigten sich enttäuscht – die Opfer von Missbrauch in der Kirche hätten schon etliche Beweise für die Verfehlungen des ehemaligen Bischofs vorgelegt.

Ein Historiker, der auch Mitglied von Missbit (Missbrauch im Bistum Trier) ist, hatte jahrelang recherchiert. Die Vorwürfe sind schwerwiegend: Stein, der von 1967 bis 1980 Bischof von Trier war, soll demnach Täter gedeckt haben, indem er sie in ihren Ämtern belassen oder sie an andere Orte versetzt habe.

Der zweite Teil des Grünen Antrags sah vor, dass dem früheren Bischof die Ehrenbürgerwürde aberkannt wird. Doch dafür hätte ein Drittel der Stadtratsmitglieder den Antrag mittragen müssen, nämlich 19. Es waren aber nur 18 dazu bereit. Die Grünen äußerten sich enttäuscht. Ein Mitglied sagte, es sei ein trauriger Tag.

Missbit hat sich an Stadtrat gewandt

Die Betroffenen-Initiative war schon im November mit der Bitte an die Fraktionen des Rates herangetreten, den Platz umzubenennen. Hermann Schell von Missbit sagte im SWR, es sei für Nicht-Betroffene schwer nachvollziehbar.

"Wie sich das anfühlt, wenn man über einen Platz läuft, wo der Name des Bischofs steht, der mitverantwortlich ist dafür, dass man im Kindesalter vergewaltigt wurde von einem Priester."

Doch die anderen Fraktionen im Stadtrat sagten, dass zunächst eine unabhängige Kommission im Bistum Trier die Vorwürfe gegen den früheren Bischof Stein prüfen solle und das ganze Ausmaß aufdecken solle. Es seien schwere Vorwürfe gegen den ehemaligen Bischof. Missbit aber fürchtet, dass es noch Jahre dauern könnte, bis die Kommission Ergebnisse vorlegen würde.

Grüne im Stadtrat wollten nicht länger warten

Bischof Ackermann sagte im SWR, er gehe davon aus, dass die Aufarbeitungskommission in den nächsten Wochen mit ihrer Arbeit beginnen werde. Die Grünen hatten auf die eigene Verantwortung des Stadtrats gedrängt. Er sei zuständig dafür, wer Ehrenbürger sei und nach wem Plätze benannt seien.

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