Erneut hat ein Flugzeug vergangene Woche über der Eifel Kerosin abgelassen.  (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)

30 Tonnen Treibstoff über Vulkaneifel

Warum Flugzeuge immer wieder über Rheinland-Pfalz Kerosin ablassen

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30 Tonnen Treibstoff hat ein Airbus über der Vulkaneifel abgelassen. Und das ist nicht der einzige Vorfall dieser Art in Rheinland-Pfalz.

Ein Flugzeug fliegt am Samstag über die Eifel. Eigentlich ist die Maschine der Lufthansa unterwegs von München nach Boston in den USA. Doch es kommt an Bord zu einem Zwischenfall.

Was genau passiert um 15.31 Uhr ist unklar. Der Deutschen Flugsicherung wird lediglich ein "medizinischer Notfall" gemeldet. Der Pilot entscheidet sich schließlich etwa auf der Höhe von Brüssel umzukehren und in Frankfurt notzulanden.

Kerosinregen von der Eifel über die Mosel bis an den Rhein

Damit der schwere Flieger in Hessen runtergehen kann, muss er aber zunächst Gewicht verlieren. Und das heißt in diesem Fall: Treibstoff abzulassen.

30 Tonnen Sprit versprüht der Airbus laut Deutscher Flugsicherung auf seinem Weg zwischen Belgien und dem Taunus. Und er überfliegt dabei auch die Städte Gerolstein und Daun in der Vulkaneifel sowie Cochem an der Mosel und Sankt Goar am Rhein.

Treibstoff wird in der Luft verwirbelt

Wo genau nun das meiste Kerosin heruntergegangen ist, lässt sich nach Angaben der Deutschen Flugsicherung allerdings nicht nachvollziehen. Da der Sprit in einer Höhe von mindestens 1.800 Metern abgelassen wird, werde er verwirbelt.

Ein Großteil der Tröpfchen verdunste dabei noch in der Luft. Nur wenig komme am Boden, bei Mensch, Tier und Pflanzen an. Zu diesem Ergebnis jedenfalls ist 2019 eine Studie des Umweltbundesamtes gekommen. Darin heißt es wörtlich: "Treibstoffschnellablässe haben nach dem aktuellen Kenntnisstand keine kritischen Auswirkungen auf Mensch und Umwelt."

Kritiker bezweifeln Dichte des Messnetzes

Manchen Kritikern allerdings reicht die Forschungsgrundlage nicht. Die CDU und die Freien Wähler im rheinland-pfälzischen Landtag bezweifeln zum Beispiel, dass es genügend Messstellen im Bundesland gibt.

So schreibt etwa Joachim Streit, Fraktionschef der Freien Wähler im Landtag, auf Facebook zu dem Vorfall, das es dringend weitere Messstellen brauche, um eine Gefährdung der Bevölkerung auszuschließen.

Joachim Streit, Fraktionschef Freie Wähler  (Foto: SWR)
Joachim Streit, Fraktionschef der Freien Wähler, fordert ein besseres Messnetz für Kerosinablässe.

"Ich glaube den Berechnungen des Bundes nicht, sondern erst, wenn ich gemessene Werte schwarz auf weiß sehe. Messstationen sind kein Luxus. Die Alternative wäre, Deutschland in Raster einzuteilen und den Kerosinabwurf in der gerechten Verteilung über Deutschland zu steuern. Aber solange es nur über dünnbesiedeltem Gebiet geschieht, werde den Eindruck nicht los, dass es nicht so ungefährlich ist, wie man vorgibt."

Keine Messstellen in der Eifel

Erfasst werden in entsprechenden Stationen die Konzentrationen von Kohlenwasserstoffen und krebserregendem Benzol in der Luft. Denn aus diesen Stoffen besteht Kerosin hauptsächlich.

Die meisten der Messstellen befinden sich laut Landesumweltministerium allerdings in Städten, etwa in Mainz, Ludwigshafen und Koblenz. Im ländlichen Raum gibt nur drei Detektoren, nämlich im Pfälzerwald, im Hunsrück und in der Westpfalz.

Im gesamten Norden des Bundeslandes hingegen findet sich weiterhin keine Station. Und das soll nach Angaben des Landesumweltministeriums auch so bleiben: "Standort und Anzahl der Messstationen richten sich nach dem zu erwartenden Belastungsniveau." Ein Ausbau des Netzes "brächte keinen zusätzlichen Erkenntnisgewinn bei der Bewertung der Belastungssituation." Auch, weil man im Ministerium ohnehin davon ausgeht, dass es keine schädlichen Auswirkungen der Treibstoffablässe auf die Umwelt gibt.

Die Messstation in Leisel im Hunsrück ist eine von zweien in der Region Trier.  (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)
Die Messstation in Leisel im Hunsrück ist eine von dreien im ländlichen Raum. Picture Alliance

Umweltbundesamt empfiehlt Ablassgebiete zu wechseln

Dennoch empfiehlt das Umweltbundesamt inzwischen, rein vorsorglich, wie es heißt, eine Reihe neuer Maßnahmen. So sollen Piloten lieber noch etwas höher fliegen, bevor sie die Klappen öffnen. Und zudem auch mal die Ablassgebiete wechseln, damit nicht immer über denselben Regionen der Kerosinregen runtergeht.

Rheinland-Pfalz seit 2018 stark betroffen

Tatsächlich wird aus einer Liste des Luftfahrtbundesamtes deutlich, dass Rheinland-Pfalz seit 2018 besonders oft von Treibstoffablässen betroffen war. Mehr als ein Viertel aller Zwischenfälle in den vergangenen vier Jahren trugen sich demnach in der Pfalz, im Hunsrück oder der Eifel zu. Das sind mehr als 20 Stück.

Was schon deshalb kein Wunder ist, weil es in der Nähe sehr viele Flugplätze gibt, militärische wie zivile. Da wären die Flughäfen Frankfurt, Köln/Bonn, Saarbrücken, Luxemburg und Lüttich, aber auch die amerikanischen Stützpunkte in Ramstein, Spangdahlem und Büchel.

Urlauber am Flughafen Frankfurt (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Peter Steffen/dpa)
Der Frankfurter Flughafen ist der größte in ganz Deutschland. Von dort aus überfliegen viele Flugzeuge auch Rheinland-Pfalz. picture alliance/Peter Steffen/dpa

Zweiter Kerosinablass dieses Jahr in der Region

Dennoch gab es 2022 hierzulande bislang nur zwei Kerosinablässe. Den Vorfall vom vergangenen Wochenende und ein weiteres Fuel Dumping Anfang März.

Wegen technischer Probleme musste eine Boeing 747 auf dem Weg von Lüttich nach Wuhan in China notlanden. Sie entledigte sich daher von insgesamt 80 Tonnen Kerosin, hauptsächlich in der Nähe von Kaiserslautern und über dem Hochwald.

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