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Die Busbranche hat das Ostergeschäft in der Region schon länger abgeschrieben. Die Lage sei im Moment zu unsicher. Die Unternehmen fordern, im Sommer starten zu können.

Dass nicht nur für Hotels und Restaurants, sondern auch für die Reisebus-Branche das Ostergeschäft ausfällt, überrascht Thomas Müller von Kylltal-Reisen in Trierweiler-Sirzenich nicht.

Ein kurzfristiger Beginn des Tourismus zu Ostern hätte ihm auch nichts gebracht. "Weil wir genügend Vorlauf für eine Reise brauchen. Aber im Moment ist ohnehin überall Stillstand", sagt Müller.

Busreisen im Spätsommer wieder möglich?

Müller hofft, dass es spätestens im Frühsommer Öffnungsperspektiven gibt, sodass die Gäste für Spätsommer und Herbst buchen können. Er rechnet dennoch mit einem Umsatzrückgang in diesem Jahr von 90 Prozent. Schon im vergangenen Jahr seien die Einnahmen um 87 Prozent eingebrochen.

Deshalb fordert Müller auch einen erneuten Rettungsschirm für Reisebusunternehmen, wie es ihn vergangenes Jahr vom Bund gab.

"Wenn Sie jetzt einen Katalog mit Reisen rausbringen, während die dritte Welle wütet und die Leute sich nicht vorstellen können, dass das in drei Monaten besser ist, dann landet der Katalog im Müll."

Thomas Müller, Busunternehmen Kylltal-Reisen
Die Reisebus-Branche leidet unter Corona. Denn die Busse müssen auch jetzt über Ostern stehen bleiben. (Foto: Kylltal Reisen)
Ein Foto aus besseren Zeiten: Thomas Müller (2. von links) mit Helmut Leiendecker, Michael Berger und Claus Junk in Paris. Kylltal Reisen

Kylltal-Reisen hätte zwar auch in den letzten Monaten gut gewirtschaftet, die Kurzarbeit sei eine gute Lösung und die Existenz des Unternehmens sei nicht in Gefahr - dennoch brauche es Hilfen, um die Fixkosten zu decken. Die Tilgung für einen Bus allein koste rund 3.000 Euro im Monat.

"Die Politik muss explizit den Branchen helfen, die wie wir brutal von Corona betroffen sind. Nicht nur mit der Gießkanne das Geld verteilen."

Thomas Müller, Busunternehmen Kylltal-Reisen

Corona "Schlag ins Gesicht" für die Reisebusbranche

Ähnlich sieht das auch Claudia Krebs, die für den Reisebussektor bei Linden Reisen in der Eifel zuständig ist. Das Jahr 2020 wäre eigentlich eines der besten Jahre in der 80-jährigen Geschichte des Unternehmens geworden, mit Rekord-Buchungszahlen.

Auch bei jungen Menschen hätten Busreisen an Ansehen gewonnen und das Image der angestaubten Senioren-Touren verloren, sagt Krebs. Doch dann sei Corona wie ein Schlag ins Gesicht gewesen.

Reisebusse in Region Trier bleiben über Ostern stehen (Foto: Claudia Krebs)
Claudia Krebs von der Firma "Linden Reisen" in Stadtkyll in der Eifel. Claudia Krebs

Ostergeschäft schnell abgeschrieben

Im Sommer habe es dann zwar Reisen unter strengen Bedingungen gegeben und vor allem eher in Deutschland als im Ausland. Von denen seien die Gäste begeistert gewesen.

Nach dem erneuten Shutdown im November hat Claudia Krebs das Ostergeschäft in diesem Jahr dann aber schnell abgeschrieben. Ab Juli will Linden Reisen wieder fahren. Im Februar habe es einen regelrechten Ansturm an Buchungen gegeben. Der sei abgerissen, sobald es bei den Regelungen zur "Osterruhe" hin- und herging.

"Uns ist der komplette Winter ausgefallen. Wir hatten vier Fahrten für Ostern geplant und hätten auch kurzfristig Alternativen planen können. Jetzt können wir auch Pfingsten, Fronleichnam und Christi Himmelfahrt knicken."

Claudia Krebs, Linden Reisen aus Stadtkyll

Auf Hotels und Restaurants angewiesen

Die Verunsicherung, jetzt zu buchen, sei groß. Claudia Krebs beobachtet bei ihren Gästen auch, dass diese wegen der vielen unterschiedlichen Regelungen keine Lust mehr auf das eigene Land hätten.

Sie buchten lieber Rundreisen im Ausland. Krebs fände es daher gut, wenn es nicht nur innerhalb Deutschlands, sondern auch in Europa einheitliche Regeln für Busreisen gebe. Eine geplante Islandreise stünde gerade auf der Kippe, weil es dort strenge Test- und Quarantäneregeln für Einreisende gibt. Eine Schottlandreise musste auf kommendes Jahr verschoben werden, wo dann wegen des Brexits ein Reisepass erforderlich ist.

Dorf an einem See in Schottland (Foto: SWR)
Eine Reise nach Schottland musste auf kommendes Jahr verschoben werden.

Hotels und Restaurants müssen offen sein

Am wichtigsten sei aber für die Busbranche, dass Hotels und Restaurants wieder öffnen dürften. Wenn die Gäste auf einer mehrtägigen Rundreise jede Nacht in einem anderen Hotel schlafen, müsse dort Abendessen und Frühstück angeboten werden. Außerdem müssten Stadtführungen und Trips zu Ausflugszielen organisiert werden können. So etwas plant Claudia Krebs normalerweise Jahre im Voraus. Reisen für 2023 seien eigentlich schon in trockenen Tüchern.

"Es sind viele Zahnräder, die ineinandergreifen müssen, damit eine Busreise funktioniert. Wir hängen von vielen Faktoren ab, haben aber keine eigene Lobby, um uns durchzusetzen."

Claudia Krebs, Linden Reisen aus Stadtkyll

Letztlich werde auch entscheidend sein, ob die Test- und Impfstrategie massiv vorangetrieben wird. Linden Reisen aus Stadtkyll will nur Menschen in die Busse lassen, die entweder einen Impfnachweis haben oder am Morgen der Abreise einen Schnelltest machen.

Außerdem sei vorgesorgt mit genügend Abständen zwischen den Gästen, die Maske tragen, mit einer Klimaanlage mit Filter und ständigem Luftaustausch und einer Kaltnebel-Desinfektion im Vorfeld, bei der jede kleinste Ritze virenfrei gemacht werde.

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