Erzieherin in Kita mit vielen Kindern (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

Probleme durch Fachkräftemangel

Katholische KiTa gGmbH schickt Brandbrief ans Bildungsministerium

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Kita-Gesetz, Corona-Pandemie, Fachkräftemangel: Das alles wirkt sich negativ auf die Kinderbetreuung aus, sagt die KiTa gGmbH Trier. In ihrem Brief will sie darauf aufmerksam machen.

Rund 200 Stellen in den 151 Kitas in Trägerschaft der gemeinnützigen GmbH (gGmbH) seien derzeit unbesetzt, heißt es in dem Brief, der Mittwoch an das Bildungsministerium, aber unter anderem auch an Jugendämter und Kirchengemeinden verschickt wurde.

Verschärft werde der derzeitige Fachkräftemangel durch das neue Kita-Gesetz, das seit Juli in Rheinland-Pfalz gilt, sagt Unternehmenssprecherin Sarah Hoffmann.

Lange und komplizierte Ausbildung

Ein neuer Personalschlüssel und die Garantie einer siebenstündigen Betreuung für die Kinder steigerten auch den Bedarf an Mitarbeitenden. Der könne aber nicht gedeckt werden, weil viele junge Leute nicht in Betracht zögen, den Beruf zu ergreifen.

"Erzieherinnen sind längst nicht mehr die Basteltanten. Es gibt pädagogische Anforderungen und Aufstiegschancen. Das ist aber noch nicht in den Köpfen präsent."

Denn laut Kita gGmbH sind die Plätze an Fachschulen begrenzt. Außerdem müsse zuerst eine zweijährige Ausbildung zum Sozialassistenten gemacht werden, bevor die Erzieher-Ausbildung startet.

Schon jetzt viele Einschränkungen

Der Personalmangel zeige sich bereits, sagt Hoffmann: Sowohl Öffnungszeiten als auch pädagogische Angebote müssten eingeschränkt werden. So verzögerten sich die nötigen "Eingewöhnungen" für neue Kinder oftmals.

Eine Kita beispielsweise könne derzeit statt von 7:15 Uhr bis 17 Uhr nur von 8 Uhr bis 16 Uhr öffnen. Die berufstätigen Eltern müssten dann dafür sorgen, dass sie ihre Kinder früher abholen oder anderweitig betreuen.

Das Personal kann laut Kita gGmbH auch notwendige Fortbildungen, beispielsweise zu Medienkompetenz oder Sprachbildung, nicht wahrnehmen, weil es dafür nicht in der Kita fehlen dürfe.

Seit knapp zwei Jahren Ungewissheit

Die Corona-Pandemie ist eine zusätzliche Belastung, sagt Hoffmann: Durch die ständigen Änderungen der Corona-Regeln blieben die Mitarbeitenden im Ungewissen und würden unruhig.

Zwar gebe es unter dem Personal in den Einrichtungen der Kita gGmbH eine Impfquote von rund 90 Prozent. Trotzdem hätten die Mitarbeiter Angst vor einer Ansteckung.

"Wenn man morgens in die Kita kommt, weiß man nie, ob ein Kind vielleicht positiv getestet wurde und sich das auf alle auswirkt."

Probleme öffentlich machen

Man mache sich Sorgen sowohl um die frühkindliche Bildung und die sichere und angemessene Betreuung der Kinder. Als auch um die Mitarbeitenden, die unter zunehmendem Druck stünden.

"Die Reserven unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den KiTas sind nahezu erschöpft."

Die Kita gGmbH appelliere daher an Eltern, Mitarbeitende, Jugendämter, Kommunen, andere Träger und das Land, die "zunehmende Last des Fachkräftemangels" wahrzunehmen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen.

Konkrete Forderungen gebe es noch nicht. Es gehe vielmehr darum, die Probleme öffentlich zu machen. Das hätten die Mitarbeitenden auch positiv aufgefasst, so die Sprecherin. Bisher gebe es noch keine Rückmeldung des Ministeriums oder der Kirchengemeinden.

Land Rheinland-Pfalz will weiter gegen Fachkräftemangel in KiTas vorgehen

Auf SWR-Anfrage weist das Bildungsministerium drauf hin, dass für die Personalausstattung die örtlichen Träger verantwortlich seien. Dessen ungeachtet werde das Ministerium prüfen, wie kurz-, mittel- und langfristig gute Lösungen im Sinne aller Beteiligten gefunden werden könnten.

Um mehr Nachwuchskräfte zu finden, plane das Land eine Fachkräfte-Initiative. Die Landesregierung weist jedoch darauf hin, dass die Zahl der Ausbildungsplätze in den letzten zehn Jahren verdoppelt worden seien.

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SWR