Katholikenrat im Bistum Trier: Wollen klare Worte von der Bischofskonferenz hören (Symbilbild) (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

Transparenz bei Aufarbeitung von Missbrauch

Katholikenrat im Bistum Trier: Wollen klare Worte hören

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"Das Ansehen der katholischen Kirche sinkt rapide", sagt der kommissarische Vorsitzende des Katholikenrats im Bistum Trier, Manfred Thesing, im Interview mit SWR Aktuell.

Der Kölner Kardinal Woelki hat ein Gutachten zum Umgang von Bistumsverantwortlichen mit Vorwürfen des sexuellen Missbrauchs von Kindern durch Priester auf dem Tisch, hält es aber unter Verschluss - aus rechtlichen Gründen, sagt er. Die Debatte über diese Vorgänge in Köln hält Manfred Thesing für verheerend. Er fordert die Bischöfe auf, hier klare Kante zu zeigen. Eine deutliche Position erwartet er sich auch in Richtung Vatikan zur Frage der Mitarbeit von Laien in der Kirche. Hier wollen die deutschen Bischöfe viel mehr als Rom. Es sei eine Katastrophe, dass die Frauen immer noch um ihre Stellung in der Kirche kämpfen müssten, sagt der Vorsitzende des Katholikenrats im Bistum Trier. Viele Ehrenamtliche in der Kirche seien inzwischen mutlos und fragten sich, ob sich ihr Engagement noch lohne. Das ganze Interview im Wortlaut:

SWR Aktuell: Was erwarten Sie sich von der Bischofskonferenz?

Manfred Thesing: Ich erwarte mir von der Bischofskonferenz zunächst einmal, dass transparent wird, wer wo steht. Manchmal habe ich den Eindruck, es ist eher ein großer Block. Im Moment ist es aber so, dass Kardinal Woelki mit seinem intransparenten Verhalten doch auf einer anderen Seite steht. Ich erwarte mir von den anderen Bischöfen, dass sie klar mit ihren Mitbrüdern Klartext reden.

Manfred Thesing vom Katholikenrat im Bistum Trier fordert von der Bischofskonferenz klare Worte und Transparenz. (Foto: Bistum Trier)
Manfred Thesing vom Katholikenrat im Bistum Trier fordert von der Bischofskonferenz klare Worte und Transparenz. Bistum Trier

"Woelki sollte vielleicht darauf hören, was die anderen sagen."

SWR Aktuell: Ist das auch konkret gerichtet an den Trierer Bischof Ackermann?

Thesing: Ich gehe davon aus, dass Bischof Ackermann jedenfalls nicht der ist, der am längsten damit zurückhält, wenn er Klartext reden will. Ich glaube, gerade was den sexuellen Missbrauch angeht, ist Bischof Ackermann der Fachmann dadurch, dass er Missbrauchsbeauftrager war seit vielen Jahren und wir im Bistum auch die Hotlines geschaltet hatten, geschaltet haben für den bundesweiten Missbrauch. Ich glaube, es gibt niemanden, der in diesem Thema dem Woelki einen besseren Rat geben kann als Bischof Ackermann - nur der Woelki sollte vielleicht darauf hören, was die anderen sagen.

"Es tut nur noch weh, was im Moment läuft"

SWR Aktuell: Wo wir jetzt schon zu Kardinal Woelki gekommen sind. Welchen Eindruck haben Sie, welchen Effekt diese Debatte auf die katholische Kirche im Moment hat, das Ansehen in der Gesellschaft? Welche Auswirkungen hat das?

Manfred Thesing: Die Debatte ist verheerend und wenn selbst das Gremium in Köln, der Diözesanrat, was unserem Katholikenrat entspricht, es für angezeigt hält, laut, deutlich und offen zu sagen, dass sie das nicht mittragen können und dass Woelki seinen Kurs ändern muss, dann gibt es einem zu denken. Es tut nur noch weh, was im Moment läuft. Das Ansehen der katholischen Kirche sinkt rapide. Ich merke das auch in Gesprächen, wenn wir zu anderen Themen sprechen. Ich habe gestern, da ging es um eine Flüchtlingssache noch mal mit Leuten gesprochen. Da hat mir einer gesagt, bringt erst mal eure eigenen Sachen ins Reine als Katholen und dann können wir weiterreden. Und das ist verheerend. Das haben wir so noch nie gehabt.

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SWR Aktuell: Wer hat überhaupt Handhabe, für mehr Transparenz zu sorgen - außer Herrn Woelki selbst?

Thesing: Wir sind jetzt sehr stark hängen geblieben in Köln beim sexuellen Missbrauch und ich glaube, da muss der Woelki Transparenz zeigen ohne Ende, ansonsten muss er vielleicht auch die Konsequenzen ziehen. Das Andere ist der Umgang mit Laien, mit Ehrenamtlichen auch. Da macht mir Kummer, dass die Bischöfe - glaube ich - nicht stark genug auf das, was Rom so sagt, reagieren als eindeutiger Block. Die Frauen haben sich gemeldet, mal wieder, dass sie sich immer noch melden müssen, ist eine Katastrophe. Eigentlich müsste das seit 30, 40 Jahren geregelt sein. Andere melden sich, dass sie nicht auf Augenhöhe mit den Bischöfen und Klerikern sind. Alles das macht die Leute mutlos.

"Ich sehe im Moment nicht, dass da ein großer Schritt vorwärts gegangen wird."

Ich merke, bei uns im Katholikenrat sind viele Leute einfach mutlos und sagen: "Wofür soll ich das noch machen? Ich habe nicht den Eindruck, dass die Bischöfe voll hinter uns stehen." Und das gibt natürlich mit dem Ausblick auf den Synodalen Weg auch noch mal die Frage: "Lohnt sich das noch, was ich da investiere, in den Synodalen Weg oder lohnt es sich nicht?" Denn der synodalen Weg hat ja eindeutig zum Ziel, mehr Offenheit, mehr Transparenz, ein Miteinander auf Augenhöhe, ein Teilen von Macht und Aufgaben - alles das. Und ich sehe im Moment nicht, dass da ein großer Schritt vorwärts gegangen wird.

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