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Der Erzbischof von München und Freising und frühere Trierer Bischof, Reinhard Marx, hat Papst Franziskus seinen Rücktritt angeboten - der Trierer Bischof Stephan Ackermann will weitermachen.

Mit seinem Amtsverzicht will Marx nach eigenen Aussagen ein persönliches Zeichen setzen. Er wolle mit dem Schritt zugleich Mitverantwortung für die "Katastrophe des sexuellen Missbrauchs" durch Amtsträger der Kirche übernehmen, erklärte Marx nach Angaben des Erzbistums München und Freising.

Er hat nach Angaben des Erzbistums München und Freising am 21. Mai an Papst Franziskus geschrieben und seinen Amtsverzicht angeboten.

"Im Kern geht es für mich darum, Mitverantwortung zu tragen für die Katastrophe des sexuellen Missbrauchs durch Amtsträger der Kirche in den vergangenen Jahrzehnten."

Die katholische Kirche sei an einem "toten Punkt" angekommen. Mit seinem Amtsverzicht wolle er ein persönliches Zeichen setzen für neue Anfänge in der Kirche. Er wolle zeigen, dass nicht das Amt im Vordergrund stehe, sondern der Auftrag des Evangeliums.

Marx stand selbst bei Aufarbeitung des Missbrauchs in der Kritik

In einem Brief an Papst Franziskus schrieb Marx nach Angaben des Erzbistums München und Freising weiter, dass es viel persönliches Versagen und administrative Fehler gegeben habe, aber auch institutionelles oder systemisches Versagen. Marx selbst wurde vorgeworfen, als Bischof von Trier zu zögerlich auf Missbrauchsvorwürfe reagiert zu haben.

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Reinhard Marx war von 2002 bis 2008 Bischof von Trier.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, fordert nach dem Rücktrittsangebot von Kardinal Marx grundlegende Reformen in der katholischen Kirche. Seiner Ansicht nach reichen keine "Schönheitsreparaturen" aus. Bätzing sagte am Freitagabend in den ARD-Tagesthemen, man habe Systemversagen wahrgenommen - darauf könne es nur systemische, grundlegende Antworten geben. Diese Botschaft sende Kardinal Marx nun, so Bätzing.

Viele Trierer sehen den Schritt von Marx als starkes Signal, gleichzeitig bedauern viele, dass Marx sich zurückziehen will.

Missbrauchs-Opfer: Konsequenter Schritt

Die Vereinigung für Opfer sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche im Bistum Trier - MissBiT - hat den angebotenen Rücktritt von Marx als konsequenten Schritt bezeichnet. Dass ein Kardinal in dieser Art und Weise Verantwortung übernehme, sei durchaus anerkennenswert, sagte Missbit-Vorstandsmitglied Hermann Schell dem SWR.

Das Rücktrittsangebot von Marx reihe sich ein in eine Kette von negativen Ereignissen. Auch in seiner Zeit als Bischof von Trier habe es Versäumnisse von Reinhard Marx gegeben: So habe er jahrelang nichts gegen einen Pfarrer unternommen, dem der Missbrauch mehrerer Jugendlicher vorgeworfen wurde. Das Rücktrittsangebot von Kardinal Marx sei daher auch eine Chance für den Neuanfang der katholischen Kirche.

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MissBiT: Auch Bischof Ackermann soll zurücktreten

MissBiT forderte erneut, dass auch der Trierer Bischof Ackermann seinen Rücktritt einreicht. Auch Ackermann habe Fälle von Missbrauch im Bistum Trier vertuscht. "Wenn Kardinal Marx in Zukunft der Maßstab ist, dann müsste Bischof Ackermann in jedem Fall auch zurücktreten", so Hermann Schell von MissBiT.

Der Trierer Bischof Stephan Ackermann ist seit 2010 Missbrauchsbeauftragter der Deutschen Bischofskonferenz.

Trierer Bischof Ackermann will weitermachen

Ackermann äußerte sich schriftlich zum Rücktrittgesuch von Kardinal Marx. Er sei überrascht, zolle Marx aber Respekt. Er wertet das Rücktrittsangebot Marx als starkes Zeichen, dass dieser mit dieser persönlichen Entscheidung Verantwortung übernehmen wolle für die Verbrechen sexualisierter Gewalt in der Kirche.

Ackermann selbst denkt aber nicht an Rücktritt. Er argumentiert, dass er weiter Verantwortung übernehmen wolle, indem er den Prozess der Aufarbeitung und der Missbrauchsbekämpfung aktiv gestalte, wo es möglich sei.

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