Frau aus Idar-Oberstein, die sich der Terrormiliz IS in Syrien angeschlossen hat, kehrt nach Deutschland zurück (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)

Rückholaktion der Bundesregierung

IS-Rückkehrerinnen aus RLP am Flughafen Frankfurt festgenommen

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AUTOR/IN
Eric Beres

Zwei mutmaßliche IS-Rückkehrerinnen aus Idar-Oberstein sind am Frankfurter Flughafen festgenommen worden. Das teilte der Koblenzer Generalstaatsanwalt Jürgen Brauer mit. Gegen eine 27-Jährige erging U-Haft.

Zwischen den beiden am Mittwoch eingereisten Frauen gebe es aber keine direkte Verbindung, hieß es. Gegen eine von ihnen ermittle der Generalbundesanwalt, die andere - eine 27-Jährige Deutsche - gehört zu einer vierköpfigen Gruppe, gegen die die Koblenzer Behörde ermittelt. Eine Frau aus dieser Gruppe war bereits vom Oberlandesgericht Koblenz im März 2021 rechtskräftig verurteilt worden.

27-Jährige soll IS-Mitglied gewesen sein

Die 27-Jährige war vor Jahren zur Terrormiliz IS nach Syrien gereist. Angaben der Koblenzer Generalstaatsanwaltschaft zufolge liegt gegen die Rückkehrerin ein Haftbefehl wegen des dringenden Verdachts der Mitgliedschaft in der ausländischen terroristischen Vereinigung "Islamischer Staat (IS)" und des Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz vor. Der Ermittlungsrichter des Oberlandesgerichtes Koblenz ordnete am Donnerstag Untersuchungshaft an.

Kurdische Behörden halfen bei der Rückholaktion

Nach SWR-Informationen hatten kurdische Behörden die inzwischen Festgenommenen und weitere ehemalige IS-Anhängerinnen sowie deren Kinder am Mittwochmorgen Vertretern des Auswärtigen Amts übergeben. Bundesaußenministerin Annalena Baerbock (Grüne) erklärte in der Nacht zum Donnerstag: "In einer äußerst schwierigen Aktion konnten wir heute 27 deutsche Kinder und zehn Mütter aus dem Lager Roj in Nordostsyrien nach Deutschland zurückholen."

Bei der einen Frau aus Idar-Oberstein handelt es sich um Sahra B., eine deutsche Staatsbürgerin mit somalischen Wurzeln. Die heute 27-Jährige war im September 2014 zusammen mit ihrer Schwester, ihrem Bruder und dessen Ehefrau zum IS gereist. Ihre Schwägerin Lisa R. war bereits im Januar 2020 zurück nach Deutschland gekommen und wurde vor einem Jahr zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

Koblenz

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Der Vormittag SWR1 Rheinland-Pfalz

Rückkehr mit sechsjähriger Tochter  

Sahra B.'s Bruder verstarb im Kriegsgebiet. Ihre jüngere Schwester hält sich vermutlich noch in Nordostsyrien auf. Auf ihrer Rückreise begleitet wurde Sahra B. von ihrer in Syrien geborenen sechsjährigen Tochter. In Deutschland muss sich Sahra B. nun einem Strafverfahren wegen der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat und der Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung verantworten. Gegen sie soll ein Haftbefehl vorliegen.   

Nach SWR-Informationen soll Sahra B. zunächst einen IS-Kämpfer aus Schweden geheiratet haben, der im Januar 2015 beim Kampf um die Stadt Kobane an der syrisch-türkischen Grenze getötet wurde. Danach heiratete sie dem Vernehmen nach einen weiteren Dschihadisten, der ebenfalls verstarb. Sie soll im Besitz eines Sturmgewehrs AK-47 gewesen sein. 2019 wurde sie von kurdischen Sicherheitskräften festgenommen und war zuletzt in dem von der kurdischen Selbstverwaltung kontrollierten Camp "Roj" untergebracht - einem Lager für ehemalige IS-Angehörige im Nordosten Syriens.

Nach SWR-Informationen kehrte die zweite, ursprünglich aus Rheinland-Pfalz stammende Frau, mit ihren zwei Kindern zurück. Die heute 36-Jährige war allerdings von ihrem späteren Wohnort in Nordrhein-Westfalen in das IS-Gebiet ausgereist. Gegen sie ermittelt die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe aufgrund eines Haftbefehls. Der Ermittlungsrichter beim Bundesgerichtshof entscheidet über den Vollzug der Untersuchungshaft.   

Außenministerin Baerbock: Bisher größte Rückholaktion  

Den Informationen zufolge hatten Vertreter des Auswärtigen Amtes am Mittwoch in der nordsyrischen Stadt Qamischli insgesamt zehn Frauen und 27 Kinder in Empfang genommen, um diese zurück nach Deutschland zu bringen. Es ist die bisher größte Rückholaktion ehemaliger IS-Anhängerinnen.

Gegenüber dem SWR hatte das Amt vor einigen Wochen mitgeteilt, es habe zuvor vier Rückholaktionen mit insgesamt zwölf Müttern und 42 Kindern gegeben. Zuletzt soll sich noch eine niedrige dreistellige Zahl deutscher Staatsangehöriger in Lagern in Nordostsyrien befunden haben, etwa die Hälfte davon Kinder.  

Mit der am Mittwoch erfolgten Aktion sei nun "der Großteil der deutschen Kinder, deren Mütter zur Rückkehr nach Deutschland bereit sind, in Sicherheit gebracht" worden, erklärte Außenministerin Baerbock. Es gebe jetzt "nur noch wenige, besonders gelagerte Fälle", für die die Bundesregierung weiter "an individuellen Lösungen" arbeite.

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