Wie Ukrainer in der Region Trier Arbeit finden können. Die Arbeitsagentur Trier gibt Tipps. (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

Geflüchtete auf dem Arbeitsmarkt

Wie Ukrainer in der Region Trier Arbeit finden können

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Tausende Geflüchtete aus der Ukraine erreichen die Region. Gleichzeitig sind Tausende Stellen bei den Betrieben offen. Eine Chance, sagt Stefanie Adam von der Arbeitsagentur Trier.

SWR Aktuell: Was bedeutet die Zuwanderung aus der Ukraine für den hiesigen Arbeitsmarkt, auf dem ja ein großer Fachkräftemangel herrscht?

Stefanie Adam: "Es kommen derzeit viele Menschen mit beruflichen Qualifikationen in unsere Region. Und das bietet eine Chance, unbestritten. Aber wir wissen alle noch nicht, wie sich die Kriegssituation entwickelt. Und wir wissen auch nicht, inwieweit die Geflüchteten tatsächlich bei uns bleiben wollen.

Erst mal steht der humanitäre Aspekt im Vordergrund. Die Menschen brauchen ein Dach über dem Kopf und ein sicheres Umfeld für ihre Familien. Danach geht die Jobsuche erst los. Ob wir jetzt tatsächlich durch den Flüchtlingszuzug den Fachkräftemangel in der Region beheben können - da sind wir am jetzigen Punkt noch sehr spekulativ unterwegs."

SWR Aktuell: Sind bei Ihnen bereits Anfragen von Geflüchteten eingegangen, die in der Region einen Job suchen?

Adam: "Vereinzelt kommen Personen zum Beispiel über unsere neue Hotline, auf uns zu. Seit der ersten Woche, in der das Angebot sehr verhalten angelaufen ist, ist das Interesse gestiegen. Es rufen allerdings nicht nur Ukrainer an, sondern auch vielfach Helferinnen und Helfer, die Geflüchtete betreuen.

Direkt vermittelt haben wir aber noch niemanden. Dafür ist es zu früh. Die Leute müssen erst mal ankommen. Wir erfassen also zunächst mal die Daten und bieten Beratungen an. Da schauen wir: Was bringt der Jeweilige mit? Was muss er tun, um seine Ausbildung anerkannt zu bekommen? Dann stellen wir den Kontakt zu möglichen Arbeitgebern her."

Die gebürtige Prümerin Stefanie Adam leitet die operativen Geschäfte der Arbeitsagentur Trier.  (Foto: SWR)
Die gebürtige Prümerin Stefanie Adam leitet die operativen Geschäfte der Arbeitsagentur Trier.

SWR Aktuell: Welche Qualifikationen bringen die Menschen mit, die als Geflüchtete in der Region Trier ankommen?

Adam: "Es reisen vorrangig Frauen mit ihren Kindern ein. Viele von ihnen haben studiert. Unter den Geflüchteten sind zum Beispiel Ärztinnen, Ingenieurinnen und Lehrerinnen. Andere bringen Erfahrung in der Gastronomie oder dem Verkauf mit.

Im Handwerk hingegen arbeiten in der Ukraine vor allem Männer. Diese Betriebe können also im Gegensatz zum Gesundheitswesen, der Technik oder dem Gastgewerbe nicht unbedingt mit zusätzlichen Fachkräften rechnen."

SWR Aktuell: Dennoch werden die ukrainischen Geflüchteten beim Fachkräftemangel doch sicher mit offenen Armen empfangen?

Adam: "Absolut. Die Anfragen von Betrieben bei unserem Arbeitgeberservice steigen. Wir sehen eine hohe Bereitschaft bei den Unternehmen, den Geflüchteten eine Chance zu bieten und sie bei der Integration in den Arbeitsmarkt zu unterstützen."

SWR Aktuell: Welche Hürden gibt es denn für die Geflüchteten noch zu überwinden? Wie läuft das bürokratische Prozedere ab?

Adam: "Es gibt zwei Varianten. Die Ukrainer können entweder für 90 Tage visumsfrei einreisen, ohne dass sie einen Aufenthaltstitel erwerben müssen. Die andere Variante ist, dass die Menschen nach dem Paragrafen 24 Aufenthaltsgesetz bei der Ausländerbehörde einen offiziellen Status und somit einen freien Zugang zum Arbeitsmarkt beantragen.

Bei der Anerkennung von Berufsausbildungen wird es meiner Einschätzung nach keine großen Probleme oder langen Wartezeiten geben. Was dann für die Ukrainer noch ansteht, ist ein Integrationskurs und danach gegebenenfalls Deutschkurse. Wir haben mit dem Bundesamt für Migration und Flucht gesprochen, aber auch mit den Ausländerbehörden, dass schnellstmöglich Strukturen geschaffen werden."

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