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Bundestag und Bundesrat haben das Gesetz zu einer einheitlichen Corona-Notbremse verabschiedet. Die Bundes-Notbremse reicht aber nicht, sagt Pflegerin Jaqueline Ehlen aus Trier. Sie fordert einen harten Lockdown.

"Die Uhr tickt", sagt Jaqueline Ehlen. Die 31-jährige Pflegerin arbeitet auf der Intensivstation im Klinikum Mutterhaus der Borromäerinnen in Trier. Noch sei die Lage auf der Intensivstation entspannt. Aber das könne sich ganz schnell ändern.

Ein bundesweiter Corona-Lockdown muss her

Die einzige Chance, die die Pflegerin sieht, ist ein bundesweiter harter Lockdown. Außerdem müsse dieser Flickenteppich mit unterschiedlichen Regeln in den verschiedenen Bundesländern aufhören. Denn wer in Grenzregionen wohne, fahre einfach dahin, wo mehr erlaubt ist.

Bundestag und Bundesrat stimmen Gesetz zu

Nachdem am Mittwoch der Bundestag einem einheitlichen bundesweiten Vorgehen zugestimmt hat, passierte das Gesetz am Donnerstag auch den Bundesrat. Die Notbremse soll dafür sorgen, dass in jedem Landkreis bundesweit die gleichen Regeln gelten, wenn dort die 7-Tage-Inzidenz den Wert von 100 übersteigt. Dazu gehören etwa Ausgangsbeschränkungen von 22 Uhr abends bis 5 Uhr morgens. Was sich in Rheinland-Pfalz dadurch ändert, erfahren Sie hier.

Nach Ansicht von Intensivpflegerin Jaqueline Ehlen aus Trier muss das Impfen und auch die Teststrategie deutlich mehr nach vorne getrieben werden. Anders gebe es keinen Weg aus der Pandemie.

Corona-Schicksale als psychische Belastung

Für die Pflegerinnen und Pfleger sei die Situation nicht einfach, sagt Jaqueline Ehlen. Nicht nur die physische Belastung sei hoch, sondern auch die psychische. Zu verarbeiten, wenn Menschen sterben, sei nicht leicht.

"Die Menschen, die auf der Intensivstation mit einer Covid-Erkrankung lagen und beatmet wurden und dann hier lebend wieder rausgegangen sind, die können wir an zwei Händen abzählen."

Corona hat den Pflegemangel sichtbar gemacht

Die Personallage mache die Situation noch schlimmer, erzählt Ehlen. Sie kenne einige Pflegerinnen und Pfleger, die schon das Handtuch geschmissen hätten, weil sie mit dem Stress nicht mehr klar kamen. Es gebe einfach zu wenig Personal für zu viele Patienten.

Ihre Hoffnung ist, dass die Personalprobleme durch die Corona-Krise auch in der Politik angekommen ist. Denn in den Punkten Arbeitsbedingungen, Bezahlung und Arbeitsbelastung müsse sich einiges tun, sodass wieder mehr Menschen in der Pflege arbeiten wollen.

Die Prioritäten müssen in der Corona-Krise andere werden

Es macht Jaqueline Ehlen wütend, wenn sie sieht, wie Tausende in Stuttgart auf die Straße gehen und gegen die Corona-Maßnahmen protestieren - ohne Abstand und Maske.

"Was ist momentan unser Problem? Ob unser Ehemann, unser Kind, unser Vater überlebt oder ob ich diese Woche Rimini buchen kann?"

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