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In letzter Zeit zieht die Polizei häufiger Holztransporter aus dem Verkehr, weil sie überladen sind. Aber was ist daran so gefährlich und wie können sich Autofahrer schützen?

Es verursacht ein mulmiges Gefühl: Man fährt mit dem Auto hinter einem Holztransporter her- kann da was passieren? Könnte sich die Ladung lösen und könnten die Holzstämme auf mich zukommen? Das passiere in der Realität eigentlich nicht, sagt Polizeihauptkommissar Marco Reis von der Schwerlastkontrolltruppe Wittlich.

Die Ladung sei meist richtig gesichert. Das Problem, das auch zu Unfällen führe, ist, dass die Holztransporter häufig überladen seien. Zulässig sind in Deutschland maximal 40 Tonnen. Die Polizei zieht aber immer wieder Laster aus dem Verkehr, die 50, 60 oder mehr Tonnen Holz geladen haben.

Gefahren durch überladene Holztransporter

Das kann auf mehrere Weisen gefährlich werden: Durch einen überladenen Transporter verlängert sich dessen Bremsweg erheblich, sagt Reis. Wenn ein solcher Transporter auf einen Stau auffahre und nicht rechtzeitig bremse, könne das schlimme Folgen für den Fahrer und andere Verkehrsteilnehmer haben. Zumal auch die Bremsen des Lasters durch die Überladung beschädigt werden können.

Hinzu komme die Belastung von Straßen oder Brücken durch extreme Überladung. Erfahrungsgemäß beanspruche schon eine mit zwölf Tonnen belastete Lkw-Achse die Straße doppelt so stark wie eine Zehn-Tonnen-Achse.

Überladene Holztransporter in der Region Trier (Foto: Polizei Trier)
Bei diesem Laster wurden mehr als 60 Tonnen gemessen. Das zulässige Gesamtgewicht liegt bei 40 Tonnen. Polizei Trier Bild in Detailansicht öffnen
Dieser Holztransporter wurde mit mehr als 52 Tonnen gestoppt. Polizei Trier Bild in Detailansicht öffnen
Auch dieser Holztransporter wurde mit fast 60 Tonnen gestoppt. Polizei Trier Bild in Detailansicht öffnen
In Einzelfällen stellt die Polizei fest, dass die Fahrer ihre Holztransporte absichtlich, also mit Vorsatz, überladen ... Polizei Trier Bild in Detailansicht öffnen
... mehr Erlös pro Fracht und Verringerung der Anzahl an Fahrten steigert den Gewinn. Polizei Trier Bild in Detailansicht öffnen

Mehr Gewinn durch Überladung

In der Region Trier stellt die zentrale Verkehrsdirektion in letzter Zeit vermehrt fest, dass Holztransporter mit Kurz- oder Langholz überladen sind.

Das hänge einerseits damit zusammen, dass in den Wäldern im Moment viele Bäume durch den Borkenkäfer oder Windbruch umfallen. "Dieses Holz muss schnellstmöglich aus den Wäldern transportiert werden, damit es nicht von noch mehr Schädlingen befallen wird", sagt Reis.

Zudem könne natürlich mehr Gewinn erzielt werden, wenn mehr Holz mit einer Ladung transportiert werde. Die Unternehmen sparten sich außerdem Fahrten, wenn sie ihre Laster mit dem Holz überladen, das sie sonst auf einem weiteren Lkw transportieren müssten.

Bußgelder für Unternehmen

Vorsatz lasse sich nicht immer nachweisen, aber schon die fahrlässige Überladung kann erhebliche Bußgelder für Fahrer und Unternehmen nach sich ziehen, sagt Reis. Wenn die Überladung mehr als 30 Prozent des erlaubten Gewichts beträgt oder der Fahrer oder das Unternehmen schon mehrfach aufgefallen sind - dann werde meist doch ein Vorsatz unterstellt und das Bußgeld könne sich verdoppeln.

Erzielt das Unternehmen durch die Überladung einen Gewinn gegenüber der Konkurrenz, die weniger aufgeladen hat und deshalb auch weniger verkaufen kann - dann kann auch das Geld eingezogen werden, das mit der überladenen Fracht verdient wurde.

So oder so müssen Fahrer das überschüssige Holz abladen oder auf einen anderen Lkw umladen, wenn die Polizei sie erwischt.

Verhältnismäßig wenig Unfälle trotz Überladung

Gemessen an der Zahl der überladenen Holztransporter auf Deutschlands Straßen, seien Unfälle mit diesen Fahrzeugen zumindest in der Region Trier gering, sagt Marco Reis. Vergangenes Jahr sei ein Transporter in einem Kreisel nahe der A60 umgekippt. Der Fahrer wurde dabei schwer verletzt - wahrscheinlich, weil er nicht angeschnallt war.

Ein anderer Transporter kam aus Luxemburg und sei in einer Kurve umgestürzt. Die herabgefallenen Baumstämme hätten die komplette A602 blockiert. Verletzt aber wurde niemand.

Marco Reis von der Schwerlastkontrolltruppe Wittlich geht aber davon aus, dass die Zahl der überladenen Transporter und damit auch der Unfälle in den nächsten Jahren steigen wird. Weil durch die Schädlinge in den Wäldern immer mehr Bäume fortgeschafft werden müssten.

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