Immer mehr Menschen in der Region Trier wünschen sich Solarzellen auf dem Dach. Doch die sind derzeit schwer zu bekommen.  (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)

Energiewende in der Region Trier

Solaranlagen: Hohe Nachfrage, zu wenig Angebot

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Anna-Carina Blessmann
Anna-Carina Blessmann am Mikrofon (Foto: SWR)
Christian Altmayer
Foto von Christian Altmayer, Redakteur bei SWR Aktuell im Studio Trier (Foto: SWR)

Immer mehr Menschen aus der Region Trier wollen angesichts der Energiekrise Solarzellen auf dem Dach. Wegen Lieferengpässen sind die allerdings schwer zu bekommen.

Zwei bis drei Mal am Tag klingelt derzeit das Telefon beim Solarverein in Trier. Der Verein berät Menschen beim Wechsel zu erneuerbaren Energieträgern, wie Solaranlagen oder Wärmepumpen. Und daran gibt es aktuell offenbar ein hohes Interesse.

"Seit etwa einem Jahr ist die Zahl der Anfragen bei uns stark gestiegen", sagt Matthias Gebauer, der Vorsitzende des Vereins. Schon vor dem Krieg in der Ukraine hätten die Anrufe zugenommen.

Hohe Preise sorgen für Interesse an Solarstrom

Der Trierer führt das steigende Interesse daher auch weniger auf den russischen Angriff oder die Klimakatastrophe zurück. Es liegt, so glaubt er, vor allem an steigenden Energiepreisen.

"Sobald der Strom teurer wird, fragen mehr Leute bei uns nach Alternativen. Der Preis ist hier der stärkste Treiber."

Matthias Gebauer, der Vorsitzende des Solarvereins Trier, berät Hausbesitzer, die sich für alternative Energieträger interessieren.  (Foto: SWR, Christian Altmayer )
Matthias Gebauer, der Vorsitzende des Solarvereins Trier, berät Hausbesitzer, die sich für alternative Energieträger interessieren. Christian Altmayer

Das sieht auch Ingo Fischer so, Geschäftsführer von enerix Eifel-Hunsrück: "Auf gut Deutsch gesagt, rennen uns die Kunden die Bude ein." Das Unternehmen mit einem Standort in Hillesheim installiert Photovoltaikanlagen für Privathaushalte in der Region.

Einen Boom habe es vor allem zu Beginn des Ukraine-Kriegs in Februar und März gegeben. Das sei jetzt abgeflacht, aber immer noch auf einem sehr hohen Niveau. Die Kunden wollten unabhängiger in ihrer Stromversorgung sein und natürlich Geld sparen.

Lieferengpässe bei Solarzellen

Aktuell kommen die Ehrenamtlichen des Solarvereins Trier kaum noch hinterher mit Beratungsgesprächen, so Gebauer. Und oft könnten sie den Interessenten nicht so schnell weiterhelfen, wie diese es gerne hätten.

Denn an Solaranlagen heranzukommen, sei derzeit nicht einfach. Die Wartezeiten seien lang, die Kosten um rund zehn Prozent gestiegen. Gebauer spricht von einer "kritischen Situation", ausgelöst auch durch die Corona-Pandemie. Denn die stört noch immer weltweite Lieferketten.

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Da enerix in Hillesheim Teil eines Franchises ist, hat es mehr Personal zur Verfügung als andere in der Branche. Material bezieht man aus Deutschland. Anlagen seien in vier bis zwölf Wochen auf dem Dach. Dennoch: Wo wichtige Bauteile früher von heute auf morgen auf der Baustelle waren, wartet enerix heute sechs bis neun Monate darauf.

"Die Nachfrage ist für uns gerade noch so händelbar. Die Kunden müssen dennoch mit längeren Wartezeiten rechnen. Bei manchen Kollegen in der Branche ist es fast schwierig, einen Plan innerhalb eines Jahres umzusetzen – geschweige denn, zu bauen."

Handwerker in der Region Trier überlastet

Was Hausbesitzer in der Region Trier derzeit erleben, fasst Matthias Gebauer vom Solarverein so zusammen: Wer sich eine Solaranlage anschaffen will, muss erstmal Handwerker finden, die sie ihm aufs Dach packen. Die Betriebe sind derzeit aber überlastet.

Ingo Fischer (links), Geschäftsführer von enerix Eifel-Hunsrück, berät einen Kunden für seine neue Photovoltaikanlage. Die gestiegene Nachfrage sei gerade noch zu händeln. (Foto: SWR, Anna-Carina Blessmann)
Ingo Fischer (links), Geschäftsführer von enerix Eifel-Hunsrück, berät einen Kunden für seine neue Photovoltaikanlage. Die gestiegene Nachfrage sei gerade noch zu händeln. Anna-Carina Blessmann

Zudem wissen die Handwerker oft nicht, wann und zu welchem Preis sie die nötigen Module aus dem Ausland bekommen. Sie können daher kaum einen Kostenvoranschlag machen. Auch für enerix ist das schwierig: Alle Hersteller hätten mittlerweile in ihre Geschäftsbedingungen geschrieben, dass Preissteigerungen durchgereicht werden.

Ingo Fischer muss daher auch eine solche Klausel mit seinen Kunden vereinbaren, sagt er. Bisher habe man aber noch nicht nachkalkulieren müssen. Kollegen aus der Branche würden das durchaus tun.

"Trotz der derzeit hohen Nachfrage wird die Energiewende bei uns also ausgebremst."

Fachkräftemangel auch bei Sonnenenergie

Ein weiteres Problem, das hinzukommt, ist der Fachkräftemangel: "Sobald ich an einer Elektroinstallation wie einer Photovoltaikanlage arbeite, muss ich einen Meistertitel haben. Oder zumindest eine Konzession dafür bei einem Energieversorger", erklärt Otmar Thomas, zweiter Geschäftsführer von enerix.

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Um als Facharbeiter Anlagen montieren zu dürfen, müsse man also vier Jahre lernen. Darauf hätten viele junge Leute keine Lust mehr. Enerix habe jahrelang nach Nachwuchs gesucht. Und Glück im Unglück gehabt: Gerade hat das Unternehmen zwei neue Elektriker eingestellt, die auch in Zukunft weiter Solaranlagen auf die Dächer in der Region Trier bringen werden.

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