Schäden in der St.Silverster Kirche in Minden. (Foto: SWR, Jana Hausmann)

Ein Jahr nach der Hochwasser-Katastrophe

Menschen im Eifelort Minden schauen nach vorn

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Jana Hausmann

Im Juli 2021 haben die Sauer und die Prüm Teile von Minden verwüstet und auch vor der Kirche nicht Halt gemacht. Auch ein Jahr nach der Flut sind nicht alle Schäden beseitigt.

Die Kirche St. Silvester steht umgeben von grünem, gepflegtem Rasen mitten im Ortskern von Minden. Auf den ersten Blick fällt einem hier nichts Ungewöhnliches auf. Nur die helle Eichentür am Eingang des Gebäudes stört den Gesamteindruck. Sie scheint irgendwie fehl am Platz. Mindens Ortsbürgermeister Franz-Josef Ferring klärt auf: "Wir haben die Tür nur provisorisch hier eingebaut, damit uns nachts nicht noch einer die Heiligen aus der Kirche stiehlt“, sagt der Ortschef lachend.

Die Kirche St.Silvester in Minden steht inmitten von gepflegtem Rasen in der Ortsmitte. Von außen ist nichts von den Hochwasserschäden zu sehen. (Foto: SWR, Jana Hausmann)
Die Kirche St. Silvester im Eifelort Minden wurde zu Beginn des 12. Jahrhunderts erbaut. Ein derartiges Hochwasser wie am 14. Juli 2021 dürfte sie noch nicht erlebt haben. Jana Hausmann

Hochwasser-Schäden noch immer sichtbar

Die originale massive dunkelbraune Tür der Kirche wird derzeit restauriert. Sie ist nicht die einzige Baustelle von St. Silvester. Denn das Hochwasser vom Juli 2021 hat überall im Gebäude große Schäden angerichtet. Das Wasser hatte den Boden teils hochgedrückt und auch Kirchenbänke, Altar und Sakristei schwer beschädigt.

"Das Wasser stand 1 Meter 70 hoch  im Innenraum. Selbst die Heiligenfigur, die an der Wand angebracht ist, hat nasse Füße bekommen."

Mittlerweile ist der Boden wieder eben. Der Putz an den Kirchenwänden wurde bereits abgeschlagen, sodass sie bald gestrichen werden können und auch die neue Elektrik wurde schon verlegt. Es geht vorwärts in St. Silvester. Möglich wurden die Sanierungsarbeiten nur durch die Hilfe von Firmen und vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern aus Minden und Umgebung, sagt Ortsbürgermeister Franz-Josef Ferring.

Hochwasser zerstört Kirche St. Silvester (Foto: Franz-Josef Herring / Gemeinde Minden)
Am 14. Juli 2021 flutete die Prüm die Kirche St. Silvester in Minden. Franz-Josef Herring / Gemeinde Minden Bild in Detailansicht öffnen
Gemeinde Minden Bild in Detailansicht öffnen
Der Innenraum der Kirche kurz nach dem Hochwasser (links) und knapp ein Jahr später (rechts). Jana Hausmann Bild in Detailansicht öffnen
Der Altar der St. Silvester Kirche in Minden kurz nach dem Hochwasser (links) und knapp ein Jahr später (rechts), soll bald wieder in altem Glanz erstrahlen. Jana Hausmann Bild in Detailansicht öffnen
So sah es am Tag nach dem Hochwasser in der Sakristei der St. Silvester Kirche aus. Gemeinde Minden Bild in Detailansicht öffnen
Der Raum kurz nach dem Hochwasser (links) und knapp ein Jahr später (rechts). Die Schränke der Sakristei wurden mittlerweile restauriert und sollen bald wieder eingebaut werden. Jana Hausmann Bild in Detailansicht öffnen
Kurz nach der Flut war die Farbe von den Wänden abgeblättert (links), knapp ein Jahr später, ist immer noch zu sehen, wie hoch das Wasser in der Kirche stand (rechts). Die Kirchenwände sollen nun einen neuen Anstrich erhalten. Jana Hausmann Bild in Detailansicht öffnen
Auch an der Kanzel (links kurz nach der Flut, rechts ein knappes Jahr danach), gibt es noch einiges zutun. Jana Hausmann Bild in Detailansicht öffnen
Die etwa 1,70 Meter hoch an der Wand angebrachte Heiligenfigur stand am 14. Juli mit den Füßen im Wasser. (links kurz nach der Flut, rechts ein knappes Jahr danach). Auch bei ihr sollen die bis heute sichtbaren Spuren des Hochwassers bald entfernt werden. Jana Hausmann Bild in Detailansicht öffnen

Enorme Hilfe von Firmen und Ehrenamtlichen

Sie alle hätten tatkräftig mit angepackt, um die Kirche schnell wieder auf Vordermann zu bringen. So wurden beispielsweise die Kirchenbänke in Eigenleistung restauriert. Auf den Zusammenhalt im Ort ist Bürgermeister Ferring stolz. Er hofft, dass die Kirche bald wieder zum Treffpunkt des Ortes werden kann.

"Unser Ziel ist, dass wir unsere St. Silvester Kirche am 31.12. wieder eröffnen können. Das wäre uns wirklich wichtig."

RLP

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33 Haushalte in Minden von Hochwasser betroffen

Neben der Kirche waren im Ort auch 33 Haushalte vom Hochwasser betroffen. In etwa neun Gebäuden lagen die Schäden teils im sechsstelligen Bereich, erzählt der Ortschef. Ein knappes Jahr nach der Flut seien die Sanierungsarbeiten in den Häusern zwar überwiegend abgeschlossen - bis alle Familien ihr Zuhause in Minden aber wieder hergerichtet haben, könne es noch dauern, schätzt er.

"Das alles war für Minden eine reine Katastrophe. Keiner kann sich erinnern, dass hier jemals so etwas Schreckliches passiert ist."

Stühle und Tische stehen unter Sonnenschirmen und Palmen im Sandstrand. Die Beachbar in Minden lädt nach dem Hochwasser 2021 wieder zum erholen ein. (Foto: SWR, Jana Hausmann)
Urlaubsidylle an der Sauer: Die Beachbar von Philippe Weidert ist immer am Wochenende für die Gäste geöffnet. Jana Hausmann

Minden-Beach nach Flut wieder eröffnet

Einige hundert Meter entfernt von der Kirche am Ufer der Sauer, liegt das Grundstück von Philippe Weidert. Er betreibt hier seit 2019 eine Beachbar. Direkt am Wasser stehen zahlreiche Liegestühle unter Palmen und Sonnenschirmen im Sandstrand.

Eine echte Urlaubsidylle. Doch auch sie wurde vergangenes Jahr vom Wasser in kürzester Zeit zerstört. Philippe Weidert und seine Familie retteten sich damals auf den Balkon im ersten Stock ihres Hauses. Von dort aus mussten sie mit ansehen, wie die Fluten der Sauer alles mitrissen.

"Als ich das gesehen habe, wäre ich am liebsten hinterher gesprungen. Man baut über so viele Jahre etwas auf und dann hat man innerhalb weniger Stunden gar nichts mehr. Das war schlimm."

Mehrere hunderttausend Euro Schaden

Eigentlich wollte der 41-Jährige seine Bar nach der Katastrophe nicht mehr eröffnen. Die Schäden und das Chaos waren einfach zu groß. Er habe einen Gesamtschaden von etwa 600.000 Euro gehabt. Doch eine enorme Hilfsbereitschaft von Menschen aus nah und fern ließen ihn nach vorne schauen. Bereits wenige Wochen nach der Flut konnte er wieder öffnen. Auch wenn bis heute noch nicht alles so funktioniert, wie es vor der Flut war.

Beachbar-Betreiber Philippe Weidert vor seiner Beach-Bar in Minden. Auch sie wurde im Juli 2021 bei dem Hochwasser stark beschädigt. (Foto: SWR, Jana Hausmann)
Philippe Weidert hat noch einiges zu tun, bis Beach-Bar und das Zuhause seiner Familie wieder so aussehen wie vor der Flut. Jana Hausmann

Warten auf Fördergelder

Gerade die Beach-Bar habe er bisher überwiegend aus eigener Tasche wieder aufbauen müssen. Damit es weitergehen kann, warte er noch auf Fördergelder der Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz (ISB). Er freut sich zwar darüber, dass es solche Hilfen gibt, der Weg dorthin sei aber kompliziert und dauere seine Zeit. Zeit die Betroffene wie er oft nicht hätten. Er hofft nun, dass das Wetter so schön sommerlich weitergeht wie in den vergangenen Wochen, damit er in seiner Beach-Bar viele Gäste bewirten kann.

"Wenn noch mal so ein Unwetter kommt, hoffe ich, dass wir früher gewarnt werden. Wir haben hier jetzt viel auf Paletten gebaut, dann können wir mit LKW alles räumen, damit nichts mehr wegschwimmt."

Weitere Hochwasserschutzmaßnahmen geplant

Mindens Ortsbürgermeister Frank-Josef Ferring möchte eine derartige Katastrophe allerdings nicht mehr erleben. Um im Notfall dennoch vorbereitet zu sein, plant die Gemeinde nun, obwohl sie schon eine Hochwasserschutzwand hat, weitere Hochwasserschutzmaßnahmen. Die Erkenntnisse, die man aus dem vergangenen Juli gezogen hat, sollen dann in das neue Hochwasser- und Starkregenschutzkonzept einfließen, sagt der Bürgermeister.

Der Bürgermeister Franz-Josef Ferring in der St.Silvester Kirche in Minden. Er hofft, dass die Hochwasserschäden dort bald beseitigt sind. (Foto: SWR, Jana Hausmann)
Franz-Josef Ferring, Bürgermeister der Gemeinde Minden, hofft dass am 31.12. 22 in der St.Silvester Kirche wieder ein Gottesdienst abgehalten werden kann. Jana Hausmann

Unwetter-Katastrophe hat sich ins Gedächtnis gebrannt

Er hofft, dass die entsprechenden Behörden mitziehen, damit die erforderlichen Maßnahmen schnell umgesetzt werden können. Auch wenn es nun, ein Jahr nach der Katastrophe in Minden aufwärts geht: Das Leid, das im Juli 2021 dort angerichtet wurde, könne niemand vergessen. Die Spuren des Wassers werden immer irgendwo sichtbar bleiben, genauso wie die Erinnerungen, sagt der Bürgermeister.

"Wir waren machtlos. Deshalb sind die Leute, wenn es länger regnet, schon verängstigt. Dann zittern manchen schon die Knie. Und das wird vermutlich auch noch lange Zeit so bleiben."

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Jana Hausmann