Die Idar-Obersteiner Felsenkirche, unterhalb der Kirche die B41 und eine Häuserfront (Foto: SWR, Martin Schmitt)

200 Millionen Euro zusätzliche Einnahmen

Edelsteinstadt Idar-Oberstein im Steuerglück

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Sebastian Grauer

Auf dem Konto der Stadt Idar-Oberstein (Kreis Birkenfeld) stand bis vor kurzem ein fettes Minus. Das ändert sich jetzt, auch weil der Mainzer Corona-Impfstoffhersteller BioNTech in der Stadt einen Standort unterhält und Steuern zahlt.

Idar-Oberstein ist bekannt für Edelsteine, die Felsenkirche und Spießbraten. Idar-Oberstein ist außerdem die Geburtsstadt von Bruce Willis. Das sind die Dinge, die man bisher über Idar-Oberstein im Hunsrück wissen musste.

Jetzt kommt eine weitere Sache hinzu: In Idar-Oberstein unterhält der Mainzer Corona-Impfstoffhersteller BioNTech einen Standort mit mehreren Hundert Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

Das Unternehmen könnte jetzt seinen Teil dazu beitragen, dass Idar-Oberstein schuldenfrei wird- ein historisches Ereignis.

Denn BioNTech zahlt in Idar-Oberstein Gewerbesteuern. Zu der genauen Höhe darf die Verwaltung wegen des Steuergeheimnisses keine Angaben machen. Ein Großteil des 200 Millionen Euro Steuerplus dürfte aber auf das gute Jahresergebnis von BioNTech zurückzuführen sein.

Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr hatte die Stadt 13,4 Millionen Euro Gewerbesteuer eingenommen. Im Haushaltsentwurf für das kommende Jahr plant die Verwaltung mit rund 217 Millionen Euro.

Kämmerer der Stadt ist froh

Carsten Stützel ist seit 2017 der Kämmerer der Stadt Idar-Oberstein. Er erinnert sich noch genau an den Tag, an dem er auf den Kontoauszug schaute.

"Als wir den Kontoauszug bekommen haben, auf dem dann ein Guthaben von 200 Millionen Euro stand. Das war schon ein besonderer Tag. Die Bank hat auch angerufen und gefragt, ob das alles seine Richtigkeit hat."

"Diese Größenordnung haben wir nicht erwartet."

Doch damit ist nicht alles gut. Denn der Kämmerer hat jetzt andere Probleme. In Zukunft muss jetzt sorgfältig mit dem Geld geplant werden, es muss beispielsweise sicher und gewinnbringend angelegt werden.

"Bislang mussten wir uns darüber Gedanken machen, woher bekommen wir das Geld. Jetzt haben wir ganz andere Probleme und müssen uns Fragen, was machen wir mit dem Geld", sagt Stützel.

Oberbürgermeister will Schulden zurückzahlen

Der Oberbürgermeister von Idar-Oberstein, Frank Frühauf (CDU), hat sich ebenfalls über das fette Steuerplus gefreut. Für ihn ist klar, dass zuerst die rund 200 Millionen Euro Schulden der Stadt abgebaut werden müssen.

"Wir haben dadurch jetzt die einmalige Chance, unsere hohen Verbindlichkeiten abzutragen, damit künftige Generationen zu entlasten und die dadurch frei werdenden Ressourcen im Sinne der nachhaltigen Entwicklung, beispielsweise, um Klimaschutzziele zu erreichen, einzusetzen."

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