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Der Honorarkonsul von Luxemburg in Trier, Jan Glockauer, spricht sich gegen erneute Grenzschließungen zu Luxemburg aus. Nationale Grenzen spielten bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie ohnehin keine Rolle, sagte Glockauer im SWR-Interview.

SWR Aktuell: Bürgermeister an der deutsch-luxemburgischen Grenze warnen im SWR davor, die Grenze zu Luxemburg erneut zu schließen. Sie befürchten negative Folgen für das tägliche Leben in der Großregion. Teilen Sie diese Befürchtung?

Jan Glockauer: Diese Befürchtung teile ich umfassend. Wir haben bei der ersten Grenzschließung im Frühjahr gesehen, welche massiven Folgen das für unser Miteinander in der Großregion hat. Meiner Meinung nach müssen wir alles dafür tun, damit das nicht noch einmal passiert. Wir dürfen nicht naiv sein. Wir haben ein Coronavirus, mit dem wir alle leben müssen - aber unabhängig von nationalen Grenzen. Wir haben ein gemeinsames Ziel: Die Infektionszahlen müssen reduziert werden. Die große Kunst besteht jetzt darin, Maßnahmen zu ergreifen, die genau auf dieses Ziel einzahlen. Ich habe noch nicht gesehen, dass die Grenzschließung darauf einen Effekt hat. Das ist für mich das entscheidende Argument. Bevor wir uns eine solch massive Beschränkung aufbürden, muss gesichert sein, dass das auch den Effekt hat, den wir uns davon versprechen. Sonst darf das nicht sein.

Dr. Jan Glockauer ist Honorarkonsul von Luxemburg in Trier (Foto: Quelle: IHK Trier/Helmut Thewalt)
Dr. Jan Glockauer ist Honorarkonsul von Luxemburg in Trier Quelle: IHK Trier/Helmut Thewalt

SWR Aktuell: Sind Grenzschließungen - auch zu Luxemburg - überhaupt vermeidbar, um zu verhindern, dass sich die deutlich aggressiveren Coronavirus-Varianten in Deutschland ausbreiten - wie an der Grenze zu Österreich und Tschechien?

Glockauer: Ich kann nichts zur Situation an der Grenze zu Österreich und Tschechien sagen. Aber nicht jede Grenze und jede Region kann gleichbehandelt werden. Das ist etwas, was wir Richtung Berlin transportieren müssen: Seid vorsichtig und schert nicht alles über einen Kamm. Von Berlin aus betrachtet sieht Luxemburg und unsere Großregion relativ klein aus. Dort macht man sich vielleicht gar nicht die Gedanken, was solche Entscheidungen vor Ort für Folgen auslösen können. Wir sprechen eben hier nicht über nationale Grenzen, sondern wir sprechen über unseren gemeinsamen Lebensraum. Wir haben hier ein grenzüberschreitendes Miteinander - genauso, als ob sie von einem Landkreis in Deutschland in den nächsten Landkreis fahren, nur, dass hier eben eine nationale Grenze dazwischen liegt.

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SWR Aktuell: Muss es eine bessere grenzüberschreitende Absprache geben?

Glockauer: Diese Absprachen finden ja bereits statt, könnten aber noch weiter intensiviert werden. Wenn wir das dokumentieren und nach außen zeigen, dass hier gemeinsam in die gleiche Richtung gedacht wird, wird sich auch die Wahrscheinlichkeit, einen solchen massiven Eingriff zu beschließen, deutlich reduzieren. Wir sind das gewohnt in der Grenzregion: Man kennt sich, wir tauschen uns aus und wir sprechen miteinander. Insofern ist der Ansatz, dass wir die grenzüberüberschreitende Abstimmung noch intensivieren, richtig. Dass wir dokumentieren, dass auf beiden Seiten der Grenze Ähnliches getan wird, um die Infektionszahlen zu senken. Wenn wir das tun, hat eine nationale Grenze epidemiologisch keine Bedeutung.

SWR Aktuell: Deutschland hatte Mitte März 2020 wegen der Corona-Pandemie einseitig Grenzkontrollen vorübergehend wieder eingeführt und Übergänge nach Luxemburg gesperrt. Inwieweit hat das die Beziehungen zwischen Deutschland und Luxemburg belastet?

Glockauer: Es gibt hier bei uns über Jahrzehnte gewachsene Beziehungen - nicht nur Geschäftsbeziehungen, sondern auch persönliche Beziehungen. Diese Beziehungen wurden quasi über Nacht auf eine harte Probe gestellt, weil das nicht mehr gelebt werden konnte. Ich habe auch noch nie so viele frustrierte und teilweise hasserfüllte E-Mails und Briefe lesen müssen. Das war schon hart. Insbesondere, weil die Luxemburgerinnen und Luxemburger nicht mehr das Land verlassen konnten. Es wurden viele Gefühle verletzt. Verlorenes Vertrauen musste wieder zurückgewonnen werden. Das sollten wir auf keinen Fall nochmal tun und alle anderen Möglichkeiten ausschöpfen, um genau das zu vermeiden.

Das Interview führte SWR-Redakteur Martin Schmitt.

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