Holsthum: Das Hochwasser hat Masten, Drähte und Hopfenpflanzen vollständig zerstört (Foto: SWR)

Hopfenbauer aus der Eifel berichtet

Warum die Höhe der Fluthilfe für manche nicht ausreicht

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Ab sofort können hochwassergeschädigte Winzer und Landwirte Fluthilfe beantragen. Die Grundlage der Berechnung ist jedoch für Betroffene wie Hopfenbauer Andreas Dick aus Holsthum zum Teil ein Problem.

"Wo ich jetzt stehe, hätten wir komplett unter Wasser gestanden", sagt Andreas Dick im Gespräch mit Zur Sache Rheinland-Pfalz. Bis zu vier Meter hoch habe die Prüm seine Felder in Holsthum (Eifelkreis Bitburg-Prüm) überschwemmt. Die Strömung sei unvorstellbar stark gewesen. "Wenn man dann heute den kleinen Fluss sieht, dann kann man sich das eigentlich gar nicht mehr vorstellen."

Hopfenbauer Andreas Dick vor einem zerstörten Hopfengarten (Foto: SWR)
Hopfenbauer Andreas Dick vor einem zerstörten Hopfengarten

1,5 Millionen Euro Schaden

22 Hektar groß ist sein Hopfengarten. Fast alles wurde vollständig vernichtet. Teilweise stehen zwar noch Hopfenmasten in den Feldern. Nach der Aussage eines Gutachters müssten die jedoch ebenfalls abgerissen werden. "Jeder Mast ist betroffen, ist angerissen, die Drähte sind angerissen. Das wird noch sehr viel Arbeit."

Er beziffert den Gesamtschaden auf 1,5 Millionen Euro. Pro Hektar rechne er mit Kosten von 38.000 Euro für neue Gerüste und Drahtanlagen für den Hopfen. Dazu kämen zum Teil die Abrisskosten, sowie die zerstörten Pflanzen. Noch dazu sei bei neuen Pflanzen erst nach drei Jahren wieder eine Ernte möglich.

Andreas Dick fährt mit seinem Erntewagen den Hopfen ein (September 2020) (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Harald Tittel)
Ein Bild aus anderen Zeiten: Die Ernte von Andreas Dick im September 2020 picture alliance/dpa | Harald Tittel

Problem: Zeitwert und Neuwert

Andreas Dick, der einzige Hopfenbauer in Rheinland-Pfalz, will wieder aufbauen und weitermachen. Seit dieser Woche kann er den Antrag auf Fluthilfe stellen. Diese berechnet sich nach dem Zeitwert der Geräte und Gebäude, nicht nach dem Neuwert. Vom Zeitwert werden wiederum 80 Prozent gezahlt. "Und das ist für uns jetzt das große Problem", sagt der Landwirt.

Denn seine Anlagen waren über 20 Jahre alt und hätten einen entsprechend niedrigeren Zeitwert. "Die wären ja noch gut, würden 30, 40 Jahre mindestens halten." Auf dem Gebrauchtmarkt gebe es solche Anlagen nicht: "Das ist alles ein Riesenproblem." Nun müsse man zu hohen Preisen neu kaufen. Er rechne damit, auf 50 Prozent der Kosten sitzen zu bleiben. Die Fluthilfe helfe zwar. "Aber ich hoffe, dass die Politik diese Problematik noch sieht und nachbessert." Auch der Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau fordert mehr Unterstützung für die Betroffenen.

Landwirtschaftsministerin: Anträge werden genau gelesen

Landwirtschaftsministerin Daniela Schmitt (FDP) sagte auf SWR-Anfrage, dass sie das Thema bereits an das Bundeslandwirtschaftsministerium und das Bundeswirtschaftsministerium adressiert habe. "Man sagte uns, dass man Lösungen finden wird. Das werden wir sehr genau beobachten", so die Ministerin. "Ich selbst sehe da auch noch gegebenenfalls einen Nachjustierungsbedarf." Man werde sich nun die Anträge und die Alltagssituation der betroffenen Landwirte und der Winzer ansehen. Es handele sich jedoch um beihilferechtliche Vorschriften, die über die EU auch entsprechend genehmigt werden müssten.

Auszahlung binnen weniger Wochen

Mit einem entsprechenden Gutachten über die Schäden soll die Auszahlung nach Angaben der Ministerin wenige Wochen dauern. Hopfenbauer Andreas Dick sagt, seit der Flut habe er schlaflose Nächte. Er habe jedoch im Alltag viel Unterstützung und sehe optimistisch in die Zukunft. "Und ich hoffe, dass wir da jetzt nicht alleine gelassen werden."

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