In der Historischen Wassermühle Birgel stand das Wasser teilweise bis unter die Decke. Es hat viel Zerstörung in Millionenhöhe hinterlassen. (Foto: SWR, Anna-Carina Blessmann)

Kyllhochwasser in der Eifel

Millionenschaden an Historischer Wassermühle Birgel

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Gleich von zwei Seiten wurde die historische Mühle in Birgel von der Hochwasserkatastrophe getroffen. Chefmüller Erwin Spohr schätzt das Ausmaß der Zerstörung auf zweieinhalb bis drei Millionen Euro. Aber er will jetzt für sein Lebenswerk kämpfen.

Jetzt fließt der Mühlenbach, ein Abzweig der Kyll, mit dem normalerweise die Mühle aus dem 13. Jahrhundert angetrieben wird, als sei nichts gewesen. Als der der kleine, ruhige Bach vor zwei Wochen anschwoll und in das historische Gebäude hineinfloss, richtete er aber große Zerstörungen an.

Auch die Kyll selbst bahnte sich - für Chefmüller Erwin Spohr völlig überraschend - ihren Weg über die Straße auf das Gelände. In der Getreidemühle, die zu großen Teilen aus Holz besteht, stand das Wasser 1,20 Meter hoch.

"Das Wasser kam genau von dort, wo ich es nicht vermutet hätte. Wir haben es alle von hinten erwartet, aber gekommen ist es von vorne."

Spohr hätte nicht gedacht, dass das Herzstück seiner insgesamt 14 Gebäude so schwer vom Hochwasser getroffen werden könnte. Am Abend hatten er, seine Familie und das Personal noch versucht, die Mühle zu schützen.

Karte Birgel (Foto: SWR, SWR -)
Birgel liegt an der Kyll in der Nähe von Gerolstein. SWR -

Bevor sich aber jemand verletzen oder noch Schlimmeres passieren konnte, habe man sich zurückgezogen. Im Keller hat das Wasser die Küchengeräte und die Möbel des Restaurants losgerissen. Das Wasser stand hier fast bis zur Decke.

26 Jahre Leidenschaft

Als Spohr vor 26 Jahren die Mühle in Birgel in der Vulkaneifel kaufte, wollte er eigentlich nur das Grundstück für seinen Heizungs- und Sanitärbetrieb haben.

Das Gebäude mit Getreide- und Sägemühle sollte verkauft werden. Aber dann verliebte er sich in die Mühle und sie wurde sein Lebenswerk, wie Spohr sagt. Weitere historische Gebäude, die woanders ab- und hier wieder aufgebaut wurden, kamen dazu.

Hochzeiten und andere Veranstaltungen müssen abgesagt werden

Mittlerweile gibt es hier eine Senf- und eine Ölmühle. Außerdem Hotelzimmer und einen Festsaal. Dort fanden vor Corona 70 bis 80 Hochzeiten im Jahr statt, sagt Spohr.

„Es war ein harter Schritt, allen Brautpaaren jetzt absagen zu müssen. Die hatten sich gefreut, nach den Corona-Einschränkungen hier heiraten zu können. Auch ein herber persönlicher Verlust.“

In der Historischen Wassermühle Birgel stand das Wasser teilweise so hoch, dass die Küchengeräte unter der Decke schwammen. (Foto: Erwin Spohr)
In der Historischen Wassermühle Birgel stand das Wasser teilweise so hoch, dass die Küchengeräte unter der Decke schwammen. Erwin Spohr Bild in Detailansicht öffnen
Das Wasser des Mühlenbachs und der Kyll hat viel Zerstörung in Millionenhöhe hinterlassen. Erwin Spohr Bild in Detailansicht öffnen
Erwin Spohr hatte viele Helferinnen und Helfer, um nach dem verheerenden Hochwasser aufzuräumen. Erwin Spohr Bild in Detailansicht öffnen
Gemeinsam haben sie rausgeschafft, was nicht mehr zu gebrauchen ist. Anna-Carina Blessmann Bild in Detailansicht öffnen

Kein Zweifel am Wiederaufbau

Das alles hat das schwere Hochwasser vorerst beendet. Wo Wasser in das Holz eingedrungen ist und schimmeln könnte, dürfen keine Lebensmittel hergestellt werden. Zuvor hatte Spohr im eigenen Backes Brot aus dem selbst gemahlenen Mehl gebacken.

Jetzt will er die Gebäude nicht nach und nach eröffnen, weil alles zusammenhänge. Deshalb rechnet er damit, dass es bis zur Wiedereröffnung 12 bis 18 Monate dauern wird. Dass die Mühle wieder hergerichtet wird, daran bestand für ihn aber kein Zweifel.

Jetzt ist die Frage, ob und was die Versicherung zahlt, sagt Spohr: "Ich habe persönlich das Gefühl, dass ich bei meiner Versicherung sehr gut abgesichert bin. Aber es ist ganz schwierig, bei solchen historischen Werken eine Aussage zu treffen."

Große Hilfsbereitschaft

Fest steht für ihn, dass er keinen Kredit aufnehmen will. Er habe eine Soforthilfe beantragt, die sei aber nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Daneben hofft Spohr auch auf die Hilfsbereitschaft seiner Gäste.

Davon war er schon direkt nach der Katastrophe überwältigt. Alle 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und über 100 Freiwillige unter den Stammgästen oder aus dem Dorf hätten sich zum Helfen gemeldet.

„Wir haben eine wahnsinnige Hilfsaktion erlebt, das war einzigartig.“

Es sei irgendwann so viel geworden, dass den Menschen abgesagt werden musste, bevor es zu großes Chaos gegeben hätte. Erwin von der Mühle, wie ihn hier alle kennen, wünscht sich nun auch Spenden.

Und viele Gäste würden auch auf die bereits gekauften Gutscheine verzichten, sodass deren Summen für den Wiederaufbau der Mühle zur Verfügung stehen.

Sodass Erwin Spohr sein Lebenswerk wieder aufbauen kann. Denn unterkriegen lässt er sich von niemandem.

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