Das Weiherschlösschen in Idar-Oberstein ist zur Schaltzentrale der Flüchtlingsinitiative "Projektina Ukraina" geworden.  (Foto: SWR)

Ehrenamt im Landkreis Birkenfeld

Flüchtlinge aus der Ukraine: Initiative im Hunsrück hilft Behörde

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Maximilian Storr

Seit März flüchten Menschen aus der Ukraine nach Rheinland-Pfalz. Für Kommunen ist das ein Kraftakt. Im Landkreis Birkenfeld wird deutlich: Es geht nur mit ehrenamtlicher Hilfe.

Der Kellerraum des Hotel Weiherschlösschen in Idar-Oberstein ist mit Plakaten gepflastert. Egal ob "Fenster", "Türgriff" oder "Stuhl" – dort sind alle Gegenstände beschriftet. Rosemarie Kleinhans-Stumm steht vor einer provisorisch aufgestellten Tafel – sieben Frauen und ein Mann aus der Ukraine sitzen ihr gegenüber. Durch kleine Rollenspiele und die Plakate sollen sie ein Gefühl für die deutsche Sprache entwickeln.

"Der Erstkontakt mit Sprache muss anschaulich und spielerisch sein.“

Für die Geflüchteten im Raum sind diese Kurse die einzige Möglichkeit, beim Lernen durch eine Pädagogin unterstützt zu werden.

Rosemarie Kleinhans-Stumm unterrichtet in Idar-Oberstein ehrenamtlich Geflüchtete.  (Foto: SWR)
Rosemarie Kleinhans-Stumm unterrichtet in Idar-Oberstein ehrenamtlich Geflüchtete.

Die Deutschkurse sind privat organisiert. In den offiziellen Sprachkursen des Kreises sind die Kapazitäten nämlich begrenzt. Auch deshalb engagiert sich Kleinhans-Stumm als pensionierte Lehrerin ehrenamtlich für die Ukraine-Flüchtlinge – wie eigentlich alle im Idar-Obersteiner Weiherschlösschen.

Private Flüchtlingsinitiative hilft Behörden aus

Das Hotel ist in den vergangenen Wochen zur Schaltzentrale der privaten Flüchtlingsinitiative "Projektina Ukraina" geworden. Dort diskutieren und planen die Mitglieder, wie sie den Geflüchteten am besten helfen können. Wie wertvoll ihre Arbeit ist, unterstreicht der erste Beigeordnete des Landkreises Birkenfeld, der derzeit den Landrat vertritt.

"Was hier alles geschehen ist, hätten wir als Behörde überhaupt nicht leisten können."  

Das Engagement von Projektina Ukraina sei gar nicht hoch genug einzuschätzen, lobt Zimmer. Und er meint damit nicht nur die Deutschkurse, die Projektina Ukraina für Geflüchtete anbietet. Die Initiative hilft aus, wenn der Landkreis an seine Grenzen gerät. Und die sind in so einer Ausnahmesituation schnell erreicht.

Projektina Ukraina hilft Flüchtlingen finanziell aus

In den ersten Wochen nach Kriegsbeginn hakt es in der Verwaltung nämlich bei der Auszahlung der Grundleistungen, die viele Geflüchtete im Landkreis Birkenfeld beantragt haben. Personal muss umgeschichtet werden, damit alle Anträge bearbeitet werden können. Es dauert einige Wochen, bis Geld bei den Flüchtlingen ankommt.

In dieser Zeit unterstützt Projektina Ukraina viele Geflüchtete auch finanziell und tritt für sie in Vorleistung. Das erzählt Joachim Billert, Sprecher der Initiative. Ziel sei es aber, vor allem dort zu helfen, wo die Angebote der Kommune enden.

Die Flüchtlingsinitiative "Projektina Ukraina" arbeitet eng mit dem Landkreis Birkenfeld zusammen. Sie hilft, wenn die Kommune an ihre Grenzen gerät. (Foto: SWR)
Die Flüchtlingsinitiative "Projektina Ukraina" arbeitet eng mit dem Landkreis Birkenfeld zusammen. Sie hilft, wenn die Kommune an ihre Grenzen gerät.

"Für uns war direkt klar, dass wir die Menschen nicht sich selbst überlassen, sondern in allen Bereichen unterstützen wollen."

Praktikantin fährt mit Kindern zur Schule

Die Initiative kauft Lebensmittel, verteilt Schulranzen und begleitet Geflüchtete bei Behördengängen. "Die Betreuung kostet viel Zeit und Kraft, wenn man es richtig machen will", sagt Christian Grimm, Inhaber des Weiherschlösschens und Mitglied der Initiative.

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Ein Beispiel: Grimm setzt eine Praktikantin ein, die ukrainischen Kinder im Bus zur Schule begleitet. So sollen sie den Schulweg kennenlernen. Gleichzeitig stellt er das frisch sanierte Hotel für die Flüchtlingsfamilien, aber auch als Lagezentrum und Klassenraum der Initiative zur Verfügung.

Und so ist das Weiherschlösschen in Idar-Oberstein nicht nur Schaltzentrale von Projektina Urkraina, sondern auch ein Ort der Begegnung für Geflüchtete und ihre Helfer. Und das soll auch so lange bleiben, bis die Geflüchteten wieder in ihre Heimat zurückkehren können.

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