Hanf in einer Schüssel (Foto: SWR)

Nutzhanf aus Hunsrück und Eifel nutzlos

Darum ist die Hanfkampagne gescheitert

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Die Euphorie bei Landwirtin Anke Gerhardt aus Stipshausen im Hunsrück war groß, als sie 2019 ihre erste Nutzhanfsaat erntete. Doch die Ernüchterung folgte schnell. Der geerntete Nutzhanf war nicht brauchbar.

Anke Gerhardt ist Landwirtin in Stipshausen (Kreis Birkenfeld) im Hunsrück. Im Jahr 2019 hatte sie sich dazu entschieden, auf einem etwa einen Hektar großen Feld Nutzhanf anzupflanzen. "Als Betrieb in der Bioumstellung haben wir eine Pflanze gesucht, die gut mit dem Hunsrücker Klima zurechtkommt. Im Anbau ist der Hanf ja auch relativ einfach. Er braucht keine großartigen Pflanzenschutzmittel und wenig Wasser", sagt sie.

Auf die Idee kam die Hunsrücker Landwirtin durch die Hanfkampagne, einer Genossenschaft, in der sich unter anderem Landwirte aus der Region zusammengeschlossen hatten. Der Plan: Die Genossenschaft liefert den Samen und vermarktet die Ernte. Die Landwirte pflanzen, ernten und werden am Gewinn beteiligt.

Anke Gerhardt stellte jedoch schnell fest, dass der Hanf zwar einfach im Anbau war, aber kompliziert in der Ernte sowie der Vermarktung. "Wir mussten erst mal jemanden finden, der uns den Hanf abgedroschen hat. Das war schon der erste Knackpunkt." Viele Mähdrescherfahrer hätten Angst gehabt, sich die Maschine zu verstopfen. Sie seien sich unsicher gewesen, weil sie noch nie Hanf geerntet hätten.

Anke Gerhardt vor ihrem Hofladen (Foto: SWR)
Anke Gerhardt aus Stipshausen (Kreis Birkenfeld) im Hunsrück hat sich am Hanfanbau versucht.

Ein weiteres Problem sei es gewesen, den Hanf weiter zu verarbeiten und zu verkaufen. Das habe nicht funktioniert, weil der sogenannte THC-Wert zu hoch gewesen sei, sagt Gerhardt. "In Deutschland gibt es eine Grenze für den THC-Gehalt. Das ist ja dieser berauschende Stoff. Wenn diese Grenze überschritten ist, dann darf der Hanf nicht mehr für den menschlichen Gebrauch verwendet werden."

Strenge THC-Grenzwerte sind ein Problem

Der Eifeler Biolandwirt Dolf van Wesemael sieht genau darin den Hauptgrund für das Scheitern der gesamten Hanfkampagne. Er war der letzte Vorsitzende der Kampagne, bevor sie sich auflöste. Er selbst hatte drei Jahre in Folge mehrere Hektar Hanf angepflanzt, war von Anfang an mit dabei.

Dolf van Wesemael, Landwirt aus Altrich, vor seinen Anlagen (Foto: SWR)
Der Niederländer Dolf van Wesemael kam im Jahr 2015 nach Altrich (Kreis Bernkastel-Wittlich) in die Eifel, um Biolandwirtschaft zu betreiben.

Im ersten Jahr habe es aber gleich Probleme gegeben, erinnert er sich. Anfang 2019 hätten hunderte Liter Öl, die aus der Ernte 2018 gepresst worden seien, wieder aus dem Handel genommen werden müssen. Der THC-Grenzwert sei überschritten worden. "Wir mussten das Öl vernichten lassen. Das hat viel gekostet. Wir sind also gleich mit einem Minus gestartet."

In den darauffolgenden Jahren lief es nicht besser. Die Ernte 2019 hätte wegen des hohen THC-Gehaltes nicht verarbeitet werden können. 2020 sei die Ernte vertrocknet.

"Wir haben keine Produkte machen können. Deshalb haben wir kein Geld verdient. Und wenn man Kosten hat, aber kein Einkommen hat, dann hört es schnell auf."

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Anke Gerhardt sieht trotz ihres Fehlversuchs eine Chance im Hanfanbau. "Jetzt im Moment ist das Thema erst mal durch. Wir haben dazu zur Zeit keine Lust und Muße. Ich denke aber, der Hanf war ja auch früher schon eine Pflanze, die im Hunsrück angebaut wurde. Ich denke deswegen nicht, dass das, das Ende vom Hanf ist."

Dolf van Wesemael glaubt ebenfalls an die Zukunft vom Nutzhanf. Dazu müssten die THC-Grenzwerte jedoch etwas aufgelockert werden, damit diese realistisch und nachvollziehbar seien, sagt der Niederländer.

Bad Wimpfen

Bad Wimpfen Hanföl-Produzenten kritisieren Lidl-Verkaufsstopp

Nach dem Verkaufsstopp verschiedener hanfhaltiger Produkte bei Lidl kritisieren Hanföl-Produzenten die Entscheidung. Lidl hatte mehrere Produkte aus dem Sortiment genommen, weil der Wirkstoffgehalt zu hoch sei. Lidl begründet es damit, dass der Verzehr unerwünschte gesundheitliche Folgen mit sich bringen könnte. Die Empfinger Ölmühle Brändle (Kreis Freudenstadt) und auch der Verband der Industriehanf-Produzenten können das nicht nachvollziehen, wundern sich über den Verkaufsstopp. Das Öl liege deutlich unter dem europäischen Grenzwert, der noch in diesem Jahr eingeführt werden soll. Um mindestens eine milde Wirkung zu spüren, müsste man mehr als eineinhalb Liter Hanföl trinken. Brändle will das eigene Öl jetzt vorsichtshalber mit einem Verzehrhinweis versehen.  mehr...

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