Die Grundsteuer wird neu berechnet: Auf Hausbesitzer in der Region Trier kommt im Sommer einiges an Arbeit zu (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

Erklärung auch ohne Internet möglich

Reform der Grundsteuer: Finanzamt Trier akzeptiert notfalls auch Papier-Formulare

STAND
AUTOR/IN
Martin Schmitt
Foto von Martin Schmitt, Redakteur bei SWR Aktuell im Studio Trier (Foto: SWR)

Die Grundsteuer in Deutschland wird neu berechnet. Grundstücks- und Immobilienbesitzer müssen dem Finanzamt bis Ende Oktober eine Reihe von Informationen liefern. Grundsätzlich sollen die Daten elektronisch übermittelt werden - in Trier gibt es aber Ausnahmen.

Das Finanzamt Trier steht vor einer Mammut-Aufgabe: 151.000 Grundstücke, Einfamilienhäuser oder Eigentumswohnungen, aber auch land- und forstwirtschaftliche Betriebe in der Stadt Trier und im Landkreis Trier-Saarburg müssen neu bewertet werden. Das Bundesverfassungsgericht hat die bisherige Grundsteuer-Berechnung für verfassungswidrig erklärt.

Seit 1. Juli 2022 müssen alle Eigentümer die Daten zu ihrem Grundbesitz an das Finanzamt übermitteln. Abgefragt werden unter anderem Angaben zur Lage des Grundstücks, Grundstücksfläche, Bodenrichtwert, Wohnfläche und das Baujahr. Die Informationen sollen digital über das ELSTER-Portal eingetragen werden. Die Abgabefrist endet am 31. Oktober.

Rheinland-Pfalz

Mega-Reform fordert Bürger und Finanzämter Was Hausbesitzer jetzt über die neue Grundsteuer wissen müssen

Auf Hausbesitzer kommt im Sommer einiges an Arbeit zu. Die Grundsteuer wird neu berechnet und deshalb müssen Betroffene extra eine Erklärung für das Finanzamt abgeben.  mehr...

Grundsteuer-Formulare: Zur Not geht es auch auf dem Papier

"Die elektronische Übermittlung ist eigentlich vorgeschrieben", so der Leiter des Finanzamtes Trier, Michael Spira. "Wenn jemand gar keinen Internetzugang hat und ihm die Anschaffung nicht zuzumuten ist, kann er die Erklärung auch auf Papier ausfüllen." Papiervordrucke gibt es im Service-Center im Finanzamt Trier.

Bei den Papiervordrucken werde man Härtefälle nicht allzu kritisch hinterfragen, so Spira.

"Wenn hier ein 80-Jähriger vor unserem Service-Schalter steht und plausibel erläutern kann, dass er keinen Internetzugang hat, werden wir das nicht großartig hinterfragen und geben ihm die Vordrucke."

Michael Spira ist seit November 2017 Amtsleiter des Finanzamtes Trier (Foto: SWR)
Michael Spira ist seit November 2017 Amtsleiter des Finanzamtes Trier. Zuvor war er als Gruppenleiter der Steuerfachgruppe im Landesamt für Steuern in Koblenz tätig.

Enkel oder Verwandte sollen bei Grundsteuer-Erklärung helfen

"Ideal wäre es, wenn ältere Menschen einen Enkel oder Neffen haben, die sich bei ELSTER registrieren und die Erklärung elektronisch abgeben", so Spira. "Das ist kein großes Hexenwerk." Freunde oder Nachbarn fragen, ist übrigens nicht erlaubt. Das Gesetz sagt: Nur nahe Angehörige dürfen bei Steuerangelegenheiten helfen. Freunde oder Bekannte gehören leider nicht dazu. Auch Lohnsteuerhilfevereine seien nicht befugt, solche Feststellungserklärungen zu erstellen.

Einen Steuerberater in der Region Trier zu finden, der die Grundsteuer-Erklärung ausfüllt, sei derzeit schwierig. "Die Steuerberater sind an der Kapazitätsgrenze", mutmaßt der Finanzamts-Chef. Sie hätten viele Zusatzaufgaben während der Corona-Pandemie bekommen.

"Gehen Sie mal zum Steuerberater und fragen Sie, ob er dafür überhaupt Zeit hat."

Spira geht davon aus, dass etwa 30 Prozent der Eigentümer ihre Grundsteuer-Daten noch klassisch auf dem Papier ausfüllen. "Mehr sollten es nicht werden. Wenn alle 151.000 Fälle in Papierform eingehen, dann bekommen wir im Amt ein Problem, allein das Papier zu lagern."

Kommunen steuern mit Hebesatz die Höhe der Grundsteuer

Stellt sich noch die Frage, ob es durch die Grundsteuerreform teurer oder billiger für die Eigentümer wird? "Wie sich das in Euro und Cent auswirkt, kann ich noch nicht sagen", so der Trierer Finanzamts-Leiter.

Zuständig seien ohnehin die Kommunen. Bis Mitte 2024 sollen alle 151.000 wirtschaftlichen Einheiten im Raum Trier vom Finanzamt neu bewertet sein. Anschließend werden die Kommunen schauen, welche Hebesätze sie anwenden - also die jeweilige Höhe der Steuer.

"Die Kommunen sollen durch die Grundsteuerreform nicht weniger in der Kasse haben."

In einzelnen Regionen könnte es aber durchaus höhere Hebesätze geben, prognostiziert Spira. "Vor allem in Regionen, wo die Bodenrichtwerte in den vergangenen Jahren stark angestiegen sind, kann es zu Verschiebungen kommen."

Wichtig für Mieter und Eigentümer Alle Infos zur neuen Grundsteuer 2022

Die Grundsteuer wird neu berechnet. Wir klären, welche Daten Besitzer von Immobilien in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und dem Saarland übermitteln müssen und welche Regeln gelten.  mehr...

Marktcheck SWR Fernsehen

SWR-Wirtschaftsredakteurin Petra Thiele Was Sie bei der neuen Grundsteuer beachten müssen

Seit 1. Juli 2022 müssen alle Hausbesitzer die Daten zu ihrem Grundbesitz neu an das Finanzamt übermitteln. SWR-Wirtschaftsredakteurin erklärt, was Sie beachten müssen.  mehr...

Heilbronn

Sparkassen-Immobilienchef sieht Bauherren vor schwierigen Zeiten Gestiegene Zinsen bei Baukrediten: "Bei vielen ist die Enttäuschung groß"

Die Immobilienberater der Kreissparkasse Heilbronn haben aktuell keinen leichten Job. Sie müssen öfter „Nein“ sagen, weil Finanzierungen durch die gestiegenen Zinsen platzen.  mehr...