Vor allem über ländlichen Regionen lassen Flugzeuge immer wieder Kerosin ab.  (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)

Beschluss im Kreistag

Vulkaneifel kämpft beim Land für Kerosin-Messstelle

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Christian Altmayer
Foto von Christian Altmayer, Redakteur bei SWR Aktuell im Studio Trier (Foto: SWR)

Flugzeuge haben im Sommer tonnenweise Treibstoff über der Vulkaneifel abgelassen. Der Kreistag hat nun einstimmig beschlossen, dass Landrätin Gieseking sich beim Land für eine Kerosin-Messstelle stark machen soll.

Die Grünen hatten eine solche Messstelle gefordert, weil es über der Eifel immer wieder zu Kerosinablässen kommt. Allein in diesem Jahr haben Flugzeuge laut Luftfahrtbundesamt schon dreimal Treibstoff über der Region versprüht.

Militär-Jet kreiste über Gefell

So auch am 11. Juni. An diesem Tag flog ein Flugzeug ungewöhnlich tief über dem kleinen Dorf Gefell in der Vulkaneifel. "Das war so ein amerikanisches Ding", erinnert sich Ortsbürgermeister Alfred Gundert (FDP): "Als der die dritte Runde gedreht hat, bin ich stutzig geworden."

Also packte Gundert das Fernglas aus und schaute sich den Militär-Jet genauer an. Da bemerkte er die feine Spur aus Nebel, die der Flieger hinter sich herzog: "Dann ist er wieder abgedreht."

22 Tonnen Kerosin über der Eifel abgelassen

Erst später stellte sich heraus, dass eine Maschine der US-Airforce Kerosin abgelassen hatte, während sie über Mendig, Daun, Hillesheim und Bitburg kreiste. 22 Tonnen sollen es insgesamt gewesen sein.

Der Grund war - wie so oft - ein technisches Problem an Bord. Nach Angaben der Deutschen Flugsicherung musste das Flugzeug vor der Notlandung auf dem US-Militärstützpunkt Spangdahlem Treibstoff über der Eifel ablassen, um das zulässige Landegewicht zu erreichen.

Keine Messstelle im Norden des Landes

Der Zwischenfall in Gefell war auch für Dietmar Johnen, Fraktionschef der Grünen im Kreistag, Anlass genug, sich wieder mit den Kerosinablässen zu befassen. Denn bislang gibt es entsprechende Messstationen, die Kohlenwasserstoffe und Benzol erfassen, nur im Hunsrück und der Pfalz.

Weitere Messstationen wurden vom Landesumweltministerium allerdings immer mit der Begründung abgelehnt, dass sie "keinen zusätzlichen Erkenntnisgewinn" brächten. Schließlich verteile sich das Kerosin bei einem Ablass weiträumig.

Die Messstation in Leisel im Hunsrück ist eine von zweien in der Region Trier.  (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Julian Stratenschulte)
Die Messstation in Leisel im Hunsrück ist eine von zweien in der Region Trier. picture alliance/dpa | Julian Stratenschulte

Die Eifel war in diesem Jahr besonders von Treibstoffablässen, sogenannten Fuel Dumpings, betroffen. Allein im Sommer listete das Luftfahrtbundesamt drei Treibstoffablässe über der Region auf. Insgesamt wurden mehr als 100 Tonnen versprüht. "Und ich kann mir kaum vorstellen, dass das keine Auswirkungen hat", sagt Johnen.

Grüne befürchten Schäden für Umwelt und Menschen

Dietmar Johnen, im Hauptberuf Bio-Landwirt, befürchtet konkret, dass sich das Kerosin im Gemüse anreichern könnte. So kämen auch Menschen später über die Nahrung mit den Schadstoffen in Kontakt. "Nehmen wir Salat, der im Garten wächst und Kerosin abbekommt", sagt Johnen: "Wenn man über Jahre hinweg diesen Salat isst, dann könnten die Giftstoffe Krankheiten auslösen."

Keine Belege für Umweltschäden

Nachweise für diese Befürchtungen gibt es keine. Das Landesumweltamt kam 2019 in einem Gutachten zu dem Ergebnis, dass Kerosinablässe unbedenklich für Mensch und Umwelt seien. Das Flugbenzin, heißt es in dem Untersuchungsbericht, werde verwirbelt. Ein Großteil der Tröpfchen verdunste in der Luft. Am Boden komme nur wenig an.

Die Chefs der Forstämter in Prüm und Hillesheim haben nach eigenen Angaben auch noch nie Kerosinschäden in den Wäldern bemerkt. Biotopbetreuer Gerd Ostermann muss ebenfalls passen.

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