Reife Erdbeeren auf dem Feld (Foto: SWR, Lara Bousch)

Steigende Inflation bedroht die Landwirtschaft

Größter Erdbeerbauer in Region Trier bangt um seine Existenz

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Lara Bousch

Neue Umsatzsteuer, teurer Dünger, steigende Spritpreise - ein Familienbetrieb aus dem Kreis Bernkastel-Wittlich sorgt sich um seine Zukunft.

Für Familie Grieshop ist die finanzielle Unsicherheit in der Landwirtschaft nichts Ungewöhnliches. Auf 60 Hektar bauen sie Obst und Gemüse an. Auf zehn Hektar wachsen nur Erdbeeren. Damit sind sie extrem wichtig für den Umsatz des Betriebs.

Margret Grieshop vor ihrem Hofladen in Erden, Bernkastel-Wittlich. (Foto: SWR, Lara Bousch)
Margret Grieshop vor ihrem Hofladen in Erden, Bernkastel-Wittlich. Lara Bousch

Ein Familienbetrieb, verankert in der Region

An der Mosel ist der Betrieb bekannt. Die Obstbauern haben viele Kunden. Anfangs haben Grieshops zehn Jahre lang Gemüse im Nebenerwerb produziert, um die lokalen Supermärkte zu beliefern. Heute beliefert der Hof etwa 70 Hotels und Restaurants in der Region. Der größte Teil ihrer Produktion geht inzwischen an zwei Supermarktketten.

"Unser Steckenpferd ist, saisonale Produkte aus der Region für die Region zu vermarkten."

Betrieb leidet unter Ukraine-Krieg

Für die Erdbeere sei es dieses Jahr, abgesehen von der Trockenheit, eine gute Saison, sagt Margret Grieshop. Die Ernte ist in vollem Gange und die Beeren sind sehr beliebt. Das Wetter passt, vieles andere bereitet der Familie aber schlaflose Nächte. Der Ukrainekrieg, unterbrochene Lieferketten durch Corona - das alles hat die Preise in die Höhe getrieben. Und das merken auch die Landwirte.

Erdbeeranbau (Foto: SWR, Lara Bousch)
Es sei auch schwer immer genügend Saisonarbeiter zu finden, sagt Bäuerin Margret Grieshop. Lara Bousch

"Man bekommt kaum Düngemittel außerdem sind die Preise dafür fast um 100 Prozent gestiegen."

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Die Düngerpreise seien explodiert, sagt Margret Grieshop. Dazu kommen die hohen Dieselpreise. Diesel brauchen sie für ihre Traktoren und die für Bewässerungspumpen, denn es ist extrem trocken. Dann kämen noch die Kosten für die Verpackung, also die Schalen für die Erdbeeren, hinzu, die ebenfalls gestiegen seien. Und dann wären da noch die Personalkosten und damit die Erhöhung des Mindestlohns. Für ihren Betrieb, der mit circa 100 Saisonarbeitern pro Jahr arbeite, sei das ein enormer Kostenpunkt, so die Bäuerin.

Der Großhandel bestimmt den Preis

Die Kosten steigen. Die Erdbeerbauern aber könnten die gestiegenen Kosten nicht einfach auf den Erdbeerpreis draufschlagen. Zu groß sei die Konkurrenz.

"Wenn ich meine Erdbeeren anbiete für 3,50 Euro und Aldi bietet morgen die deutschen Erdbeeren für 1,50 Euro an, kriege ich meine Erdbeeren hier nicht verkauft. Das heißt, ich muss mit dem Preis runtergehen."

Eine schwierige Situation. Die Grieshops müssen also auf die Konditionen der Großhändler eingehen. Denn die Erdbeeren müssten am gleichen Tag verkauft werden, sagt die Landwirtin. Sie ließen sich nicht lagern. Wenn sie nicht verkauft würden, dann würden sie auf dem Kompost landen und der Betrieb hat nichts daran verdient.

Eine Saisonarbeiterin trägt eine Kiste Erdbeerpflanzen über ein Feld. (Foto: SWR, Lara Bousch)
Saisonarbeiter sind schwer zu bekommen. Diese Arbeiterin trägt eine Kiste Erdbeerpflanzen übers Feld. Lara Bousch Bild in Detailansicht öffnen
Auf drei Hektar wachsen hier Erdbeeren. Sie werden nacheinander gepflanzt, damit nicht alle gleichzeitig reif werden. Die Familie Grieshop besitzt im Ganzen rund zehn Hektar Erdbeerfelder. Das sind umgerechnet ungefähr 14 Fußballfelder. Lara Bousch Bild in Detailansicht öffnen
Während manche Erdbeeren bereits reif sind, werden hier neue Pflanzen gesetzt. So kann der Betrieb über einen längeren Zeitraum Erdbeeren verkaufen. Lara Bousch Bild in Detailansicht öffnen
Die Saisonarbeiter bekommen Mindestlohn. Dieser wird demnächst erhöht und stellt einen großen Kostenpunkt für den Betrieb dar. Lara Bousch Bild in Detailansicht öffnen

Angst um die Zukunft

Ob die Einnahmen am Ende reichen, um den Betrieb weiter zu führen, wird Familie Grieshop erst mit der Bilanz am Ende des Jahres sehen. Wenn sie bis dahin negative Zahlen schrieben, könnten sie die Arbeit sein lassen, so Margret Grieshop resigniert, denn die Bedingungen für Gemüseanbau würden ja nicht besser werden in Zukunft.

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