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In Trier kaufen nicht nur Trierer gern – auch die Luxemburger sind äußerst gern zum Shoppen hier. Normalerweise. Doch wegen der Corona-Pandemie dürfen sie derzeit nicht einfach so einreisen.

Die Grenzkontrollen ärgern die Luxemburger, sie fühlen sich diskriminiert. Und manche haben ihren Trierer Händlern auch schon signalisiert: wenn das so weitergeht, dann kommen wir nicht mehr. Zum Beispiel Stephan Becker. Sein Modegeschäft liegt mitten in der Trierer Innenstadt. In dem geschmackvoll eingerichteten Laden kaufen normalerweise auch Kunden aus Luxemburg ein. Viele Stammkunden sind darunter, erzählt Inhaber Becker. Zu Corona-Zeiten ist er mit ihnen über Telefon oder per mail in Kontakt. Viele von Ihnen sind inzwischen richtig wütend über die strengen Grenzkontrollen der Deutschen, erzählt Becker. Je länger die andauern, desto größer werde der Frust, auch bei seinen Kunden. 

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"Ich höre immer mehr, die sagen, so kann der Deutsche Staat nicht mit uns umgehen. Polizeikontrollen mit Maschinengewehr, drei oder vier andere Polizisten dabei. Dieser Umgang an der Grenze erinnert viele an eine Zeit, an die wir nicht mehr denken wollen."

Stephan Becker, Geschäftsinhaber aus Trier

Zwar versuche er, auch während der Corona-Pandemie seine guten Kundenbeziehung in Luxemburg zu pflegen, aber das werde immer schwieriger. Und dann erzählt er von einer Kundin, die wohl gar nicht mehr kommen wird. Ihr Mann habe ihr verboten, in Trier einzukaufen. Die Art und Weise der Kontrolle erinnere die Luxemburger an einen Militärstaat. Man wolle keine alten Narben aufreißen. Das sei ein Ausspruch, den er, Becker, gehört habe.

Eifel-Landrat schaltet sich ein in Diskussion um Grenzkontrollen

Es sind Erfahrungen, die auch den Landrat aus dem Eifelkreis Bitburg-Prüm beunruhigen. Joachim Streit hat deshalb an Innenminister Horst Seehofer appelliert, die Grenzen zu öffnen und die Kontrolle zu beenden. Er sorge sich um die guten Beziehungen zu Luxemburg, sagt Streit. 

"Die Luxemburger sind pikiert. Und das auch zu recht, weil man in Luxemburg extrem strenge Corona-Kontrollen hat, enorm viele Tests macht. Die Bevölkerung ist nicht durchseucht und da kommt man sich eben wie eine Aussätziger vor."

Joachim Streit, Landrat des Eifelkreises Bitburg-Prüm

Dem kann Stephan Becker nur zustimmen. Er sieht das über Jahre gewachsene positive Image Triers als Einkaufsstadt bedroht. Er habe Angst, dass da jetzt Sand im Getriebe sei und es wieder sehr, sehr lange dauern werde, um das Vertrauen wieder aufzubauen. Es müsste jetzt ganz, ganz schnell gehandelt werden - Kontrolle weg und Grenzen öffnen. Doch der Innenminister sieht das anders. Die Grenzkontrollen auch nach Luxemburg wurden jetzt noch einmal bis zum 15. Mai verlängert.

- es sei denn, sie haben ihren Wohnsitz in Deutschland.  

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