Rita Kahlen gärtnert mit beruhigtem Gewissen: Sie hat nach der Flut den Schlamm aus ihrem Garten von einem Labor untersuchen lassen. (Foto: SWR, Lara Bousch)

Gärtnern nach dem Hochwasser

Nach der Flut: Obst- und Gemüse Anbau in der Region Trier wieder möglich

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Lara Bousch

Auch viele private Gärten wurden im Juli überflutet. Hobbygärtner fürchten, dass ihre Böden verseucht sind. Die SGD Nord als obere Naturschutzbehörde gibt aber Entwarnung.

Rita Kahlens Garten in der Nähe der Sauer in Ralingen ist ihr privates Idyll auf 200 Quadratmetern. Dort hält sie ein Dutzend Hühner und experimentiert mit unterschiedlichen Sorten an Stauden und Gemüsepflanzen. Doch am 14 Juli steht der gesamte Garten knietief unter Wasser. Durch den Garten der Nachbarn fahren Leute mit einem kleinen Boot. Die Flutkatastrophe hat auch sie voll erwischt.

Der Garten steht komplett unter Wasser. Nur das Gewächshaus ragt heraus. (Foto: Rita Kahlen)
Als die Gärtnerin Rita Kahlen gesehen hat, wie tief ihr Garten unter Wasser stand, kamen ihr die Tränen. Rita Kahlen Bild in Detailansicht öffnen
So sieht der Garten von Rita Kahlen heute aus. Lara Bousch Bild in Detailansicht öffnen
Die Terrasse mit den heiß geliebten Tomaten von Rita Kahlen stand auch komplett unter Wasser. Die Schäden im Haus hielten sich in Grenzen. Rita Kahlen Bild in Detailansicht öffnen
Rita Kahlen zeigt, wie hoch das Wasser im Gewächshaus stand. Bild in Detailansicht öffnen
Die Hühner, die auch im Garten leben, haben die Flut überlebt. Sie haben auf ihrer obersten Stange im Schuppen ausgeharrt, bis das Wasser zurückging. Ihre Eier können bedenkenlos gegessen werden. Lara Bousch Bild in Detailansicht öffnen
Rita Kahlen hat ihren Gemüsegarten für die neue Saison schon fit gemacht. Hier wurden die Möhren ausgesät. Lara Bousch Bild in Detailansicht öffnen

"Als ich sah, wie der Garten unter Wasser stand, habe ich verzweifelt geguckt und geheult."

Große Sorgen wegen möglicher Schadstoffe im Boden

Die Hochwasser-Schäden an ihrem Haus in Ralingen waren überschaubar. Viel mehr bangt die leidenschaftliche Gärtnerin um ihren Garten, den sie in unzähligen Stunden mit ihren Händen geschaffen hat, sagt sie. Vor allem macht Rita Kahlen sich nach der Flut große Sorgen, dass sie kein Gemüse mehr anbauen kann, weil der Boden jetzt vielleicht mit Schadstoffen belastet ist. Zusammen mit einigen Nachbarn lässt sie den Schlamm von einem Labor untersuchen.

Erleichterung nach Bodenanalyse

Das Labor gibt Entwarnung - die Beete können wieder bestellt werden und die Gärtner können aufatmen. Rita Kahlen hat auch keine Bedenken, das Gemüse zu essen, das die Flut überstanden hat und das sie dann noch ernten konnte.

Auch Umweltschutzbehörde gibt Entwarnung

Nicht alle Hobbygärtner haben ihren Boden prüfen lassen und nicht alle haben Angst, dass er vielleicht kontaminiert sein könnte. Deshalb wollen viele mit dem Gemüseanbau dieses Jahr aussetzen oder auf Hochbeete ausweichen. Doch die obere Naturschutzbehörde gibt Entwarnung. Einige Monate nach der Flut hat die SGD Nord in der Westeifel insgesamt 15 Bodenproben in Wohngebieten, Parks, auf Spielplätzen und Gewerbegrundstücken genommen. Das Ergebnis: Es liegt keine Gefahr für die Gesundheit vor. Auch Obst und Gemüse kann im Frühjahr bedenkenlos angebaut werden. Eine Sprecherin der SGD Nord spricht von Glück im Unglück.

"Die Böden waren bereits so gesättigt mit Wasser durch den tagelangen Regen vor dem Hochwasser, dass sie kaum noch etwas am Fluttag aufnehmen konnten."

Außerdem habe sich das Mineralöl aus den ausgelaufenen Heizungstanks im Boden schnell abgebaut, sagt die Sprecherin.

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Expertin gibt Tipps für individuelle Analyse

Wer immer noch Bedenken wegen einer möglichen Schadstoffbelastung seiner Böden hat und selber ein Ingenieurbüro beauftragen möchte, sollte ein paar Dinge beachten. Christiane Breuer, Agraringenieurin vom Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum empfiehlt bei der Bodenuntersuchung auf Mineralölderivate, Salmonellen, Schwermetalle und Dioxine zu schauen. Doch so eine Untersuchung sei auch sehr teuer, sagt die Ingenieurin.

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