Auch Ministerpräsidentin Malu Dreyer hat bei einem Besuch das Engagement in Mandern gelobt.  (Foto: SWR)

Hilfe für Flüchtlinge aus der Ukraine

Warum Wohnraum für Ukrainer in der Region Trier knapp wird

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Für private Helfer wird es mancherorts schwieriger, Wohnungen für Geflüchtete aus der Ukraine zu finden. In anderen Kommunen stehen die Unterkünfte hingegen leer. Woran liegt das?

Kristina hat in den vergangenen Wochen einiges durchgemacht. Als die Bomben über Kiew fielen, war die 28-jährige Ukrainerin hochschwanger.

Während ihre Mutter und ihr ältester Sohn nach Deutschland flohen, bekam die Ukrainerin ihr Kind in einem Keller. Ein Frühchen, das nur schwach atmete und dann noch einen Schlaganfall erlitt.

67 Ukrainer leben im Hochwald-Dorf

Dass es Mutter und Sohn heute wieder so gut geht, haben sie den Einwohnern von Mandern im Hochwald zu verdanken. Vor wenigen Wochen sind Kristina und ihr Kind dort angekommen.

Mit dem Zug ging es von Kiew über Warschau nach Hannover, wo die ehrenamtlichen Helfer aus Mandern sie abholten. In der Gemeinde im Kreis Trier-Saarburg ist sie nun endlich in Sicherheit und in Gesellschaft von Landsleuten. 67 Ukrainer leben derzeit in Mandern. Was eine ganze Menge ist für ein Dorf mit knapp 900 Einwohnern.

Auch Ministerpräsidentin Malu Dreyer hat bei einem Besuch das Engagement in Mandern gelobt.  (Foto: SWR)
Auch Ministerpräsidentin Malu Dreyer hat bei einem Besuch das Engagement in Mandern gelobt.

Flüchtlingsunterkunft statt Abriss

Und auch die Unterkünfte sind bemerkenswert. Denn eigentlich sollten die sechs Häuser abgerissen werden, um Platz zu schaffen für einen Wohnkomplex für Senioren, wie Ortsbürgermeister Tim Kohley (Freie Wähler) erzählt: "Da gab es keine Elektrik, kein Wasser, keine Möbel."

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Wegen des Krieges in der Ukraine haben die Manderner diese Pläne aber vorerst verschoben: "Wir haben dann in einer Art Hau-Ruck-Aktion, die Häuser in 14 Tagen renoviert. Da haben alle Vereine mitgeholfen, die Feuerwehr, die Jugendgruppe, et cetera", sagt der Ortsbürgermeister.

In Mandern ist kein Platz mehr

Inzwischen sind die Zimmer alle belegt. Über eine WhatsApp-Gruppe hat sich die Initiative in Mandern schnell herum gesprochen. Und so ist im Dorf eine kleine ukrainische Gemeinde entstanden.

Weitere Anfragen allerdings wird die Gemeinde laut Kohley notgedrungen zurückweisen müssen. Denn es gibt schlicht keinen Platz mehr im Dorf: "Wir sind mit 67 Geflüchteten jetzt an der Kapazitätsgrenze angelangt."

Wohnraum wird in Städten knapp

Und so geht es nicht nur den Manderern. Auch in vielen anderen Orten in der Region Trier geht der Wohnraum für Geflüchtete aus. Das ergab eine SWR-Umfrage bei den Kommunen in der Eifel, an der Mosel und im Hunsrück.

"Wohnraumangebote gehen gegen Null", heißt es etwa aus dem Eifelkreis Bitburg-Prüm. Die Landkreise Birkenfeld und Bernkastel-Wittlich sowie die Städte Wittlich und Bitburg wünschen sich ebenfalls mehr Angebote von Privatleuten.

In Trier ist die Lage besonders angespannt. Schon vor dem Krieg war es nicht leicht, eine Wohnung oder ein Haus in der Moselstadt zu finden. Nun sind 1.000 Geflüchtete hinzugekommen. Daher sei es "nicht überraschend", dass es langsam knapp werde, sagt der Pressesprecher der Stadt, Michael Schmitz. "Wir stellen auch zunehmend fest, dass Menschen den Weg in die Stadt suchen, die zuvor im ländlichen Raum untergebracht waren."

Auf dem Land stehen Unterkünfte leer

Die Folge: Während es in manchen Gemeinden, vor allem in Städten, eng wird mit dem Wohnraum, stehen anderswo angemietete Unterkünfte leer - zum Beispiel in Hermeskeil, im Trierer Land oder auch in der Verbandsgemeinde Speicher in der Eifel.

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In Konz sind im ehemaligen Hotel Schmidt-Lieblang noch alle Zimmer frei. In Greimerath im Hochwald haben Ehrenamtliche das alte Pfarrhaus für die Ankunft von Geflüchteten hergerichtet. Acht Leute könnten dort einziehen, gemeldet hat sich aber niemand.

Dreyer: Die meisten Geflüchteten melden sich nicht zentral an

Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) weiß um diese ungleiche Verteilung der inzwischen rund 35. 000 Geflüchteten im Land, wie sie sagt. "Die meisten Ukrainer ziehen einfach dorthin, wo sie Familie haben. Die wenigsten melden sich bei uns zentral an."

Die, die das doch tun, landen in den Aufnahmeeinrichtungen des Landes, zum Beispiel in Trier, Hermeskeil und Bitburg. Dort leben laut Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion Trier aber derzeit nur etwa 1.600 Ukrainer.

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Tendenz sinkend. Denn einerseits sei die Zahl der Geflüchteten in der Region derzeit leicht rückläufig. Und andererseits ziehen viele Ukrainer aus den Sammelunterkünften in private Wohnungen. Und das mache es laut Dreyer eben nicht leicht nachzuvollziehen, wo sie sich aufhalten und wo noch Platz ist.

Kristina hofft jedenfalls, dass in Mandern noch Platz ist für ihren Mann. Der kämpft gerade in der Ost-Ukraine gegen die russischen Truppen. Jeden Tag wünscht sie sich, er könnte zu ihr nach Deutschland kommen.

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