Der Angeklagte und sein Verteidiger vor dem Bad Kreuznacher Landgericht (Foto: SWR, Sibylle Jakobi)

Psychiatrischer Gutachter sagt aus

Angeklagter im Tankstellen-Mordprozess Bad Kreuznach "voll schuldfähig"

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Der Angeklagte im Tankstellen-Mordprozess war bei der Tat nicht vermindert schuldfähig. Das hat das psychiatrische Gutachten ergeben, das dem Landgericht Bad Kreuznach vorgelegt wurde.

Aus Sicht des psychiatrischen Gutachters liegt keine krankhafte seelische Störung, also keine Psychose, bei dem Angeklagten vor. Er habe auch keine schwere Persönlichkeitsstörung. Am Tattag sei der 50-Jährige zwar alkoholisiert gewesen, so der Psychiater weiter, aber dadurch sei seine Steuerungsfähigkeit nicht vermindert gewesen.

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Trotz Alkohol keine Ausfallerscheinungen

Zwar sei es möglich, dass der Angeklagte zur Tatzeit einen Alkoholwert von bis zu 2,5 Promille hatte, auf den Videoaufnahmen aus der Tankstelle seien aber keinerlei Ausfallerscheinungen festzustellen gewesen. Auch bei den Sprachnachrichten an seinen Schwager, die der Angeklagte nach der Tat aufgezeichnet hatte, höre man keine Sprachstörungen.

Keine Tat im Affekt

Auch eine Tat im Affekt schließt der Experte aus. Auf den Videoaufnahmen sei zu sehen, dass sich der Angeklagte in der Reihe vor der Kasse angestellt habe. Allein die Wartezeit dort spreche stark gegen eine Affekthandlung, so der psychiatrische Gutachter in seiner Aussage vor Gericht.

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Psychologische Sitzungen während der Untersuchungshaft

Auch ein Gefängnispsychologe hat am Montag vor dem Bad Kreuznacher Landgericht ausgesagt. Er hatte in über 50 Sitzungen während der Untersuchungshaft mit dem Angeklagten gesprochen. Der Psychologe sagte, dass sich der heute 50-Jährige seit 2015 zunehmend radikalisiert habe. Anfangs sei es dem Angeklagten dabei um die Flüchtlingspolitik gegangen, seit dem Frühjahr 2020 habe sich seine Radikalisierung dann weiter verschärft.

Der Selbstmord des Vaters sei dafür der Auslöser gewesen, so der Gefängnispsychologe. Bevor sich der Vater getötet hatte, habe er außerdem die Mutter des Angeklagten angeschossen. Seit diesem Zeitpunkt habe sich der Angeklagte immer mehr in das Thema Corona-Maßnahmen hineingesteigert.

Im Hintergrund sieht man eine hell erleuchtete Tankstelle (Foto: SWR)
An dieser Tankstelle in Idar-Oberstein kam es zu den tödlichen Schüssen.

Selbstmordversuch in der Zelle

In den Gesprächen habe der Angeklagte aber auch Reue für die ihm zur Last gelegte Tat gezeigt. Die Motive dafür seien ihm bis heute nicht ganz klar. Im Januar habe der Angeklagte im Gefängnis einen Selbstmordversuch begangen, berichtete der Psychologe weiter.

Dem Angeklagten wird vorgeworfen, den 20-jährigen Tankstellenmitarbeiter im September vergangenen Jahres erschossen zu haben, weil dieser ihn mehrmals auf die Maskenpflicht hingewiesen hatte.

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