Metzdorf nach dem Hochwasser (Foto: SWR, Solveig Naber)

Fünf Monate nach der Flutkatastrophe

Paar aus Metzdorf: Wir bekommen das gut hin

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Anna-Carina Blessmann

Seit fünf Monaten schuftet ein Paar aus Metzdorf an der Sauer jeden Tag, nachdem das Hochwasser alles überschwemmt hat. Weihnachten steht vor der Tür, aber das Haus ist jetzt ein Rohbau.

"Andere Nachbarn wollten bis Weihnachten fertig sein mit dem Wiederaufbau. Uns war klar, dass das für unser Haus nicht realistisch ist", sagt Noémi Wiersma. Sie und ihr Freund Sammy Schu hatten einen alten Gasthof in Metzdorf gerade erst gekauft, als das Hochwasser kam.

Dann aber wurde nicht nur der Campingplatz, den sie im Nebenerwerb an der Sauer betreiben, überflutet. Auch im Haus stand das Wasser bis über der Theke des ehemaligen Schankraums.

"Man hat noch komische Bilder im Kopf: Die mysteriöse Stimmung mit dröhnendem Wasser. Ein Camper, der in letzter Minute seine Sachen ins Auto schleppt. Das Platschen seiner Füße um vier Uhr morgens."

Unfreiwillig Bauherrin

"24 Stunden Angst und dann jahrelang Probleme", hatte Noémi kurz nach dem Hochwasser gesagt. Sie und Sammy packen diese Probleme jetzt mit einer Mischung aus Erschöpfung und Zuversicht an. Das Haus wird mithilfe einer Zeltheizung getrocknet und muss dann kernsaniert werden.

Das ursprünglich einzugsfertige alte Haus sieht jetzt aus wie ein Rohbau. (Foto: SWR, Anna-Carina Blessmann)
Das ursprünglich einzugsfertige alte Haus sieht jetzt aus wie ein Rohbau. Anna-Carina Blessmann Bild in Detailansicht öffnen
Nach dem Abschlagen der Wände hat sich herausgestellt, dass diese sehr bröselig sind. Einzelne Steine lassen sich einfach so herausziehen. Anna-Carina Blessmann Bild in Detailansicht öffnen
Statt wie ihre Nachbarn zahlreiche Trocknungsgeräte aufzustellen, haben Noémi und Sammy sich eine Heizung für Zelte besorgt. Anna-Carina Blessmann Bild in Detailansicht öffnen
Mit einem Schlauch wird die Wärme aus der Zeltheizung in die Räume des Hauses geleitet. Damit werden die Wände getrocknet. Anna-Carina Blessmann Bild in Detailansicht öffnen
Beim Abschlagen haben die porösen Wände der Sanitäranlagen des Campingplatzes Löcher bekommen. Anna-Carina Blessmann Bild in Detailansicht öffnen

Der Estrich ist rausgerissen, die Wände abgeschlagen – es sieht aus wie nach dem Krieg. Oder wie in einem Rohbau, je nach Sichtweise, sagt Noémi lachend. Sie ist unfreiwillig zur Bauherrin geworden, die alles koordinieren muss.

"Wir müssen Handwerker finden. Die sind selten und wenn man einen hat, lässt man ihn nicht mehr los. Wir müssen aber erst identifizieren, welches Handwerk wir überhaupt brauchen."

Probleme tauchen nach und nach auf

Beim Abschlagen der Wände sei aufgefallen, dass die hohen Mauern im Erdgeschoss sehr bröselig sind. Jetzt wurde ein Statiker beauftragt. Parallel müssen alle Maßnahmen mit der Versicherung abgeklärt werden.

Die beiden hatten gedacht, alles - Estrich, Wandputz, Elektrik und Heizung - komme nach und nach. "Das klingt schön. Aber nichts läuft zeitlich so ab, wie man es sich vorstellt", sagt Noémi.

"So ein Großprojekt baut auf jeden Fall die eigene Frustrationstoleranz aus."

Nässe und Kälte dauern an

Sie hatten gehofft, den Campingplatz im April wieder betreiben zu können. Die löchrigen Wände in den sanitären Anlagen sind aber immer noch nass und es könnte zeitlich knapp werden. Den Mut verlieren sie dennoch nicht, sondern erledigen pragmatisch eins nach dem anderen.

Noémi und Sammy wohnen derzeit in der Einliegerwohnung im Obergeschoss ihres Hauses. Weil es keine Heizung und nur einen kleinen Ofen gibt, herrschen dort teilweise 12 Grad. Warm geduscht wird bei ihren oder seinen Eltern.

Weihnachten in Metzdorf?

Überhaupt unterstützen Freunde und Familie die beiden sehr. Noémis Vater, der aus Frankreich stammt, kommt jeden Tag und hilft bei den Renovierungsarbeiten. Er ist sehr stolz, dass das Paar alle Schwierigkeiten so gut meistert.

Über Weihnachten machen sich die beiden nicht wirklich Gedanken. Dafür haben sie zu viel um die Ohren. Gefeiert wird jedenfalls nicht in Metzdorf, sagt Noémi: "Wir sind bei meinen und bei Sammys Eltern immer herzlich willkommen. Dort werden wir dann auch Weihnachten feiern." Und einen Wunsch haben die Beiden dann doch zu Weihnachten: "Hoffentlich haben wir Ende dieser Woche auch wieder eine Heizung."

"Wir sind durch das Ganze richtig erwachsen geworden und haben unsere Zukunft in die Hand genommen."

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