Bund will Corona-Hilfen zurück. In der Region Trier haben nun viele Friseure Angst um ihr Geschäft.

Waschen, schneiden, zurückzahlen

Friseure in der Region Trier sauer: Bund will Corona-Hilfen zurück

Stand
AUTOR/IN
Sebastian Grauer
Foto von Sebastian Gauer, Redakteur bei SWR Aktuell im Regionalbüro Traben-Trarbach

Auch in der Region Trier wurden Friseure von der Corona-Pandemie hart getroffen, sie mussten schließen. Der Bund half mit Geld und will das jetzt zurück - der Unmut ist groß.

"An den Seiten kurz, oben wie immer", sagt ein Kunde im Friseursalon von Sabine Schömann-Kuhnen in Hetzerath (Landkreis Bernkastel-Wittlich). Dann brummt die Maschine, die Haare kommen ab. Der Betrieb läuft wieder ganz normal - anders als im März 2020. Damals schlug die Corona-Pandemie mit voller Härte zu, Schömann-Kuhnen musste ihren Laden zeitweise schließen.

Eifel/Mosel/Hunsrück

Neues Angebot des SWR Studios Trier Nachrichten aus der Region Trier jetzt auf WhatsApp lesen

Das SWR Studio Trier ist jetzt auch auf dem Messenger-Dienst WhatsApp aktiv. Dort finden Sie regionale Nachrichten von Mosel und Saar, aus der Eifel, Hunsrück und Hochwald.

Eifeler Friseurin soll 15.000 Euro zurückzahlen

Das Problem jetzt vier Jahre nach der Corona-Pandemie: Ein Schreiben, das die Friseurmeisterin von der rheinland-pfälzischen Investitions- und Strukturbank (ISB) bekommen hat. Die Bank fordert 15.000 Euro Corona-Soforthilfen zurück. Das Geld hatte Sabine Schömann-Kuhnen 2020 beantragt, um die Zeit, in der sie nicht öffnen konnte, finanziell zu überbrücken.

Eine Rückzahlung oder Teilrückzahlung ist nach Angaben der ISB dann erforderlich, wenn der tatsächliche Engpass geringer war als die ausgezahlte Soforthilfe.

Friseurin Sabine Schömann-Kuhnen aus Hetzerath
Friseurin Sabine Schömann-Kuhnen aus Hetzerath war geschockt, als sie das Schreiben von der ISB bekam und aufgefordert wurde 15.000 Euro zurückzuzahlen.

Wenn klar gewesen wäre, dass ich die Hilfen zurückzahlen muss, hätte ich sie nicht in Anspruch genommen.

Für Schömann-Kuhnen ist nicht nachvollziehbar, dass sie die Corona-Hilfe jetzt zurückzahlen muss. "Die wurde ja von Olaf Scholz - damals Bundesfinanzminister - als Zuschuss versprochen und nicht als Kredit", sagt die Friseurin. "Wenn mir von vornherein klar gewesen wäre, dass ich die Soforthilfe zurückzahlen muss, hätte ich die Hilfe nicht in Anspruch genommen."

Landesinnungsmeister: Rückzahlung "nicht gerecht"

Der Vorsitzende Landesinnungsmeister des Landesverbandes Friseure & Kosmetik Rheinland, Guido Wirtz, kennt die Probleme. Viele Kollegen seien enttäuscht von dem Vorgehen, sagt er. Wirtz betreibt selbst einen Friseursalon in Körperich in der Eifel.

Friseur Guido Wirtz aus Körperich
Friseur Guido Wirtz aus Körperich findet die Rückzahlung "nicht gerecht".

"Ich wollte meinen Betrieb nicht schließen, aber der Staat hat gesagt, ich mache dein Unternehmen zu", sagt er. "Erst zu sagen, du bekommst was und dann im Nachhinein zu sagen: Jetzt darfst du wieder zurückzahlen, weil sich alles anders entwickelt hat. Das finde ich einfach nicht gerecht." 

Der Eifeler Friseurmeister schätzte damals im Antrag, dass er drei Monate schließen muss, gab entsprechend Kosten an und bekam ebenfalls 15.000 Euro Soforthilfe. Tatsächlich waren es dann aber nur sechs Wochen, die er geschlossen hatte.

Die Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz hat jetzt nachgerechnet. Das Ergebnis: Auch Wirtz muss die gesamte Corona-Hilfe zurückzahlen. Er hat zu viel Geld bekommen.

Geschäfte laufen seit Corona schlechter

Das Problem: Über Monate sind die Geschäfte auch nach den Corona-Lockdowns nicht gut gelaufen - auch wegen der Corona-Maßnahmen, beispielsweise der Abstandsregel, weswegen er weniger Kunden gleichzeitig bedienen konnte. Zudem hätten Menschen Angst vor einer Corona-Infektion gehabt und deswegen den Friseur gemieden.

Die Rückzahlung bringe viele deswegen in Schwierigkeiten. Der Vorsitzende Landesinnungsmeister fordert deswegen ein anderes Vorgehen und Hilfen. "Ich finde, man müsste schauen - vier Jahre nach Corona - wie hat sich das Unternehmen entwickelt. Das sind ja feste Zahlen." Dementsprechend sollten dann die Betriebe unterstützt werden, sagt Wirtz.

Friseurin hat Vertrauen in Politik verloren

Für die Eifeler Friseurin Sabine Schömann-Kuhnen ist jegliches Vertrauen in die Politik dahin. Sie versucht, mit der Situation umzugehen und irgendwie das Geld zurückzuzahlen - notfalls in Raten. "Ich hoffe einfach, dass meine Kollegen und ich das irgendwie hinbekommen und wir unser Geschäft weiterführen können."

"Manchmal zum Heulen zumute" Nachspiel wegen Corona-Hilfen: Steuerberater und Familienbetriebe verzweifeln

Sie haben in der Corona-Krise schnell Hilfsgelder bekommen: Einzelhandel, Restaurants oder Friseursalons konnten so die Lockdowns überstehen. Doch jetzt drohen Rückzahlungen.

SWR Aktuell Baden-Württemberg SWR BW

RLP

Post-Covid-Ambulanzen bekommen neues Geld Corona-Pandemie beschäftigt Landtag RLP weiter: Expertenanhörung geplant

Auch mehr als ein Jahr nach Ende der Pandemie ist Corona erneut Thema im Gesundheitsausschuss gewesen. Die Post-Covid-Ambulanzen bekommen neues Geld und Experten sollen gehört werden.

SWR Aktuell Rheinland-Pfalz SWR RP

RLP

Enquete-Kommission: Ja oder Nein Aufarbeitung von Corona: Wie geht die Politik in RLP damit um?

Schulschließungen, Lockdowns, Maskenpflicht - ein Jahr nach dem Ende der letzten Maßnahmen gegen Corona wird auch in RLP diskutiert, wie die Pandemie aufgearbeitet werden soll.

Rheinland-Pfalz

Rückblick auf Pandemie in RLP Wissen Sie noch?! Zehn Kuriositäten aus dem Corona-Alltag

Die Corona-Pandemie hat sich aus Rheinland-Pfalz nahezu komplett verabschiedet. Heute vor vier Jahren begann der erste Lockdown im Land und für viele damit eine neue Zeitrechnung.

SWR Aktuell Rheinland-Pfalz SWR Fernsehen RP