Revierförsterin hält Bund Setzlinge hoch (Foto: SWR)

Pflanzaktion in der Eifel

150.000 junge Bäume für den Zukunftswald im Forstamt Gerolstein

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Klimawandel und Borkenkäfer machen den Wäldern zu schaffen. Im Forstamt Gerolstein soll der Wald deshalb zukunftssicher werden - mit 150.000 neu gepflanzten, jungen Bäumen.

Es sind Arten wie Traubeneiche, Bergahorn, Esskastanie und Atlaszeder, die in den Wäldern des Forstamts Gerolstein gepflanzt werden. Mehr als 150.000 Setzlinge sind es insgesamt.

Allein 34.000 davon werden im Revier von Wiebke Bönig gepflanzt. Sie ist Revierförsterin in Birresborn. "Wir suchen alle nach der Baumart, die am besten mit dem Klimawandel parat kommt. Bei der Eiche wissen wir, die kann das", erzählt Bönig. "Aber auch die Esskastanie ist sehr Wärme liebend."

Trockenheit und Borkenkäfer sind ein Problem

Vor allem der Borkenkäfer hat Försterinnen und Förstern in den letzten Jahren zu schaffen gemacht. Gepaart mit den Hitzesommern 2018, 2019 und 2020 hatte der Käfer in den Fichtenwäldern rund um Birresborn ein leichtes Spiel.

Hinzu kommen Schneebruch und Stürme, die immer wieder ganze Baumreihen umwerfen. Dadurch entstehen große Kahlflächen. 60 Hektar seien im Forstamtsbereich Gerolstein seit 2018 dem massenhaften Borkenkäferbefall, Stürmen und der Trockenheit zum Opfer gefallen, so die Forstamtsleitung.

Jetzt schon für später pflanzen

"Wenn wir warten würden, dass sich da von Natur aus Wald ansamen würde, das würde schon klappen. Aber die Zeit haben wir nicht", meint Wiebke Bönig. "Dann müssten wir 40 bis 50 Jahre warten und das wollen wir nicht." Denn die kahlen Flächen trocknen ohne Schatten spendende Bäume noch schneller aus als sie es bei den heißen Temperaturen der vorigen drei Sommer ohnehin schon tun.

Männer pflanzen in einem Steilhang neue Bäume. (Foto: SWR)
Männer pflanzen in einem Steilhang neue Bäume.

Junger Wald steht schon in den Startlöchern

Die Setzlinge sollen in Zukunft dafür sorgen, dass die Wälder in ihrer Anpassungsfähigkeit an die Klimakrise gestärkt werden. Dabei geht es darum, dass unter bestehende Wälder andere Baumarten gemischt werden und man junge Bäume unter ältere pflanzt. Das nennt man "Vorausverjüngung".

Das ist vor allem in noch bestehenden Fichtenwäldern wichtig, da diese besonders anfällig für Trockenheit und Borkenkäfer sind. Werden diese geerntet oder von einem Sturm niedergefegt, steht die neue Waldgeneration aus verschiedenen Baumarten schon in den Startlöchern.

Optimale Pflanzbedingungen durch feuchten Sommer

Dieses Jahr sei dagegen besonders gut zum Anpflanzen junger Bäume, meint Stephan Schmitz, Büroleiter des Forstamt Gerolstein. Das liege vor allem am verregneten Sommer. "Der Boden ist schön feucht.

Da können die Bäumchen gut anwachsen, denn die jungen Setzlinge haben noch nicht so tiefe Wurzeln und würden ohne Regen schnell austrocknen. Die erst zwei bis drei Jahre alten Bäume hätten das nicht überlebt."

"Wir können den Wald leider nicht mit dem Gartenschlauch bewässern."

Wiebke Bönig schätzt sich dennoch glücklich, denn die Waldbesitzer, mit denen sie als Försterin zusammenarbeitet, seien bereit, in die Zukunft zu investieren. "In den letzten Jahren konnten die mit ihrem Wald gar keinen Gewinn einbringen, weil die Holzpreise so im Keller waren", so Bönig.

Umso lobenswerter sei es, dass sie bereit sind, trotzdem das Geld in die Hand zu nehmen, um hier die Bäume zu pflanzen. Allerdings gibt es ein großes Problem beim Pflanzen der Jungbäume, denn diese werden immer wieder von Wildtieren abgefressen.

Junge Bäume in Wuchshüllen bei Pflanzaktion in Birresborn (Foto: SWR)
Bei einem Waldspaziergang sieht man sie oft: Mehr als ein Meter hohe Plastikschläuche, die sich um junge Bäume winden. Sogenannte Wuchshüllen schützen die Setzlinge vor hungrigem Wild.

Rehe fressen junge Bäume an

"Wir haben hier in diesen Bereichen eine hohe Wilddichte, Rotwild, zum Teil auch Muffelwild. Und die fressen gern diese jungen Bäume an", weiß Bönig. Ihr bleibt nichts anderes übrig, als Mittel und Wege zum Schutz der Setzlinge zu finden. "Auf großen Flächen bauen wir deshalb einen Zaun.

Der kann dann auch bis zu 20 Jahre stehen bleiben", erklärt die Revierförsterin. "Bei kleineren Flächen kann man ansonsten auch mit Wuchshüllen arbeiten." Genau diese kommen in Birresborn auch bereits zum Einsatz. Denn nur so sind die kleinen Bäumchen vor hungrigen Rehen geschützt und können zu einem resistenten Wald der Zukunft heranwachsen.

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