Das komplette Haus muss vor dem Abriss rückgebaut werden. Hier zu sehen ist die ehemalige Küche. (Foto: SWR, Lara Bousch)

Sieben Monate nach der Hochwasser-Katastrophe

Flutschäden an der Sauer: Häuser in Ralingen müssen abgerissen werden

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Lara Bousch

Sieben Monate nach der Flut sind viele Häuser in Ralingen an der Sauer noch immer nicht bewohnbar. Einige Häuser müssen sogar abgerissen werden.

Einer Frau kommen die Tränen. Ihr Haus an der Sauer in Ralingen muss abgerissen werden. Das Haus hat sie gemeinsam mit ihrem Mann für ihre Tochter gekauft und, wie sie sagt, "mit viel Liebe und eigener Arbeit" saniert und hergerichtet. Ihre Tochter habe das Haus immer als ein Stückchen Urlaub direkt an der Sauer beschrieben, sagt die Frau, die lieber anonym bleiben möchte.

Das Haus hatten sie 2018 gekauft. Erst kurz vor der Flut Mitte Juli seien sie mit den Arbeiten fertig geworden. Der Termin zum Abschluss einer Elementarversicherung stand schon fest, doch die Flut war schneller.

Dieses Haus an der Sauer in Ralingen muss abgerissen werden. Die Flut Mitte Juli hat es zerstört. (Foto: SWR, Lara Bousch)
Dieses Haus an der Sauer in Ralingen muss abgerissen werden. Die Flut Mitte Juli hat es zerstört. Lara Bousch Bild in Detailansicht öffnen
Ortsbürgermeister Alfred Wirtz zeigt, bis wohin das Wasser der Sauer stand. Lara Bousch Bild in Detailansicht öffnen
Das komplette Haus muss vor dem Abriss rückgebaut werden. Hier zu sehen ist die ehemalige Küche. Lara Bousch Bild in Detailansicht öffnen
Aus dem ehemaligen Bad des zerstörten Hauses sieht man auf die Sauer, die das Haus bis zur Oberkante der Fenster geflutet hatte. Lara Bousch Bild in Detailansicht öffnen

"Wenn ein solches Hochwasser noch mal wiederkommt, würden wir das Gleiche wieder erleben. Ich möchte das aber nie wieder erleben, das kann man nicht einfach noch mal wegstecken."

Hochwasser traf Haus mit voller Wucht

Obwohl das Haus einen Hochwasserschutz hatte, traf es das Gebäude mit voller Wucht. Schließlich sei das Parkett unter der Decke geschwommen, erzählt die Bewohnerin. Auch die Kücheninsel hätten sie in ihrem Haus schwimmen sehen. Der Rat der Experten war bitter: Die Fundamente seien dermaßen unterspült worden, dass sich ein Wiederaufbau nicht lohnen würde.

In den vergangenen Wochen wurde das Haus komplett zurückgebaut und fertig zum Abriss gemacht. Die Besitzer schmieden schon Pläne für ein neues Haus. Sie wollen aber nicht mehr so nah an der Sauer bauen. Ein solches Hochwasser wollen sie nie wieder erleben. In der Nachbarschaft möchten sie aber schon bleiben, erzählt die Frau.

"Es sind drei Jahre Arbeit und viel Geld, die weg sind. Am schlimmsten finde ich diese Lebenszeit, die man verbaut hat, von der nichts mehr übrig bleibt."

Viele Häuser in Ralingen müssen noch saniert werden

Neben diesem Haus müssen noch zwei weitere Häuser in Ralingen abgerissen werden, weil Heizöl ins Gemäuer eingedrungen ist und nicht mehr entfernt werden kann.

Nur wenige der insgesamt 70 Häuser, die im Juli vom Hochwasser überschwemmt wurden, sind wieder komplett saniert, erzählt Ortsbürgermeister Alfred Wirtz (Grüne). Er schätzt, dass erst ein Jahr nach der Flutkatastrophe wieder alle Häuser hergerichtet sein werden.

Kläranlage in Ralingen läuft auf Notbetrieb

Die Liste der Schäden in Ralingen ist lang. Zum Beispiel läuft die Kläranlage noch immer nicht vollautomatisch. Abwassermeister Armin Hunsicker sagt, es sei noch nicht klar, ab wann die Anlage von Ralingen und dem luxemburgischen Rosport wieder Abwasser zu 96 Prozent reinigen kann.

In der Schaltanlage der Kläranlage stand das Wasser fast hüfthoch, die gesamte Elektrik wurde beschädigt und muss ausgetauscht werden.

Die Kläranlage in Ralingen läuft seit der Flut noch immer auf Notbetrieb. (Foto: SWR, Lara Bousch)
Die Kläranlage in Ralingen läuft seit der Flut noch immer auf Notbetrieb. Lara Bousch Bild in Detailansicht öffnen
Die Technik der Kläranlage wurde stark beschädigt. Die Zeiger der Aggregate zeigen auf null. Lara Bousch Bild in Detailansicht öffnen
Die Technik im Schaltraum muss komplett ausgestauscht werden. Die neue Technik soll dann zwei Meter höher stehen, damit ein neues Hochwasser keinen Schaden mehr verursachen kann. Lara Bousch Bild in Detailansicht öffnen
An der Linie an der Wand erkennt man gut, wo das Wasser im Juli im Schaltraum der Kläranlage in Ralingen stand. Lara Bousch Bild in Detailansicht öffnen

Lieferengpässe erschweren die Reparatur der Kläranlage. Die Gemeinde hofft, dass die Kläranlage bis Ende des Jahres 2022 wieder komplett läuft. Die Verbandsgemeinde Trier-Land rechnet mit einer Schadenssumme von etwa 850.000 Euro. Diese wird über die Bund-Länder-Hilfen zu 100 Prozent finanziert.

Neuer Sportplatz wird 600.000 Euro kosten

Auch der Sportplatz von Ralingen direkt neben der Sauer wurde überflutet. Als das Wasser über die Mauer, die um den Platz verläuft, strömte, schwemmte es den Kunstrasen mitsamt der tragenden Schicht aus Schotter weg. So haben sich "Wellen" im Kunstrasen gebildet.

Der ganze Platz und das Sporthaus müssen erneuert werden. Auch dort, heißt es von der Verbandsgemeinde, wird vermutlich erst ein Jahr nach der Flut alles wieder instand sein.

Auch der Sportplatz in Ralingen an der Sauer zerstört. Die Strömung des Wassers hat den Kunstrasen weggespült. (Foto: SWR, Lara Bousch)
Auch der Sportplatz in Ralingen an der Sauer ist zerstört. Die Strömung des Wassers hat den Kunstrasen weggespült. Lara Bousch

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