Eine Treppe steht auf dem Rollfeld des Flughafen Hahn. (Foto: dpa Bildfunk, dpa Bildfunk - picture alliance/dpa | Thomas Frey)

Hunsrück-Airport in der Krise

Mehrere Interessenten für Flughafen Hahn

STAND

Der Betrieb am Flughafen Hahn wird nach Angaben des vorläufigen Insolvenzverwalters erst einmal in vollem Umfang weiterlaufen. Nach SWR-Informationen gibt es schon mehrere Interessenten.

Darunter sind wohl auch Interessenten aus dem internationalen Umfeld mit Interesse an der operativen Fortführung und Weiterentwicklung des Flughafens. Weitere inländische Bieter sollen eine alternative gewerbliche Entwicklung des Standortes anstreben.

Betriebsrats-Anwalt: "Hahn ein Goldstück"

Der Anwalt des Airport-Betriebsrats, Georg Wohlleben, nannte den Hahn "ein Goldstück". Seine seltene Nachtfluggenehmigung könne hochinteressant sein, etwa für den Einstieg großer Logistikfirmen.

Der Sprecher der Bürgerinitiative gegen den Nachtflughafen Hahn, Olaf Simon, hielt dagegen: Der Markt lasse sich nicht betrügen. Passagier- und Frachtzahlen reichen seiner Ansicht nach seit Jahren nicht annähernd aus, um schwarze Zahlen zu schreiben.

Er weist darauf hin, dass selbst die Fraport, die lange die Hauptanteile am Hahn gehalten hat, es nicht geschafft habe, den Flughafen in die schwarzen Zahlen zu bringen, sondern ihn letztendlich für einen Euro wieder verkauft habe. Er geht dennoch davon aus, dass ein neuer Investor für den Flughafen Hahn gefunden werden könnte. Ob der dann auch erfolgreich sein könnte, da ist Simon skeptisch.

Insolvenz für Hunsrücker wenig überraschend

Für Simon und viele andere Menschen im Hunsrück kommt die Insolvenz des Flughafens nicht wirklich überraschend. Dass die irische Airline Ryanair in der Vergangenheit immer mehr Strecken gestrichen habe, sei kein gutes Zeichen gewesen, sagen viele. Ein Hotelier in der Nähe des Flughafens hingegen bleibt optimistisch. Er geht davon aus, dass es weitergehen wird.

Das habe er alles schon oft erlebt, sagt Hotelier Walther Hitthaler. Er meint, dass es ja nicht unüblich sei, dass eine Insolvenz genutzt werde, um Ballast abzuwerfen und unter anderem Namen weiter zu machen. Vielleicht sei das auch beim Flughafen Hahn so. Er glaubt jedenfalls fest an den Fortbestand des Hunsrück-Flughafens.

"...und morgen läuft alles wieder weiter wie vorher."

Insolvenzverwalter hat Ruder übernommen

Am Hahn hat jetzt der Insolvenzverwalter übernommen: Über seine Frankfurter Kanzlei ließ der vorläufige Insolvenzverwalter Markus Plathner schriftlich mitteilen, der Flugverkehr finde wie von den Fluggesellschaften geplant statt. Dies sei wichtig für alle Reisenden und Frachtspediteure.

Er werde jetzt vor Ort die Möglichkeiten für die Sanierung des Unternehmens ausloten, so Plathner. Die Belegschaft werde kurzfristig informiert.

Der nächste Schritt werde sein, die Löhne und Gehälter der Beschäftigten zunächst kurzfristig auszuzahlen - über eine sogenannte Insolvenzgeld-Vorfinanzierung. In der Mitteilung wird Plathner als erfahrener Sanierungsexperte bezeichnet. Nach seinem Engagement 2014 für den Flughafen Zweibrücken sei dies bereits sein zweiter Einsatz als Insolvenzverwalter für einen deutschen Flughafen.

Video herunterladen (12,4 MB | MP4)

Entscheidung über Insolvenzgeld steht kurz bevor

Nach Angaben der Gewerkschaft ver.di steht die Entscheidung über die Zahlung des Insolvenzgeldes kurz bevor. Gewerkschaftssekretär Marko Bärschneider sagte dem SWR, die Finanzierung werde spätestens am Donnerstag abschließend geklärt. Die Voraussetzungen für das Insolvenzgeld seien auf jeden Fall gegeben.

Die Beschäftigten bekämen damit im Oktober, November und Dezember ihr Geld in voller Höhe. Dies sei sehr wichtig, so Bärschneider - denn natürlich gebe es Existenzängste und wenn jetzt die Beschäftigten abspringen würden, sei das Schicksal des Flughafens endgültig besiegelt.

Der Betrieb könne erst einmal weiter gehen, so Bärschneider. Es gebe nun drei Monate Zeit, um Investoren zu finden. Nach Angaben von ver.di sind von der Insolvenz rund 500 Beschäftigte betroffen. Darunter Mitarbeiter der Flughafen GmbH sowie der Unternehmen im Umfeld der Gesellschaft.

Fünf Gesellschaften melden Insolvenz an

Die Flughafen Frankfurt-Hahn GmbH hatte beim Amtsgericht Bad Kreuznach Insolvenz beantragt. Es seien Insolvenzanträge von fünf Gesellschaften im Umfeld des Flughafen Hahns eingegangen, teilte das Amtsgericht Bad Kreuznach dem SWR mit. Insolvenz angemeldet haben demnach die Flughafen Frankfurt-Hahn GmbH, die JFH Jet Fuel Hahn GmbH, die HNA Airport Services GmbH, die HNA Tech GmbH und die HHN Aviation Security GmbH.

Airport gehört zum Großkonzern HNA

Der Regionalflughafen gehört dem chinesischen Großkonzern HNA. Der hatte bereits im Februar Insolvenz angemeldet. Gläubiger beantragten die Neuausrichtung des hoch verschuldeten Großkonzerns. Damals hieß es, dass die Restrukturierung keine Auswirkungen auf den Betrieb des Flughafens Frankfurt-Hahn und dessen Betreibergesellschaft haben sollte.

Zuletzt hatte der Flughafen noch angekündigt, mehr Personal einstellen zu wollen. Während die Passagierzahlen am Flughafen eingebrochen waren, hatte sich das Frachtgeschäft weitgehend positiv entwickelt.

Betriebsleiter war Anfang Oktober noch optimistisch

Noch Anfang Oktober gab sich Betriebsleiter Goetzmann optimistisch (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
Noch Anfang Oktober gab sich Betriebsleiter Goetzmann optimistisch Picture Alliance

Der Betriebsleiter Christoph Goetzmann wollte sich zu den aktuellen Geschehnissen nicht äußern. Er hatte Anfang Oktober noch betont, den Flughafen ohne Beihilfen und ohne Kurzarbeit durch die Corona-Pandemie gesteuert zu haben. Die Flughafen-Geschäftsführung erwartete laut ihrem im Bundesanzeiger veröffentlichten Bericht 2020 trotzdem einen Fehlbetrag. Je nach Verlauf der Pandemie plane man, "dass bis zum Jahr 2024 ein positives Konzernergebnis erreicht werden kann", hieß es darin. Nach diesem Zeitpunkt dürfen Flughäfen gemäß EU-Recht generell keine staatlichen Subventionen mehr bekommen.

Im Sommer hatte der Europäische Gerichtshof (EuGH) eine Klage von Lufthansa zurückgewiesen. In diesem Rechtsstreit um Steuergeld in Millionenhöhe ging es um staatliche Beihilfen für den Hunsrück Flughafen seit 1997 und um Verträge mit Ryanair über Flughafenentgelte.

Sorge um Arbeitsplätze

Der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Kirchberg, Harald Rosenbaum, war nach eigenen Angaben sprachlos, als er von der Insolvenz erfuhr. Im SWR-Interview sagte er, die Sache scheine ernst zu sein, da nicht nur die Flughafen Hahn GmbH, sondern auch vier weitere für den Betrieb des Flughafens wichtige Firmen Insolvenz angemeldet hätten.

Am Flughafen und dem Flugbetrieb hingen jede Menge Arbeitsplätze und eine ganze Menge Firmen. Das Schlimmste wäre, wenn der Betrieb eingestellt werden müsste. Deshalb müsse eine Lösung gefunden werden, wie der Betrieb des Flughafens aufrecht erhalten werden kann, sagte Rosenbaum. Entweder durch den Eigentümer HNA oder durch einen neuen Investor.

"Im Terminal sieht es aus wie in einem verbrannten Dorf"

Der Vorsitzende der Bürgerinitiative "Bürger für Hahn", Werner Heich, die sich seit Jahren für den Flughafen Hahn einsetzt, bezeichnet die Insolvenz der Flughafen GmbH als Schlag für die gesamte Hunsrückregion. Im SWR-Interview sagte er, die große Frage sei nun, wie es weiter gehe. Ob der Hahn zu retten sei, sei zum jetzigen Zeitpunkt unklar. Im Terminal sehe es aus wie "in einem verbrannten Dorf". Dort werde seit Monaten nichts gemacht.

Nach der Insolvenz-Ankündigung Betrieb am Hahn läuft weiter

Der Flugbetrieb am Flughafen Hahn im Hunsrück läuft wie geplant weiter. Das hat der vorläufige Insolvenz- verwalter mitgeteilt. Was das langfristig bedeutet, ist noch unklar. Was sagen Urlauber und Anwohner?  mehr...

SWR Aktuell Rheinland-Pfalz SWR Fernsehen RP

Lautzenhausen

Wie geht es weiter mit dem Hunsrück-Airport? Luftfahrtexperte: Die Zukunft des Hahn liegt im Frachtbereich

Hat der Flughafen-Hahn eine Zukunft? Diese Frage stellen sich wegen der Insolvenz nicht nur die Beschäftigten. Luftfahrtexperte Thomas K. Thomalla aus Unkel sieht gute Chancen für den Hunsrück-Airport.  mehr...

Lautzenhausen

Flughafen Hahn-Haupteigentümer in Turbulenzen Chinesen sprechen von Umstrukturierung des HNA-Konzerns

Der Flughafen Hahn-Haupteigentümer HNA ist in finanzieller Schieflage. Nun hat sich eine chinesische Regierungsvertretung geäußert. Es gebe keine Insolvenz. Die CDU im Land macht dennoch Druck auf die Landesregierung.  mehr...

SWR Aktuell Rheinland-Pfalz SWR Fernsehen RP

Insolvenz am Flughafen Hahn SWR-Redakteurin Petra Thiele: "Überraschend am Antrag ist nur der heutige Tag"

Der Flughafen Hahn im Hunsrück ist insolvent. Insgesamt fünf Gesellschaften haben Insolvenz angemeldet: die Flughafen Frankfurt Hahn GmbH und vier weitere Gesellschaften des chinesischen Mutterkonzerns HNA. Eine Einschätzung von Petra Thiele aus der SWR-Wirtschaftsredaktion.  mehr...

SWR Aktuell Rheinland-Pfalz SWR Fernsehen RP

Nach Razzia vor einem Jahr Ermittlungen am Flughafen Hahn dauern wohl bis 2022

Vor rund einem Jahr hatten die Staatsanwaltschaft Koblenz und Trierer Steuerfahnder Firmen-Gebäude am Flughafen Hahn durchsucht. Die Ermittlungen laufen noch immer.  mehr...

Lautzenhausen

Betriebsleiter sieht Hunsrück-Airport auf Kurs "Festnahmen bei HNA ohne Bedeutung für Flughafen Hahn"

Die Festnahme der Führungsspitze des chinesischen HNA-Konzerns hat auf seinen Hunsrück-Flughafen Hahn nach dessen Angaben keine Auswirkungen. HNA hält 82,5 Prozent am Hahn.  mehr...

STAND
AUTOR/IN