Geflüchtete sitzen in einem Airbus A400M der Bundeswehr. Die Bundeswehr hat weitere deutsche Staatsbürger und afghanische Ortskräfte aus Kabul evakuiert. (Foto: picture-alliance / Reportdienste, dpa Bildfunk, Marc Tessensohn)

Rettung aus Afghanistan

Flüchtlinge in Bitburg sorgen sich um zurückgelassene Angehörige

STAND

Eine Schussverletzung, Prellungen: Die Wunden der evakuierten Afghanen in Bitburg zeugen von einer dramatischen Flucht. Ihre Sorge aber gilt den zurückgebliebenen Angehörigen.

Auf dem Gelände der Aufnahmeeinrichtung für Asylbegehrende (AfA) in Bitburg ist es dennoch ruhig. Es ist kaum jemand von den mehr als 200 evakuierten Afghanen zu sehen. Ab und zu schaut eine Frau mit Kopftuch aus einem Fenster, drei kleine Mädchen in bunten, leuchtenden Kleidern laufen durchs Treppenhaus nach draußen.

Seit Sonntag ist der Gebäudekomplex auf dem Industriegebiet ihre vorübergehende neue Bleibe. Frank-Peter Wagner, der Leiter der Aufnahmeeinrichtungen in Rheinland-Pfalz, sagt, sie waren sehr erschöpft und werden jetzt ärztlich und psychologisch betreut. Denn die körperliche und seelische Versorgung der Menschen stehe nun im Vordergrund.

"Wir haben jemanden, der unbehandelte Schussverletzungen hatte oder Frauen mit Prellungen, weil sie auf dem Weg zum Flughafen oder am Flughafen geschlagen wurden."

Spielende Kinder im Hof der AfA Bitburg (Foto: SWR)
Die Aufnahmeeinrichtung für Asylbegehrende (AfA) in Bitburg.

Viele mussten Angehörige zurücklassen

Ein Mitarbeiter des Integrationsministeriums, der Muttersprachler ist, redet mit den Geflüchteten und vermittelt. Es seien teils Familien mit kleinen Kindern dabei, die nun nach und nach erzählten, was ihnen zugestoßen ist, sagt Frank Peter Wagner. Viele von ihnen hätten noch Angehörige in Kabul oder anderen Orten Afghanistans. "Entsprechend versuchen wir da auch über die Bundesregierung, Kontakt herzustellen. Einige hatten auch schon telefonischen Kontakt mit ihren Angehörigen, damit sie wenigstens mitteilen konnten, dass sie hier in Deutschland gut angekommen sind."

Wie es für die Flüchtlinge aus Afghanistan nun weitergeht, ist noch offen. Sie müssten wegen der Coronapandemie zwei Wochen in Quarantäne bleiben und bekämen eine Impfung angeboten, sofern sie nicht schon geimpft sind.

Die Aufnahmeeinrichtung für Asylbegehrende (AfA) in Bitburg (Foto: SWR)
Inzwischen sind fast alle Zimmer in der Unterkunft in Bitburg belegt.

Zukunft ungewiss

Bundesbehörden müssten nun klären, wer von den Geflüchteten zu den Ortskräften gehört, die in Afghanistan für deutsche Einrichtungen gearbeitet haben, ob jemand schon Angehörige in Deutschland hat. Wie lange die aus Kabul Geflüchteten in Bitburg bleiben, sei deshalb noch offen.

"Letztendlich werden wir in Rheinland-Pfalz 4,8 Prozent einer noch unbekannten Zahl Geflüchteter aus Afghanistan aufnehmen." 

Ramstein

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Am Morgen SWR4 Rheinland-Pfalz

Ministerin Katharina Binz (Grüne) sagte: "Rheinland-Pfalz ist bereit, seine Verpflichtungen gegenüber diesen Menschen zu erfüllen, die durch ihre jahrelange Arbeit für deutsche Dienststellen nunmehr einer Gefahr für Leib und Leben ausgesetzt sind." Sie hoffe, dass die Evakuierungen erfolgreich seien. Nun sollten die Ankömmlinge in der Aufnahmeeinrichtung erst einmal zur Ruhe kommen.

Ramstein-Miesenbach

Drehkreuz für Rettungsflüge Alle Geflüchteten aus Afghanistan sollen von der Air Base Ramstein ausgeflogen werden

Mehr als 28.000 Menschen aus Afghanistan sind mittlerweile im pfälzischen Ramstein angekommen. Für sie sei die Air Base nur eine Zwischenstation, betonen die USA.  mehr...

Am Nachmittag SWR4 Rheinland-Pfalz

Bund hat Sicherheitsüberprüfung vorgenommen

Nach Auskunft des Integrationsministeriums sind unter den Evakuierten viele Familien. Der Bund habe von allen eine Sicherheitsüberprüfung vorgenommen und ein zunächst 90 Tage gültiges Visum ausgestellt.

Laut ADD ist es noch unklar, welchen genauen Hintergrund die Flüchtlinge haben. Sollte es sich um Ortskräfte handeln, könnten sie relativ zügig auf Kommunen verteilt werden. Die anderen müssen ein normales Asylverfahren durchlaufen. Neben 200 Afghanen, die die Bundeswehr aus Kabul evakuiert hat, sind in Bitburg auf Wunsch des Bundes auch 15 Afghanen untergebracht, die auf der Airbase Ramstein gelandet waren. Ob in Bitburg noch weitere afghanische Flüchtlinge vom US-Flugplatz Ramstein aufgenommen werden, sei noch offen.

Das Land Rheinland-Pfalz hat dem Bund insgesamt 250 Aufnahmeplätze in Mehrbettzimmern in der AfA Bitburg angeboten. 215 Plätze seien aktuell belegt. Dies ergibt sich daraus, dass bei Einzelreisenden und Familien jeweils im Zimmer Betten frei bleiben. Wie viele weitere Plätze in Bitburg oder an anderen AfA-Standorten unter Pandemiebedingungen zeitnah angeboten werden, werde gegenwärtig geprüft.

US-Airbase Ramstein zentraler Teil der Rettungsaktion

Außenminister Heiko Maas (SPD) hatte vergangenen Freitag bekannt gegeben, dass der Militärflughafen in der Pfalz als Drehkreuz für die Rettungseinsätze aus Afghanistan eingesetzt werden soll. Die Amerikaner hatten Anfang der Woche damit begonnen, Menschen aus der afghanischen Hauptstadt auszufliegen, nachdem die Taliban Kabul eingenommen hatten.

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