Am Heuschreckbrunnen in der Nagelstraße in Trier wurde Fischers Maathes mit seiner Pfeife verewigt. Der Künstler Willi Hahn gestaltete Maathes hier mit den anderen Trierer Originalen, die gemeinsam die Karnevalsgesellschaft Heuschreck gründeten. (Foto: SWR, Lara Bousch)

Der Prototyp des Trierers

Vieztrinker, Karnevalist, Revolutionär: Trierer "Fischers Maathes" wird 200

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Lara Bousch

So einen gibt es nur einmal: Das Trierer Original "Fischers Maathes" wäre am Sonntag 200 Jahre alt geworden. Was hat ihn so bekannt gemacht hat, dass selbst Stadtführer an ihn erinnern:

Der Trierer Stadtführer Alf Keilen weiß so einiges über "Fischers Maathes" zu erzählen. Alf Keilen spielt den Nachtwächter bei seinen historischen Stadtführungen. In dieser Rolle erzählt er, dass es kaum eine Nacht in Trier gab, in der man Maathes zu seinen Lebzeiten nicht in einem Lokal der Stadt begegnet sei. "Meistens trifft man Maathes in der Nähe von zwielichtigen Spelunken."

Fischers Maathes verkörpert den Trierer Mutterwitz

"Maathes ist ein typischer Trierer. Es gibt keinen nach und vor ihm, der so gewandt auf Trierisch antworten und alles parieren konnte.", erzählt Stadtführer Alf Keilen. Mit seinem Humor und seiner Redegewandtheit hat seine Person die Zeit überdauert. Typisch für "Fischers Maathes" sind sein Schnurrbart, seine lange Pfeife und seine Vorliebe für Viez, den er natürlich nur, wie es sich in Trier gehört, aus einer Porz trinkt.

Maathes und die Stadt Trier

Fischers Maathes war nicht nur für seine Scherze bekannt. Er war Inhaber unterschiedlicher Geschäfte, hat Gewürze, Zigarren und Tabak verkauft. Und er hat die Trierer Karnevalsgesellschaft Heuschreck mitgegründet. Dort hat er sich auch als Büttenredner einen Namen gemacht.

Auch heute noch kann man Fischers Maathes mit dem Karnevalsverein in Verbindung bringen. In der Nagelstraße in Trier ist er am Heuschreckbrunnen verewigt worden, gemeinsam mit den anderen Mitbegründern.

Mit Karl Marx für die Revolution

Gemeinsam mit Karl Marx, der mit Maathes als Kind die Schule besuchte, war er politisch aktiv im Demokratischen Verein. Auch wenn man ihn dort - so wird berichtet - eher als Witzbold schätzte als für große politische Diskurse, bewahrte er viele Trierer nach der Revolution von 1848 vor politischen Repressalien, indem er belastende Dokumente im Weißhauswald vergrub.

Auch das Geburtshaus von "Fischers Maathes" in der Brotstraße ist erhalten geblieben.

Hier zu sehen ist das Geburtshaus von Maathes Fischer, in der Brotstraße Nummer 26. Das Haus konnte vor ein paar Jahen vor einem Abriss gerettet werden und wird aktuell saniert. (Foto: Stadtarchiv Trier)
In der Brotstraße Nummer 26 ist das Geburtshaus von Maathes Fischer. Das Haus konnte vor ein paar Jahren vor einem Abriss gerettet werden und wird aktuell saniert. Stadtarchiv Trier

Nach einem Streit zwischen den ehemaligen Besitzern und der Stadt konnte es vor einem Abriss bewahrt werden. Die neuen Besitzer sanieren es zur Zeit. Daher ist das Haus zu Zeit hinter Planen verschwunden. Am Eingang hängt eine Gedenktafel, die an Fischers Maathes erinnert.

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Stadtführungen und Ausstellungen

Zum 200. Geburtstag des Trierer Originals "Fischers Maathes" gibt es in seiner Heimatstadt Trier zahlreiche Veranstaltungen.

In den 1930ern haben Heimatforscher das Leben mit Anekdoten und Scherzen von Maathes in zwei Bänden zusammengetragen. Dieser Zeitungsausschnitt wirbt für den ersten Band. (Foto: Stadtarchiv Trier/Sammlung Laven)
In den 1930ern haben Heimatforscher das Leben mit Anekdoten und Scherzen von Maathes in zwei Bänden zusammengetragen. Dieser Zeitungsausschnitt wirbt für den ersten Band. Stadtarchiv Trier/Sammlung Laven Bild in Detailansicht öffnen
Bei der Werbung zum zweiten Band mit einer Sammlung von Anekdoten wird Maathes klassisch mit seiner langen Zigarre, Schnurrbart und im Morgenmantel dargestellt. Stadtarchiv Trier/Sammlung Laven Bild in Detailansicht öffnen
Fischers Maathes galt, wie zu sehen auf dieser Postkarte, 1902, wie heute mit seinem Humor und seiner Art als Trierer Original. Stadtarchiv Trier/Sammlung Laven Bild in Detailansicht öffnen
Matthias Fischers Geburtsurkunde hält fest, dass er am 10 April 1822 in Trier geboren wurde. Er war der jüngste Sohn von fünf Kindern von Buchbinder Johann Fischer und seiner Frau Susanne Fischer. Stadtarchiv Trier Bild in Detailansicht öffnen
In der Brotstraße Nummer 26 ist das Geburtshaus von Maathes Fischer. Das Haus konnte vor ein paar Jahren vor einem Abriss gerettet werden und wird aktuell saniert. Stadtarchiv Trier Bild in Detailansicht öffnen
Am Heuschreckbrunnen in der Nagelstraße in Trier wurde Fischers Maathes mit seiner Pfeife verewigt. Der Künstler Willi Hahn gestaltete Maathes hier mit den anderen Trierer Originalen, die gemeinsam die Karnevalsgesellschaft Heuschreck gründeten. Lara Bousch Bild in Detailansicht öffnen

Im Lesegarten der wissenschaftlichen Bibliothek in der Weberbachstraße gibt es eine Kabinettausstellung mit historischen Fotografien, Zeitungsausschnitten und Postkarten zu Fischers Maathes. Sie wird am Sonntag, 10. April, mit Lesungen von Anekdoten von Fischers Maathes eröffnet und geht bis zum 10. Mai. Vorgetragen werden die Anekdoten von zwei Trierer-Mundart-Originalen, die als Büttenredner der Karnevalsgesellschaft "Heuschreck" bekannt sind, von Helmut Leiendecker und Rainer Lubeck.

Auch der Stadtführer Alf Keilen erinnert an Fischers Maathes in seinen historischen Stadtführungen am 9. und 10. April.

"Besser duth gelaacht als wie freckt geärjert“ ("Besser einmal tot gelacht als sich kaputt geärgert")

Am Sonntag, den 10. April gründet die Stadtbücherei Trier zusammen mit dem Demenzzentrum e.V. offiziell einen "Fischers Maathes Buchclub" für Menschen mit Demenz. Hier sollen Texte in Trierer Mundart gelesen werden. Auch Vorträge sind geplant.

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Auch die Trierer Viezbruderschaft würdigt "Fischers Maathes". Viez war Maathes liebstes Getränk während seiner zahlreichen Kneipengänge. Für den 200. Geburtstag des Trierer Original Fischers Maathes hat die Künstlerin Nadja Selting eine Porz - also einen Viezkrug aus Ton - nach Maathes gestaltet. Denn:

"Nuren aus d‘r Porz schmeckt dä‘ Viez su richtisch gammer." ("Nur aus der Porz schmeckt der Viez so richtig gut")

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