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Im ADFC-Fahrradklima-Test 2020 kommt Trier in Sachen Fahrrad-Freundlichkeit nicht gut weg. Der SWR hat sich das genauer angeschaut - ganz sportlich auf dem Fahrrad!

Ein Lastwagen nähert sich Radfahrern von hinten. Rechts am Straßenrand parken Autos. Ausweichmöglichkeiten gibt es keine, die Straße ist schmal. Als der Lkw vorbei rauscht, schneidet er den Radfahrern den Weg ab. Sicherheitsabstand? Keine Spur.

So oder ähnlich scheint es vielen Fahrradfahrern in Trier zu gehen, denn sie geben ihrer Stadt in Sachen Fahrrad-Freundlichkeit nur eine 4,2 im ADFC-Fahrradklima-Test 2020. Dieser beurteilt Städte in Form von Schulnoten: 1 ist sehr gut, 5 dagegen mangelhaft.

Die Stadt Trier belegt in ihrer Städtegruppe nur Rang 29 von 41. Das ist immerhin eine Verbesserung zu 2018, da war es noch Platz 32. Eingeteilt werden die Städtegruppen nach der Zahl ihrer Einwohner, Trier ist daher in der Städtegruppe mit 100.000 bis 200.000 Einwohnern.

Aus Sicht des ADFC hat sich die Fahrrad-Freundlichkeit in Trier damit nicht wirklich verbessert. Es mangelt noch immer an Sicherheit und Akzeptanz für Radfahrer im Verkehr.

Diese sieben Orte sind besonders problematisch

Julia Raser, die Mobilitätsbeauftragte der Greenpeace Ortsgruppe Trier, kann das Ergebnis nachvollziehen. Sie hat uns mitgenommen auf eine Radtour durch Trier und an sieben Beispielen deutlich gemacht, was Radfahrer in Trier so alles auf sich nehmen müssen.

Los ging es an der Porta Nigra in Richtung Trier Nord. Schon nach nicht einmal 500 Metern halten wir das erste Mal an. Die Paulinstraße ist zwar als Radfahrstraße ausgewiesen, ist aber viel zu eng und viel zu stark befahren, als dass Autos und Radfahrer hier gemeinsam komfortabel Platz finden könnten.

Regelmäßige Überholmanöver

"Obwohl uns hier auf der Straße schon mehrfach Kennzeichnungen für Radfahrer begegnet sind, bin ich jetzt schon zweimal von einem Bus und einem großen Pkw überholt worden. Beide Male wurde der Sicherheitsabstand von 1,50 Meter nicht eingehalten", erklärt Julia Raser.

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Radfahrer werden hier regelmäßig riskant überholt und geschnitten, sicher fühle sie sich hier als Radfahrerin überhaupt nicht. Das sieht aber nicht nur sie so, auch die rund 260 Befragten des ADFC Fahrradklima-Tests geben Trier in der Kategorie Sicherheitsgefühl nur eine 4,6. In der Schule wäre Trier mit so einem Testergebnis durchgefallen.

Parkende Autos versperren die Sicht

Weiter geht es in ein Wohngebiet mit vielen Einbahnstraßen. Viele davon sind für Radfahrer auch in der Gegenrichtung befahrbar, stellen aber genau deshalb auch ein hohes Sicherheitsrisiko für sie dar, meint Julia Raser.

Als sie in die Arnoldistraße einbiegt, muss sie fast eine Vollbremsung hinlegen. "Das Problem ist jetzt gewesen, dass das Auto, das mir entgegengekommen ist, mich nicht gesehen hat, weil ich durch die parkenden Autos leider versteckt wurde", erklärt sie.

Viele Parkplätze für Autos, aber kein Radweg

Ihr fehlt besonders bei Autofahrern das Bewusstsein dafür, dass sie ihnen als Radfahrerin in einer Einbahnstraße entgegenkommen kann. Wenn parkende Autos dann auch noch die Sicht auf die Straße versperren, wird es besonders kritisch für Radfahrer.

Ein Stück weiter sind wir auf einem besonders langen und geraden Abschnitt der Güterstraße unterwegs. Rechts und links sind Parkplätze für Autos, aber kein Radweg.

Kaum Platz für Radfahrende

"Radfahrer finden hier keinen Platz, erst recht nicht in Gefahrensituationen. Weichen sie nach links aus, geraten sie in den Gegenverkehr. Weichen sie nach rechts aus, kollidieren sie mit geparkten Autos", beklagt Julia Raser die Situation an dieser Stelle.

Ähnliche Verhältnisse fänden sich in der Karl-Marx-Straße oder der Bollwerkstraße. Auch im ADFC-Fahrradklima-Test schneidet Trier bescheiden ab, wenn Radfahrer sich die Straße mit Pkw teilen müssen. Die Befragten geben hier nur die Note 4,7 – mangelhaft.

Radwege schlecht ausgeschildert

Als wir die Olewiger Straße und den dahinter liegenden zweispurigen Kreisel erreichen, müssen wir absteigen.  Wo genau man hier als Radfahrer fahren soll und darf, ist viel zu schlecht ausgeschildert – auf dem Bürgersteig oder der Straße?

Eine Unterführung leitet Fußgänger und Radfahrer unter dem Kreisel hindurch. "Diese ist aber von der Olewiger Straße kommend überhaupt nicht zu sehen und auch nicht ausgeschildert, sodass man als Radfahrer Gefahr läuft, in den zweispurigen Kreisel hineinzufahren", so Julia Raser.

Sie bemängelt außerdem, dass es am Gymnasium auf der gegenüberliegenden Straßenseite zwar jede Menge Stellplätze für Fahrräder gibt, aber überhaupt keinen sicheren Radweg. Besonders für die jüngeren Schüler stelle das eine große Herausforderung dar.

Unklare Wegeführung

Hier muss man sich auskennen, um zu wissen, wie man sicher von einer Seite des zweispurigen Kreisels auf die andere kommt.

Nun geht es auf einem breiten Radweg in der Mitte der Südallee weiter, doch die Freude darüber wärt nicht lange. "Es gibt immer wieder Radwege, die gerade auf besonders engen und viel befahrenen Straßen plötzlich im Nichts enden", erklärt Julia Raser, als wir die Saarstraße erreichen.

Nur gut 20 Meter Radweg führen uns sicher über die Kreuzung, dann ist Schluss. "Zudem begrüßt uns da direkt eine Baustelle, es gibt aber überhaupt keine Alternativen für Radfahrer."

Mangelnde Beschilderung an Baustellen beklagen auch die Befragten des ADFC-Tests. Hier bekommt Trier nur eine 4,9, eine der schlechtesten Noten insgesamt.

Hohe Bordsteinkanten schwer zu überwinden

Als nächstes zieht es uns hinunter an die Mosel. Die Moselradwege sind besonders bei Touristen sehr beliebt. Darum kann Julia Raser nur schwer verstehen, warum es Radfahrern am Übergang vom Moselradweg West zur Kaiser-Wilhelm-Brücke so schwer gemacht wird.

Will man von der Mosel hinauf zur Brücke, muss man zunächst durch eine Unterführung und dann eine Kreuzung mit drei Fußgängerampeln überqueren.

Die Bordsteinkanten an dieser Kreuzung sind aber so hoch, dass sich Radfahrer schnell eine Acht in die Felge fahren oder hinfallen. Alternativ können sie nur absteigen und schieben.

Radwege enden im Nichts

Letzte Station: Theodor-Heuss-Allee in Richtung Porta Nigra. Aus der Bahnhofstraße kommend, können wir zunächst der Busspur folgen. Diese ist für Radfahrer freigegeben. Dann gibt es auf der Theodor-Heuss-Alle noch einen etwa 50 Meter langen Radweg, der erneut mitten im Nichts endet.

An dieser Stelle gibt es keine Ampel, der Radweg geht aber auf dem Grünstreifen in der Mitte weiter. Nur wer das weiß, kann an der vorherigen Ampel schon in die Mitte wechseln, aber auch da teilweise nur über ungesicherte Überwege.

Hoffnung auf Veränderungen

Für Julia Raser ist das alles andere als akzeptabel und so fällt auch ihr Resümee unserer Fahrrad-Tour aus: "Ich habe mich sehr unsicher gefühlt. Ich wusste oft nicht, wo ich mit meinem Fahrrad lang fahren soll und mir hat oft die Akzeptanz von anderen Verkehrsteilnehmern gefehlt.

Auch Kleinigkeiten wie die hohen Bordsteinkanten machen es schwer. Insgesamt habe ich mich auf dieser Tour auf meinem Fahrrad nicht wohl gefühlt." Julia Raser wünscht sich, dass die Ergebnisse des ADFC Fahrradklima-Tests auch in Trier endlich Veränderungen anstoßen und die Situation von Radfahrern endlich richtig verbessert wird.

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