Für Betriebe in der Region Trier wird es immer schwieriger, Personal zu finden.  (Foto: SWR)

Tausende Stellen sind 2021 unbesetzt geblieben

Was Firmen gegen den Fachkräftemangel in der Region Trier tun

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Für Betriebe in der Region Trier wird es immer schwieriger, Personal zu finden. Fast alle Unternehmen haben zu kämpfen, manche setzen auf kreative Ideen.

Roman Wagner ist ratlos. Seit Monaten wirbt der Schweicher Optiker erfolglos um Mitarbeiter. Inzwischen fehlen in seinen zwölf Filialen sieben Leute. "Wenn sich daran in den nächsten Jahren nichts ändert", sagt der Chef der gleichnamigen Firma, "dann müssen wir vielleicht Läden schließen."

Optiker Roman Wagner aus Schweich hat nach eigenen Angaben "alles versucht", um neue Leute zu finden.  (Foto: SWR)
Optiker Roman Wagner aus Schweich hat nach eigenen Angaben "alles versucht", um neue Leute zu finden.

Und Wagner ist nicht der einzige Unternehmer aus der Region Trier, der in solchen Schwierigkeiten steckt. "Viele Betriebe suchen händeringend nach Fachkräften", sagt Heribert Wilhelmi, Geschäftsführer der Arbeitsagentur Trier.

Nähe zu Luxemburg verschärft Problem

Die Hauptursache für den Mangel an Arbeitskräften ist der demografische Wandel. Immer mehr Menschen erreichen in Deutschland das Rentenalter. Es gibt aber zu wenig Nachwuchs, der in die Arbeitswelt einsteigt.

In der Region Trier kommt noch die Nähe zu Luxemburg hinzu. Das Großherzogtum lockt viele Deutsche mit hohen Löhnen über die Grenze.

Zudem herrscht mit einer Arbeitslosenquote von 3,7 Prozent annähernd Vollbeschäftigung. Und von den wenigen Arbeitssuchenden haben mehr als die Hälfte laut Arbeitsagentur Trier keine Berufsausbildung, die sie für die nachgefragten Jobs qualifizieren würde.

26 Prozent mehr offene Stellen als 2020

Dieses Problem ist lange bekannt, es hat sich aber im vergangenen Jahr verschärft.  2021 gab es laut Bilanz der Agentur 13.261 offene Stellen - und somit gut 3.000 und 26 Prozent mehr als 2020. 

In manchen Branchen ist der Mangel besonders groß. Stefanie Adams, die das operative Geschäft der Arbeitsagentur leitet, nennt exemplarisch das Handwerk, die Gastronomie und die Altenpflege. Berufsgruppen, bei denen es im Schnitt mehr als ein Dreiviertel Jahr dauert, bis eine offene Stelle besetzt werden kann.

"Der Markt ist leer."

Der Steil-Gruppe mit Standorten in Trier, Bitburg und Altrich (Landkreis Bernkastel-Wittlich) fehlen vor allem Lastwagenfahrer. "Wir könnten sofort fünf Fahrer einstellen", sagt Christian Kühnel, Geschäftsführer des Betriebs, der gewerblichen Abfall entsorgt: "Aber der Markt ist leer."

Für den Sommer, wenn die Pandemie wieder abebbt und die Wirtschaft wieder an Fahrt aufnimmt, sieht der Chef daher schwarz: "Wenn die Lieferketten wieder laufen wie vor der Krise, dann weiß ich nicht, wo wir die Leute herholen sollen."

Braucht es ein neues Zuwanderungsgesetz?

Die Arbeitsagentur Trier reagiert auf die Krise bereits seit Jahren mit Qualifizierungsangeboten. Beschäftigte sollen motiviert werden sich weiterzubilden. Firmen werden unterstützt Fortbildungen zu ermöglichen.  157 Mal hat das im vergangenen Jahr in der Region geklappt, heißt es bei der Arbeitsagentur.

Eine Stelle als Heizungsbauer zu besetzen, hat 2021 im Schnitt 248 Tage gedauert. Kein Wunder, dass die Firma Schottler aus Salmtal mit Werbung nach Mitarbeitern sucht.  (Foto: SWR)
Eine Stelle als Heizungsbauer zu besetzen, hat 2021 im Schnitt 248 Tage gedauert. Kein Wunder, dass die Firma Schottler aus Salmtal mit Werbung nach Mitarbeitern sucht.

Zudem läuft in Trier ein Programm, um ausländische Fachkräfte für die Arbeit in der Region zu begeistern. So konnten seit Ende 2020 insgesamt 39 Azubis und vier Fachkräfte aus Ägypten, Marokko und Tunesien für die Gastronomie und die Elektrotechnik an 17 Unternehmen in der Region vermittelt werden.

Für Kühnel von der Steil-Gruppe wird allerdings noch längst nicht genug getan, um ausländische Fachkräfte nach Deutschland zu holen. Ein neues Zuwanderungsgesetz muss her, fordert der Bitburger: "Wir brauchen diese Leute dringend."

"Arbeitgeber müssen sich bei Arbeitnehmern bewerben."

Doch auch Firmen sollten sich nach Ansicht der Fachleute bewegen. "Vielen Unternehmen ist es inzwischen bewusst, dass sie sich um Beschäftigte bemühen müssen", sagt Stefanie Adams von der Arbeitsagentur.  

Verstanden hat das auch der Wittlicher Fensterbauer Helmut Meeth. "Der Trend geht inzwischen dahin, dass der Arbeitgeber sich beim Arbeitnehmer bewerben muss", sagt Daniela Meeth, Leitung Organisation und Personal des Eifeler Betriebs.

4-Tage-Woche als neues Arbeitsmodell

Daher geht die Helmut Meeth GmbH neue Wege. Ab März 2022 will das Unternehmen seinen Mitarbeitern in der Aluminium-Bau-Abteilung eine Vier-Tage-Woche ermöglichen. Für 36 Stunden Arbeit sollen die Beschäftigten dann das gleiche Gehalt bekommen wie zuvor für 40 Stunden.

Ein Angebot, das laut Meeth für einige Aufmerksamkeit gesorgt hat: "Wir haben schon sehr viele Bewerbungen bekommen. Das Interesse ist groß" - allerdings auch der Personalbedarf des Unternehmens.

Gut 20 Stellen seien allein in der Produktion unbesetzt, hinzukommen Vakanzen in Verwaltung und Vertrieb. Das Unternehmen setzt dieser Mangel unter Druck, wie Meeth sagt. Es fallen Überstunden an, um die gute Auftragslage abzuarbeiten. Sollte sich die Lage noch verschärfen, könnte es zu Lieferengpässen kommen.

Gehälter, die vor Jahren noch undenkbar waren

Auch Optiker Roman Wagner hat nach eigenen Angaben "alles versucht", um neue Leute zu finden.

Inzwischen zahle er Gehälter, die vor einigen Jahren undenkbar hoch gewesen wären. Es gibt auch mehr Zugeständnisse bei der Urlaubsplanung.

Und dennoch will es nicht recht klappen, sagt Wagner: "Wir müssen langfristig planen, aber das ist in der gegenwärtigen Lage kaum möglich."

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