Feuerspeiende Drohne von Westenergie in Gerolstein. (Foto: SWR)

Energieunternehmen setzt in Gerolstein auf moderne Technik

Wie feuerspeiende Drohnen bei Arbeiten am Stromnetz helfen

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Anna-Carina Blessmann
Anna-Carina Blessmann am Mikrofon (Foto: SWR)

Sie werden nicht nur bei Filmaufnahmen, in Kriegen oder von Hobbypiloten eingesetzt: Drohnen machen auch die Arbeit eines Energieunternehmens in der Region Trier einfacher, sicherer und nachhaltiger.

Eine Drohne fliegt in die Luft und spuckt plötzlich Feuer. Was nach einer Spielerei aus einem Actionfilm klingt, ist tatsächlich enorm nützlich: Das Unternehmen Westenergie setzt Drohnen wie diese ein, wenn sich mal wieder ein Flugdrachen oder Luftballon in einer Hochspannungsleitung verfangen hat.

Der Fremdkörper kann dann einfach von der Leitung weggebrannt werden, sagt Thomas von Polheim, zuständig für Hochspannungsleitungen beim Netzbetreiber Westnetz, einem Tochterunternehmen von Westenergie. Früher habe man für solche Arbeiten eine Arbeitsbühne holen müssen.

"Man kann sich vorstellen: Wenn die Leitung auf dem Feld steht oder 80 Meter hoch hängt, ist es ein immenser Aufwand, da mit einer Arbeitsbühne dranzukommen. Dann reden wir wahrscheinlich von Tagen. Mit der Drohne kann ich relativ schnell die Leitung wieder schaltklar machen."

Drohnen sind schneller als alles andere

Andere Drohnen der Westenergie können zwar kein Feuer speien, dafür haben sie aber Kameras montiert, mit denen sich sehr genau Leitungen in großer Höhe überprüfen lassen. Andere Drohnen helfen beim Ausmessen von Baustellen, etwa für neue Umspannungswerke. Probleme mit den magnetischen Feldern der Strommasten gebe es dabei kaum.

Mit dieser Drohne fliegt Westenergie über seine Baustellen, zum Beispiel von neuen Umspannwerken. Damit lassen sich präzise Aufnahmen und Messungen machen, die beim Bau helfen. (Foto: SWR, Anna-Carina Blessmann)
Mit dieser Drohne fliegt Westenergie über seine Baustellen, zum Beispiel von neuen Umspannwerken. Damit lassen sich präzise Aufnahmen und Messungen machen, die beim Bau helfen. Anna-Carina Blessmann Bild in Detailansicht öffnen
So aufwändig waren Arbeiten am Stromnetz bevor es Drohnen gab. Wo früher ein Hubschrauber losfliegen musste und Sprit verbraucht hat ... Westenergie Bild in Detailansicht öffnen
... können heute Drohnen wie diese losgeschickt werden. Dank Scheinwerfern sind auch Arbeiten in der Nacht möglich. Anna-Carina Blessmann Bild in Detailansicht öffnen
So wie hier mussten Mitarbeitende des Energieunternehmens früher immer auf Strommasten steigen, um diese zu warten oder nach Fehlern zu suchen. Sie waren gesichert, ein Restrisiko bestand aber immer noch. Heute sind diese Einsätze laut Westenergie wegen der Drohnen seltener. Westenergie Bild in Detailansicht öffnen
Die Drohnen können Schäden wie diese an Leitungen genau aufspüren. Anna-Carina Blessmann Bild in Detailansicht öffnen
Die feuerspeiende Drohne kann Fremdkörper von einer Hochspannungsleitung wegbrennen. Anna-Carina Blessmann Bild in Detailansicht öffnen
Die Drohne in dieser Garage in Gerolstein hat eine Reichweite von 150 Kilometern und könnte deshalb auch von Hamburg aus gesteuert werden. Andreas Adam Bild in Detailansicht öffnen

Die Arbeit zu vereinfachen, ist nicht der einzige Grund, warum Westenergie 50 Drohnen für unterschiedliche Zwecke einsetzt und rund 100 Pilotinnen und Piloten dafür ausgebildet hat. Patrick Wittenberg, Geschäftsführer von Westnetz, nennt als erstes die Versorgungssicherheit.

"Mit Drohnen können wir schneller Fehlerstellen bei uns im Netz erkennen", sagt Wittenberg. "Je schneller wir den Fehler erkennen, desto schneller können wir ihn auch reparieren und die Versorgung sicherstellen." Die Drohne sei in manchen Fällen um zwei Drittel schneller vor Ort als es ein Auto oder ein Hubschrauber wäre.

Drohnen können noch mehr

Denn auch mit Hubschraubern mussten Hochspannungsleitungen früher untersucht werden. Den Sprit dafür oder für lange Autofahrten zur Fehlerstelle spare man sich jetzt. Die Drohnen würden nämlich mit erneuerbaren Energien betrieben. Deshalb seien sie auch nachhaltig.

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Und sie sind vor allem sicher: Klassischerweise müssen Mitarbeitende von Energieunternehmen in luftige Höhen klettern, um Strommasten zu warten. Dabei sind sie zwar gesichert, ein Restrisiko bestehe aber, so Wittenberg. Wenn man eine Drohne mit Kamera hinschicken kann, werden Klettertouren seltener.

Auch bei der Flutkatastrophe 2021 hätten Drohnen geholfen, die richtigen Maßnahmen einzuleiten. Sodass Westenergie seine Kundinnen und Kunden schnellstmöglich wieder mit Strom versorgen konnte.

"Das war die erste Krise, die wir digital gemanagt haben. Das heißt, wir haben Bilder aufgenommen und hatten somit die Möglichkeit, relativ zügig einen guten Überblick über die Lage zu bekommen."

Drohnen mit Künstlicher Intelligenz

Mitarbeitende können die Drohnen vom Schreibtisch aus auf Sicht steuern, indem sie die Kameraaufnahmen live auf ihren Monitor gespielt bekommen. In einer neuen Garage, die seit April im Umspannwerk Gerolstein steht, wartet eine deutschlandweit erste Drohne ihrer Art auf ihren Einsatz. Deren Reichweite ist mit 150 Kilometern so groß, dass sie laut Westnetz auch aus Hamburg gesteuert werden könnte.

Und teilweise muss nicht mal mehr jemand am Schreibtisch sitzen und die Drohne dauerhaft beobachten: Schon jetzt fliegen einige Drohnen teil- oder vollautomatisiert. Westenergie "trainiert" eine künstliche Intelligenz, indem die Drohnen bei ihren Flügen zahlreiche Daten liefern, mit denen die KI arbeiten kann.

Wenn die Drohnen des Energieunternehmens in Gerolstein und der Region aufsteigen, auch die feuerspeienden, dann spielt sich also eher noch als ein Actionfilm ein wahr gewordener Science-Fiction-Film ab.

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