Das Löwengehege im Eifel-Zoo Lünebach ist auf einem Hochfundament gebaut und wurde deshalb nicht überschwemmt. (Foto: SWR)

Vier Wochen nach Hochwasser der Prüm

Deshalb ist der Eifel-Zoo Lünebach beim Hochwasser mit einem blauen Auge davon gekommen

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Anna-Carina Blessmann

Zweimal Hochwasser in drei Jahren: 2018 wurde der Eifel-Zoo Lünebach heftig von den Wassermassen getroffen. Dass es diesmal beim Hochwasser Mitte Juli nicht so schlimm wurde, hat einen Grund.

Als der Eifel-Zoo Lünebach vor vier Wochen überflutet wurde, waren die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zwar vor starkem Regen gewarnt. Wie schnell und wie viel Wasser kam, das war aber doch überraschend, sagt Ken Reise, Teil der Parkleitung.

Nach drei Tagen Regen seien die Böden zwar gut nass gewesen. Und auch das Wasser des kleinen Bierbachs, eines Abzweigs der Prüm, der durch den Park fließt, sei gestiegen.

"Aber die Pegel waren nicht höher als im Winter, wenn der Schnee schmilzt. Erst zwei Gewitter haben das Fass zum Überlaufen gebracht", erinnert sich Reise.

Das Hochwasser Mitte Juli hat im Eifel-Zoo Lünebach Wege überschwemmt und verschlammt. (Foto: SWR)
Das Hochwasser Mitte Juli hat im Eifel-Zoo Lünebach Wege überschwemmt und verschlammt.

Flut vor fast genau drei Jahren

Das weckte beim Personal des Zoos Erinnerungen an 2018: Vor fast genau drei Jahren, am 1. Juni, war der Park schon einmal überflutet worden.

Damals waren einige Tiere ertrunken. Und ein Bär musste erschossen werden, nachdem er durch ein Loch im Zaun aus seinem Gehege ausgebrochen war.

Vorkehrungen gegen das Hochwasser

Diesmal konnte der Zoo schon wenige Tage nach der Flut wieder öffnen. Denn man hat aus der Vergangenheit gelernt, findet Parkleiter Reise.

Der Bierbach sei lange nur ein kleiner Strom gewesen. Man habe ihn vor einiger Zeit eigenhändig aufgebaggert. Dadurch hätten die Wassermassen noch eine Weile in den Bach fließen können, sodass das Gelände nicht sofort überflutet wurde.

Aus der ausgebaggerten Erde seien Hügel aufgeschüttet worden. Auf die hätten sich alle Tiere zurückziehen können. "Die Präriehunde oder die Bisons haben sich das Ganze dann von oben angeschaut", sagt Reise.

Tiere sind wohlauf

Auch das Känguru-Gehege sei nach 2018 so umgebaut worden, dass die Tiere entspannt in ein zweites Gehege auf dem Berg geleitet werden konnten, erzählt Reise: "Die Kängurus sind dann auch gemütlich dort hoch gehoppelt."

Die Kängurus konnten durch eine Erweiterung ihres Geheges auf einen Berg geführt werden. Ihnen ist deshalb nichts passiert. (Foto: SWR)
Die Kängurus konnten durch eine Erweiterung ihres Geheges auf einen Berg geführt werden. Ihnen ist deshalb nichts passiert.

Allen Tieren gehe es gut. Das Löwengehege sei auf Hochfundamenten gebaut, sodass es hier vollkommen trocken geblieben sei. Und manche Tiere hätten sich sogar über Regen und Schlamm gefreut.

"Die Davidshirsche kommen eigentlich aus Sumpfgebieten. Die hatten also ihren Spaß."

Außerdem war es laut Reise ein Vorteil, dass die Zäune der Gehege in kleinen Abständen mit dem Boden verankert sind. So konnten sie etwa von herumtreibenden dicken Baumstämmen nicht mitgerissen werden.

Pflanzen und Findlinge auf dem Gelände, aber auch der nahe gelegene Bahnhof hätten die Wassermassen und das Treibgut abgehalten.

Neue Lehren aus diesem Hochwasser

Dennoch gab es auch diesmal große Schäden am Zoo: Das Wasser habe das Futterlager komplett zerstört. Heu im Wert von rund 10.000 Euro sei dadurch vernichtet worden. Den Gesamtschaden kann Ken Reise immer noch nicht schätzen.

Deshalb wolle man auch diesmal wieder aus dem Hochwasser lernen, so Reise. Das Futter soll zum Beispiel künftig höher gelagert werden. In den Terrarien sollen Schienen eingebaut werden, in die man bei Bedarf Schutzwände einziehen kann.

Viel Hilfe durch Freiwillige

Im Zoo laufen immer noch Aufräum- und Sanierungsarbeiten. Dass er dennoch schon am Sonntag nach der Flut wieder öffnen konnte, liegt auch an den vielen freiwilligen Helferinnen und Helfern.

Freiwillige Helferinnen und Helfer haben unmittelbar nach dem Hochwasser zum Beispiel dabei geholfen, eingerissene Zäune wieder aufzubauen. (Foto: SWR)
Freiwillige Helferinnen und Helfer haben unmittelbar nach dem Hochwasser zum Beispiel dabei geholfen, eingerissene Zäune wieder aufzubauen.

Menschen aus Luxemburg und Belgien oder auch eine Pfadfindergruppe aus Köln kamen unmittelbar nach dem Hochwasser vorbei. Sie richteten Zäune wieder auf oder haben Futtermittel geliefert.

Gäste nach Coronakrise und Hochwasser wichtig

Ken Reise ist froh, dass jetzt wieder Besucherinnen und Besucher kommen können. Wenn es auch coronabedingt weniger sind, als sonst. Vor allem Luxemburger, Belgier und Niederländer blieben im Moment fern.

"Dafür, dass ich nach der Flut gedacht hatte: 'Wer hat denn jetzt Lust, in den Zoo zu fahren?', sind die Besucherzahlen ok."

Es wäre eine Katastrophe gewesen, wenn man jetzt noch einmal einen Monat hätte schließen müssen, sagt Reise. Dennoch ist er der Meinung, dass der Eifel-Zoo Lünebach beim Hochwasser noch einmal mit einem blauen Auge davon gekommen ist.

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