Eine Frau sucht Schutz in einem Frauenhaus. In der Eifel ist das derzeit nicht möglich.  (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)

Hilfsangebote für Betroffene

Drei Landkreise unterstützen Frauenhaus in der Eifel

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Immer mehr Frauen in der Region Trier sind von häuslicher Gewalt betroffen. Im Trierer Frauenhaus ist aber nicht genug Platz. Daher fordern Eifeler Kommunen ein zweites Haus.

Jeden Tag erleben Frauen in der Region Trier häusliche Gewalt. Wie groß das Problem ist, lässt sich allein an der Zahl der Notrufe ablesen, die beim Frauenhaus in Trier eingehen. 332 waren das im vergangenen Jahr. Das geht aus dem Jahresbericht der Einrichtung hervor.

"Oft gibt es eine Gewaltspirale, die sich über Jahre zieht", erklärt Mitarbeiterin Franziska Loos. Es fange häufig mit Beleidigungen und Bedrohungen an, mit psychischem Missbrauch und Kontrolle. Doch auch Betroffene von massiven Misshandlungen suchen Schutz im Frauenhaus. Wenn sie einen Platz finden.

Frauenhaus Trier ist ständig belegt

Das ist keine Selbstverständlichkeit. Denn die Kapazitäten sind begrenzt. 124 Frauen hat das Frauenhaus Trier im vergangenen Jahr nach eigenen Angaben nicht sofort aufnehmen können. Diese Frauen mussten warten oder wurden an andere Fachstellen vermittelt.


Denn in Trier stehen nur sieben Zimmer für maximal 18 Personen zur Verfügung. Und das Frauenhaus ist das einzige in der Region. "Wir bräuchten dringend eine weitere Einrichtung in der Nähe", sagt daher Franziska Loos.

Gleichstellungsbeauftragte fordern Frauenhaus in der Eifel

Diese Überlegung gibt es schon länger. Seit Jahren setzen sich die Gleichstellungsbeauftragten des Eifelkreises, des Vulkaneifelkreises und des Kreises Bernkastel-Wittlich für ein weiteres Frauenhaus in der Eifel ein.

Am Montag ist dieses Projekt nun einen entscheidenden Schritt vorangekommen. Denn der Kreistag in Bitburg hat einstimmig beschlossen, das Projekt zu unterstützen. Die beiden Nachbarkommunen hatten sich bereits für das Frauenhaus ausgesprochen.

27 Frauen aus den Eifeler Landkreisen abgewiesen

"Der Bedarf ist auf jeden Fall da", sagt Marita Singh, Gleichstellungsbeauftragte des Eifelkreises. 27 Frauen aus der Gegend rund um Bitburg, Wittlich, Daun und Prüm hätten allein im vergangenen Jahr keinen Platz im Frauenhaus Trier bekommen. Und durch Corona hat sich die Lage für viele betroffene Frauen in der Region offenbar verschärft.

"Jede Frau, die abgewiesen wird und keine Hilfe bekommt, ist eine zu viel."

Corona führt zu mehr häuslicher Gewalt

Im Jahresbericht des Frauenhauses Trier heißt es dazu: Isolation, finanzielle Probleme und Überforderung hätten zu mehr Gewalt in den Familien geführt. Zudem hätten die Frauen durch die Pandemie weniger Möglichkeiten, aus dem Alltag und somit vor aggressiven Partnern zu fliehen.

Das schlägt sich auch in der Zahl der Notrufe nieder. 2021 waren es rund 40 mehr als noch 2019, im letzten Jahr vor der Pandemie. Nach den ersten Lockdowns sei die Lage sogar noch gravierender gewesen.

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Hinzukommt laut Jahresbericht, dass es immer schwieriger wird, Wohnungen für die betroffenen Frauen zu finden. Diese hielten sich daher auch länger im Frauenhaus auf. Die Zimmer seien somit auch länger belegt als früher.

Land gibt erst 2024 Fördergeld

Marita Singh freut sich daher, dass der Kreistag nun zugunsten des Frauenhauses in der Eifel entschieden hat "und wir jetzt einen Beschluss auf dem Papier haben." Das Familienministerium hatte bereits signalisiert, das Anliegen zu unterstützen.

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Fördergeld vom Land soll es für das interkommunale Frauenhaus allerdings erst 2024 geben. Vorher muss ein Standort gefunden und die Frage der Finanzierung geklärt werden. Beides stehe noch nicht fest, so Singh.

Als Gleichstellungsbeauftragte wird Marita Singh die neue Einrichtung daher wohl nicht mehr mitbegleiten. Denn sie geht nach mehr als 20 Jahren Engagement für die Anliegen von Frauen in den Ruhestand. Sie hofft aber, dass auch danach weiter für das Thema gestritten wird.

Solange es nur ein Frauenhaus in der Region gibt, bleibt die 0651/74444 die zentrale Notrufnummer, um Hilfe zu bekommen. Erreichbar sind die Mitarbeiter montags bis freitags zwischen 9 und 22 Uhr sowie samstags, sonn- und feiertags zwischen 9 und 12 Uhr. Weitere Informationen gibt es hier.

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