Schwarz-weiß-Foto von Michael Billen  (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Harald Tittel)

24 Jahre Landtagsabgeordneter

CDU-Politiker Michael Billen verstorben

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Der langjährige CDU-Landtagsabgeordnete Michael Billen aus der Eifel ist tot. Das hat die CDU im Kreis Bitburg-Prüm bestätigt.

Billen erlag im Alter von 66 Jahren einer Leukämie-Erkrankung. Er hatte sich wegen seiner Krankheit zuletzt immer mehr aus dem politischen Geschäft zurückgezogen. Der Landwirt aus Kaschenbach in der Eifel war im Mai vergangenen Jahres nach 24 Jahren aus dem rheinland-pfälzischen Landtag ausgeschieden.

Billen galt als einer der markantesten CDU-Politiker im Land. Zuletzt war er noch als Kreisbeigeordneter im Eifelkreis tätig.

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Klöckner: "Eifler Original mit Ecken und Kanten"

Die CDU-Landesvorsitzende Julia Klöckner bezeichnete Billen als "ein Eifler Original, mit Ecken und Kanten, die seinen unverwechselbaren Charakter ausgemacht hätten". Der Vorsitzende der CDU-Landtagsfraktion, Christian Baldauf nannte Billen eine Persönlichkeit, die aus einem ganz besonderen Holz geschnitzt gewesen sei. Billen sei streitbar und vor allem ein Vorkämpfer für die Belange seiner geliebten Eifel gewesen.

Beileidskundgebungen kamen auch von der politischen Gegenseite: Billen sei "unüberhörbar, unübersehbar, unabhängig, konservativ und streitbar" gewesen, schrieb der langjährige SPD-Fraktionsvorsitzende und heutige Arbeitsminister Alexander Schweitzer auf Twitter.

Arbeitsminister Schweitzer (SPD) über Billen

Landtagspräsident Hendrik Hering sprach Billens Familie ebenfalls auf Twitter seine "aufrichtige Anteilnahme" aus. Der Parlamentarische Geschäftsführer der FDP-Fraktion, Marco Weber, der auch aus der Eifel stammt, würdigte Billen als "eine markante Persönlichkeit und Berufskollegen". Und: "Er war ein Eifeler. Durch und durch." Der Fraktionschef der Grünen im Landtag, Bernhard Braun, sagte, Billen habe seine Standpunkte unverblümt und direkt formuliert.

Michael Ludwig, Billens Nachfolger im Landtag und CDU-Chef im Kreis Bitburg-Prüm, nannte ihn einen engagierten Vertreter der Region. Die ganze Partei sei fassungslos.

Billen sorgte immer wieder für Schlagzeilen

So wurde nach der gescheiterten Fusion der Sparkassen des Eifel- und Vulkaneifelkreises sein Rücktritt gefordert. Im Zuge der sogenannten Polizeidaten-Affäre weigerte er sich, auf sein Landtagsmandat zu verzichten. Im offenen Streit mit der CDU-Landesvorsitzenden Klöckner setzte sich Billen durch, verlor dann aber sein Direktmandat.

Tiefpunkt seiner Karriere war eine Verurteilung zu einer Geldstrafe zu einer Geldstrafe von 3.600 Euro im Jahr 2013 durch das Landgericht Frankenthal. Er habe Beihilfe geleistet zur Verletzung von Dienstgeheimnissen. Billens Tochter - eine Polizistin - wurde ebenfalls zu einer Strafzahlung verurteilt. Sie hatte laut Gericht ihrem Vater 2009 geheime Polizeidaten beschafft, in denen es um mögliche Geschäftspartner der Landesregierung am Nürburgring ging. Billen hatte die Daten dem Urteil zufolge dann an die Presse weitergeleitet.

CDU-Bezirkschef: Billen hat für den ländlichen Raum gekämpft

Der CDU- Bezirksvorsitzende, Moritz Petry, aus der Eifel hob hervor, dass Billen stets eine klare politische Auffassung gehabt habe, die er dann auch durchgefochten habe. Er habe Verantwortung übernommen, auch da, wo es schwierig gewesen sei.

"Michael Billen hat anders als viele andere nie Angst gehabt, Entscheidungen zu treffen."

Petry betonte, dass sich Billen beispielgebend für den ländlichen Raum eingesetzt hat. Die Eifel sei am weitesten weg von Mainz, sagte er. Da habe es Billen oft schwer gehabt, Themen in der Landespolitik zu platzieren.

Michael Billen sei kein Jurist, kein Volkswirt gewesen. Aber der Landwirtschaftsmeister habe eine schnelle Auffassungsgabe gehabt und sich in Themen hinein gefuchst, so Petry. "Michael Billen hat anders als viele andere nie Angst gehabt, Entscheidungen zu treffen." Das hätten viele geschätzt.

Landrat Eifelkreis: Entwicklung der Eifelregion war sein Herzensanliegen

Auch der Eifelkreis Bitburg-Prüm trauert um Michael Billen. In einer Mitteilung des Kreises heißt es von Landrat Andreas Kruppert: "Mit Michael Billen verlieren wir einen über alle Maße engagierten Kollegen, dem die Entwicklung unserer Region ein echtes Herzensanliegen war und der sich über Jahrzehnte mit aller Kraft für unseren Kreis eingesetzt hat."

"Er wird uns sehr fehlen."

Joachim Streit (FWG): Billens Wort hatte Gewicht

Der ehemalige Landrat des Eifelkreises, Joachim Streit (FWG) hat jahrelang eng mit Michael Billen zusammengearbeitet. Billen war 1. Beigeordneter des Eifelkreises und hatte von Joachim Streit einen eigenen Geschäftsbereich Jugendhilfe und Bauen bekommen, wo er unter anderem ein Bauprogramm für Schulen verantwortete.

Streit hob hervor, dass Billens Wort stets Gewicht hatte. Billen habe es verstanden, Mehrheiten zu beschaffen. Dabei habe er ein untrügliches Gespür für das Machbare gehabt.

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