Brigitte Liebe fürchtet die nächste Gasrechnung.  (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)

Altbau nicht gedämmt

Mieterin aus Konz zahlt mehr als das Doppelte für Gas

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AUTOR/IN
Christian Altmayer
Foto von Christian Altmayer, Redakteur bei SWR Aktuell im Studio Trier (Foto: SWR)

Brigitte Liebe verbraucht viel mehr teures Gas, als sie müsste. Ihr Haus sei nicht genügend gedämmt, sagt sie. Der Vermieter wäre in der Pflicht, doch die Mieterin hat keine Handhabe.

Brigitte Liebe fürchtet die nächste Gasrechnung, denn am 1. Oktober endet der günstige Laufzeitvertrag bei ihrem bisherigen Anbieter. Und dann werden die Liebes mehr als den doppelten Preis zahlen müssen.

Bislang hat die fünfköpfige Familie aus Konz (Landkreis Trier-Saarburg) einen Abschlag von 120 Euro im Monat gezahlt. Nun werden es bald fast 300 Euro sein, in der Grundversorgung der Stadtwerke Trier.

"Wir müssen jetzt wirklich aufs Geld schauen. Wir können uns kaum noch Freizeitausgaben leisten."

Mieterin aus Konz vor ihren Abrechnungen (Foto: SWR, Christian Altmayer)
Brigitte Liebe fürchtet die nächste Gasrechnung. Christian Altmayer

Gas ist knapp und teuer geworden

Günstiger ist Gas für die Liebes nicht zu bekommen, seit nichts mehr durch die russische Pipeline Nord Stream 1 nach Deutschland fließt. Die in der Vergangenheit oft günstigeren alternativen Anbieter verlangen von der Konzer Familie für einen neuen Laufzeitvertrag 1.000 Euro im Monat und mehr. Das belegen Vergleichsportale im Internet.

Schon die rund 300 Euro für die Grundversorgung seien eine große Mehrbelastung, sagt Liebe. Und die Stadtwerke Trier planen nach eigenen Angaben eine baldige Preiserhöhung. Ab dem 1. Dezember wird das Gas für die Kunden rund um Trier mindestens 50 Prozent teurer werden - zusätzlich zur Gasumlage.

Altbau ist nicht ordentlich gedämmt

Die Kosten für die Familie aus Konz könnten dennoch niedriger sein, wenn sie nicht in einem Altbau leben würden. Denn dort heizen sie, wie Liebe sagt, "sehr viel Wärme zum Dach hinaus."

Das obere Geschoss ist nach ihrer Ansicht nicht ausreichend gedämmt. Unterm Dach gebe es nur eine alte, zerfallene Schicht Glaswolle. Im Winter ströme also kalte Luft rein und warme Luft raus. Daher müsse die Familie sehr viel Gas verfeuern, um das Haus warm zu bekommen.

30 Prozent Gasverbrauch könnte sie nach eigener Einschätzung einsparen, wäre das Dach ordentlich gedämmt. Doch dafür müsste der Vermieter sorgen. "Mit dem sind wir im Moment in der Verhandlung", sagt Liebe.

Brigitte Liebe aus Konz weiß nicht, wie sie ihren Gasabschlag in Zukunft bezahlen soll.  (Foto: SWR, Christian Altmayer )
Der Altbau in Konz ist nicht ausreichend gedämmt, sagt Mieterin Brigitte Liebe. Christian Altmayer

Hausbesitzer sind verpflichtet, Gebäude zu dämmen

Als Hausbesitzer hat der Vermieter eigentlich eine Verpflichtung dazu, sein Gebäude energetisch zu sanieren. So schreibt es seit 2020 das sogenannte Gebäudeenergiegesetz des Bundes vor. Dies soll dazu beitragen, Energie zu sparen und den Ausstoß von CO2 zu reduzieren.

Die Liebes haben als Mieter aber keinen Rechtsanspruch darauf, dass ihr Vermieter das Haus dämmt. So jedenfalls lautet die Einschätzung des Mietervereins Trier. Die Konzer dürften auch keine Mietminderung geltend machen, obwohl ihnen die Kosten aus dem Ruder laufen.

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Kontrollen gibt es also keine. Das Ministerium empfiehlt Mieterin Liebe stattdessen, sie solle den Vermieter auf die Erfüllung der Vorgaben aus dem Gesetz "hinweisen".

Familie denkt über Umzug nach

Brigitte Liebe hätte sich mehr Hilfe vom Staat gewünscht. Sie fühlt sich alleingelassen mit den hohen Preisen und ihrem schlecht gedämmten Haus. Am Ende wird der Konzerin - wie vielen anderen - dennoch nichts anderes übrig bleiben, als draufzuzahlen.

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