Evelyne und Max sind seit bald 13 Jahren ein Paar. (Foto: SWR, Anna-Carina Blessmann)

10. Tag der Diversität im SWR

Multinationales Paar: Liebe hat keine Grenzen

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Sie ist Schweizerin, er ist Argentinier - da sind Missverständnisse doch vorprogrammiert, oder? Doch Evelyne und Max aus Daun beweisen, wie bereichernd ihre Vielfalt ist.

Evelyne Dubosson-Wilneder trinkt einen Tee aus der garteneigenen Minze, ihr Mann Max Wilneder macht sich lieber einen Kaffee - das war es aber auch schon mit den großen Unterschieden zwischen den beiden.

Sogar ihre Kleidung - türkis und dunkelblau - ist aufeinander abgestimmt. Ohne dass sie das vorher gemerkt hätten. Der Argentinier und die Schweizerin aus dem französischen Teil des Landes leben seit mehreren Jahrzehnten in Deutschland.

Missverständnisse zwischen den Nationen

Einander gefunden haben sie aber erst vor bald 13 Jahren. Seitdem kann sie nichts trennen. Nicht einmal das unterschiedliche Zeitempfinden, sagt Evelyne: "Wenn wir absprechen, dass wir gleich losfahren wollen, dann frage ich schon: Schweizerisches oder argentinisches 'gleich'? Das ist ein riesiger Unterschied."

"Man weiß, wie die Schweizer ticken: Die Uhren, die Genauigkeit, die Pünktlichkeit. Und man kann sich vorstellen, wie die Argentinier auf der anderen Seite ticken." - "Wir Argentinier ticken gar nicht. Wir haben keine Uhr."

Am Anfang ihrer Beziehung musste Evelyne ein paar Mal drohen, ohne Max zu einem Termin zu fahren. Wenn es um 10 Uhr losgehen sollte, er aber noch nicht fertig war. "Ihr zuliebe nehmen wir jetzt das schweizerische 'gleich'", lacht Max.

Über diese Unterschiede denken die beiden aber erst nach, wenn sie danach gefragt werden. Denn eigentlich sind sie ein sehr harmonisches Paar. Wenn Max zum Beispiel beim Erzählen etwas abschweift, nimmt Evelyne den Faden wieder auf.

Online hat es gefunkt

Aber wie kommt es dazu, dass eine Schweizerin und ein Argentinier zusammen in Daun in der Vulkaneifel leben? Max war mit Anfang 20 aus Argentinien hierher gekommen - mit seiner ganzen Familie, die hier Wurzeln hat.

Evelyne kam nach der Handelsschule als Au-Pair nach Deutschland, um die Sprache zu lernen. Beide gründeten Familien, aber die ersten Ehen gingen irgendwann zu Ende.

Evelyne und Max ganz am Anfang ihrer Beziehung im November 2009. (Foto: privat)
Evelyne und Max ganz am Anfang ihrer Beziehung im November 2009. privat

Die beiden fanden sich schließlich Online. Evelyne war dabei sogar wichtig, jemanden kennenzulernen, der nicht nur Deutsch und Englisch spricht. Jemanden, der ihr Anderssein, ihr Heimweh nach der Schweiz und den Wunsch, den Kindern die Muttersprache beizubringen, versteht.

"Beim Online-Dating kann man eingeben, was man möchte und was man nicht möchte. Für mich war die Sprache dabei sehr wichtig. Auch Max ist aus dem Ausland gekommen und musste in Deutschland alles neu starten. Diese Erfahrung ist eine Bereicherung."

Keine Vorurteile von außen

Vorurteile von außen, weil die beiden aus verschiedenen Kulturkreisen kommen, hätten sie nicht erlebt. Was vielleicht auch daran liegt, dass sie schon zuvor lange in Deutschland gelebt hatten, sagt Evelyne: "Wir sind gemeinsam neu gestartet. Deshalb hat man sich keine Gedanken über unsere Herkunft gemacht. Weil wir beide so glücklich gestrahlt haben. Die Liebe hat keine Grenzen."

Es habe die Menschen eher schockiert, dass die beiden bereits Kinder hatten, schon etwas älter waren und dann nach nicht mal einem Jahr Beziehung noch einmal Eltern wurden: "Die Leute haben gesagt: "Ihr spinnt!" Jetzt haben wir zusammen neun Kinder, aber gemeinsam zwei", erzählt Evelyne.

Evelyne und Max zusammen 2011. (Foto: privat)
Evelyne und Max zusammen 2011. privat

Hürden vor der Hochzeit

Max sagt, dass sie alles verkehrt herum gemacht haben: Erst Kinder, dann Auto und ein gemeinsames Haus. Und erst nach dem verflixten siebten Jahr kam die Hochzeit. Da hat die Herkunft der beiden tatsächlich für Probleme gesorgt.

Denn sie brauchten Originale der Geburtsurkunden aus dem Herkunftsland - das sei bei Argentinien gar nicht so einfach gewesen. Max musste schließlich persönlich nach Buenos Aires reisen, um die Dokumente abzuholen. In der Zwischenzeit waren aber Evelynes Urkunden abgelaufen - die waren nämlich pünktlich angekommen.

Einander Heimat sein

Mittlerweile haben Evelyne und Max in Daun ihr Zuhause gefunden. Die Landschaft erinnert Evelyne an die Schweiz, die immer ihre Heimat bleiben wird. Für Max ist der Begriff der Heimat schwerer zu fassen. In Evelyne aber hat er sie gefunden.

"Sie ist auch neugierig, das verbindet uns. Wenn wir miteinander telefonieren - egal in welcher Entfernung und wie die Verbindung ist - dann ist da diese Nähe. Die Entfernung verschwindet. Dann habe ich ein Stück Heimat."

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