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Als der sogenannte Islamische Staat Malak Alhawags Stadt einnimmt, muss sie aus Syrien fliehen. In Saarburg findet sie eine neue Heimat, bei der Start-Stiftung eine zweite Familie.

Vor ihrem ersten Start-Treffen hat Malak Alhawag Angst. "Ich dachte, das ist ein Programm für Streber, die nur gute Noten schreiben", sagt die 21-Jährige rückblickend. "Ich dagegen konnte noch nicht mal die Sprache richtig gut." Erst wenige Monate zuvor war Malak Alhawag mit ihrer Familie aus Syrien geflüchtet und über Umwege nach Saarburg (Kreis Trier-Saarburg) gekommen.

Start-Stiftung wird zur internationalen Familie

Die anderen Stipendiatinnen und Stipendiaten empfangen Malak Alhawag bei ihrem ersten Treffen mit offenen Armen. Vier Jahre später ist die Start-Stiftung für die Saarburgerin wie eine zweite Familie - eine sehr internationale Familie. Denn die Stipendiatinnen und Stipendiaten kommen aus der ganzen Welt. Manche sind wie Malak Alhawag Geflüchtete, andere haben Eltern mit Migrationshintergrund.

Eines hätten sie aber alle gemeinsam, sagt die Landeskoordinatorin für Start in Rheinland-Pfalz, Elisabeth Schäfer. Sie wollten etwas verändern.

"Es geht nicht darum, dass die Stipendiatinnen und Stipendiaten alle Einserschüler sind. Wir suchen nach Menschen mit Mut und Idealen."

Manche von ihnen seien Schulsprecherinnen oder Schulsprecher oder in Klimabewegungen aktiv. Malek Alhawag engagierte sich an ihrer Schule gegen Rassismus und Diskriminierung.

Malak Alhawag: Fragen zur Religion nicht länger "tabu"

Die Start-Stiftung unterstützt die Jugendlichen jeweils für drei Jahre. Viele von ihnen seien finanziell benachteiligt, so Schäfer. Deshalb bekommen sie von der Stiftung einen Laptop und 1.000 Euro im Jahr, die sie für Bildung ausgeben können. Malak Alhawag hat sich davon unter anderem Schulbücher und Zeitungen gekauft, war im Theater und im Museum.

Neben der finanziellen Hilfe organisiert die Start-Stiftung auch Workshops und Seminare etwa zu Nachhaltigkeit, Demokratie oder Fake News. Dabei geht es auch um Themen, die in Syrien für Malak Alhawag tabu waren. "Ich habe mich nie getraut, meinen christlichen Freunden dort Fragen zur Religion zu stellen", sagt die 21-Jährige. "Hier ist die Gesellschaft viel offener."

"Start-Freunde" helfen bei Mathe

Die Freundinnen und Freunde aus Malak Alhawags "Gang", wie sie sie selbst nennt, haben syrische, somalische oder chinesische Wurzeln. Mit ihnen sitzt Malak Alhawag oft zusammen, tauscht Erfahrungen aus. Einmal gehen sie auch gemeinsam ins Kino.

Als die Corona-Pandemie beginnt, kann sich die Gruppe nur noch am Computer sehen. Ausflüge werden gestrichen. Trotzdem ist die Stiftung für Malak Alhawag wichtiger denn je. "Meine Start-Freunde waren während der Pandemie immer für mich da", sagt sie. Besonders während des Abiturs sei es nicht leicht gewesen, der Stress habe ihr zugesetzt. "Da haben mir meine Start-Freunde bei den Mathe-Hausaufgaben geholfen, mir zugehört und Tipps gegeben."

Saarburgerin will ein soziales Jahr machen

Mit der Schule endet normalerweise für die Stipendiatinnen und Stipendiaten auch die Zeit bei der Start-Stiftung. Malak Alhawag durfte aber wegen der Corona-Pandemie um ein Jahr verlängern. Sie verlasse die Stiftung als freier, unabhängiger und selbstbewusster Mensch, sagt die Saarburgerin. Dafür ist sie sehr dankbar. Nun möchte sie ein soziales Jahr machen. Sie will der Gesellschaft, die sie mit offenen Armen empfangen hat, etwas zurückgeben.

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